Der Musiker über seine Kindheit und Selbstfindungsphase Udo Lindenberg: "Bin ich ein Frauenheld, oder bin ich vielleicht auch ein bisschen schwul?"

Der Vater trank in der Kneipe, während er in Gronau mit Mutter und Tanten auf dem Friedhof stand. Schon mit 13 begann Udo Lindenberg zu trinken und zu rauchen, außerdem fühlte er sich als Sandwich-Kind stets ein bisschen vernachlässigt. Der Panik-Rocker sprach mit "Spiegel Online" über seine Kindheit und Selbstfindungsphase.

 

"Es gab einen großen Bruder, ein Vorzeigekind, Erich", danach hätten die Eltern von Udo Lindenberg (68, "Sündenknall") eigentlich gerne ein Mädchen gehabt, doch gekommen sei "ein Knabe, nämlich ich." So beschreibt der Musiker im Interview für die "Spiegel Online"-Rubrik "einestages" seine Familienkonstellation. Ein Jahr danach seien dann Zwillinge zur Welt gekommen - "zwei so süße Mädchen" - und der Junge dazwischen "lief halt so mit". Er glaube, er habe sich ab und zu vernachlässigt gefühlt. Über "die Trommelei" habe er versucht auf sich aufmerksam zu machen. "Ich habe die Trommel mit ins Bett genommen, die Trommel war etwas zum Kuscheln für mich, so wie andere einen Teddy nehmen. Die Trommel war mein Ein und Alles", erzählt Lindenberg.

Gehasst habe er die Feiertage in seiner Heimatstadt Gronau, "an denen man sauber angezogen und gescheitelt wurde und andauernd auf den Friedhof musste, Fronleichnam, Allerseelen, Allerheiligen". An diesen Tagen habe man auf seine Klamotten achten müssen und nicht im Dreck spielen dürfen. Während man mit Mutter und Tanten auf dem Friedhof war, saß der Vater "in der Kneipe und besoff sich." Lindenbergs Erzeuger sei "so militärisch ausgerichtet" gewesen, dass gleich der Sonntagnachmittagausflug mit den Kindern ins Grüne abgesagt worden war, "wenn eine Socke nur ein bisschen schief lag." Die Folge: "Er ging in die Kneipe, war anschließend breit - und meine Mutter weinte." Manchmal sei der Vater drei Tage nicht nach Hause gekommen und habe in der Kneipe geschlafen. Heute sagt Lindenberg, er habe versucht seinen Vater gut zu finden, doch diesem Wunsch "konnte nicht entsprochen werden."

In der Schule war der Musiker "ein wenig wie Huckleberry Finn", erzählt er, habe immer nach den Leuten gesucht, "die gut Mist machten." Zum Beispiel: "Das Auto klauen vom Alten und sich ein Kissen auf den Sitz legen und größer wirken, wenn die Bullen mal gucken. Oder zum Puff zwei Dörfer weiter fahren." Mit 13 habe er bereits angefangen Alkohol zu trinken und zu rauchen. Es habe Zeiten gegeben, da habe er nicht gewusst, wer er war. "Ich wusste nicht, bin ich der Frauenheld oder kann ich der werden, oder bin ich vielleicht auch ein bisschen schwul?", fasst er die Phase seines Erwachsenwerdens zusammen.

Lindenbergs erste große Liebe war dennoch weiblich - eine Sportlerin. "Ich war vierzehn, sie war älter als ich und ging auf das Gymnasium", erinnert er sich. Sie habe ich "zwar ganz nett" gefunden, sei aber bereits liiert gewesen. Später habe er sie einmal wieder getroffen, aus dem Jugendschwarm war eine Sportlehrerin geworden: "Da stand sie mit ihrer Klasse, den ganzen Teenies und wirkte so ein bisschen wie eine Oma. Ich war ja damals Teeniestar." Er habe den Schülerinnen dann erzählt, dass er ihre Lehrerin früher richtig klasse fand "und dass sie mit mir echt eine gute Partie gemacht hätte, aber so dusselig war, nicht darauf einzusteigen."

 

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