Der Löwen-Rebell exklusiv Kirmaier im AZ-Interview: „Ich werde weiterklagen“

Helmut Kirmaier (re.) im Gespräch mit AZ-Reporter Marc Merten. Foto: Daniel von Loeper

Am Dienstagabend wählt der TSV 1860 Gerhard Mayrhofer wohl zum Präsidenten. Doch Helmut Kirmaier kündigt Widerstand an.

 

München - Seit eineinhalb Jahren kämpft Kirmaier gerichtlich gegen die Löwen. Ausgangspunkt war ein Satzungsfehler nach der Demission von Präsident Dieter Schneider. Ein Ende der Streitigkeiten ist nicht in Sicht. Im Gegenteil.

AZ: Herr Kirmaier, Sie klagen seit fast eineinhalb Jahren gegen den Verein. Dennoch sagte Gerhard Mayrhofer am Sonntagabend im „Blickpunkt Sport“, niemand wisse, was Helmut Kirmaier eigentlich will. Also bitte, jetzt haben Sie die Chance sich zu erklären.
HELMUT KIRMAIER: Ich will, dass sich der Verein an die Satzung hält. Ich führe den Prozess nicht gegen den Verein. Ich führe ihn für den Verein. Das kann ich aber nur, indem ich gegen den Verein klage, weil es rechtlich nicht anders geht. Ich muss gegen den Verein klagen, weil es im Sinne von 1860 ist.

Herr Mayrhofer sieht das anders. Er sagt: Sie wollen die „alte Ordnung wiederherstellen“ und den Klub „lahm legen“.
Das stimmt nicht.

Es heißt sogar, Erich Meidert habe dem Verein angeboten, die Sache mit einer Zahlung von 500.000 Euro an Sie aus der Welt zu schaffen.
Soll ich Ihnen was sagen? Die Zahl 500.000 kam von mir – aber nicht so, wie es dargestellt wurde. Es hat ein Treffen gegeben zwischen mir, Meidert, Noor Basha, Erik Altmann und Harald Riedl. Von Investorenseite kam die Frage, ob man das Problem mit Geld lösen könnte. Da habe ich gesagt: Ihr könntet mir 500.000 Euro zahlen, da würde ich vielleicht sogar schwach werden. Aber wegen Geld mache ich das nicht. Ich bin ein ehrlicher Mensch. Und das Geld würde weder mir noch Euch etwas helfen. Da hat mich Altmann gefragt: Wieso? Und ich habe geantwortet: Weil Ihr dann noch immer keine Rechtssicherheit hättet. So war das.

Also stecken Sie und Erich Meidert nicht unter einer Decke – keine „Bande“, wie Herr Mayrhofer mutmaßt?
Nein. Da steckt niemand anderes dahinter als ich selbst.

Okay, aber wie ist dann Ihr Verhältnis zu Erich Meidert?
Letztes Jahr hat der Aufsichtsrat Dieter Schneider als Präsident gestürzt und vom Hof gejagt. Hep Monatzeder sollte neuer Präsident werden, wurde aber nicht bestätigt. Damals brauchte es jemanden, der als Notvorstand einspringen kann. Da hat sich Erich Meidert bereit erklärt.

Und Sie haben ihn unterstützt, weil...
...mir nicht gepasst hat, wie die Herrn bei Sechzig mit Investor Ismaik umgegangen sind. Damals habe ich mich als Mitglied geschämt. Der Mann hat Millionen in den Klub gesteckt und wurde als Kameltreiber bezeichnet. Das war ein Skandal. Ich habe für Ismaik gekämpft und wollte ein Präsidium, das hinter dem Investor steht.

Und dann?
Dann wurde Meidert bedroht und hat sich zurückgezogen.

Bedroht? Von wem?
Das wird er noch selbst erklären. Aber ich weiß, dass er unter Druck gesetzt wurde und deswegen nicht mehr zur Verfügung stehen wollte.

Und was ist mit Dieter Schneider? Wie stehen Sie mit ihm in Verbindung?
Ich habe Dieter Schneider das allererste Mal im April 2014 gesprochen. Ich habe ihn zweimal getroffen und Ende.

Aber mit ihm fing alles an.
Ja. Der Öffentlichkeit wurde mitgeteilt, dass Dieter Schneider zurückgetreten sei. Aber das war er gar nicht. Der Aufsichtsrat ist damals über Leichen gegangen und hat Schneider aus dem Weg geräumt.

Und als Monatzeder nicht als Präsident bestätigt wurde...
...war klar, dass Schneider weiter im Amt ist. Aber der Verein hat sich darüber hinweg gesetzt.

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Und seit diesem Moment ist laut Ihrer Darstellung alles ungültig, was der Verein beschlossen hat.
Genau. Ich habe den Verein darauf hingewiesen, dass die Satzung missbraucht wurde. Doch anstatt das zu prüfen, stellt sich Mayrhofer hin und sagt: Solche Mitglieder brauchen wir nicht.

Am Dienstagabend will sich Mayrhofer von den Delegierten wieder zum Präsident wählen lassen. Er sagte nun aber selbst, er könne nicht sicher sein, ob alles wasserdicht sei. Das muss Sie doch bestätigt haben.
Absolut. Wir wissen, dass wir auf der richtigen Fährte sind. Egal, was beschlossen wird, wir werden dagegen vorgehen. Sobald die Versammlung stattfindet und irgendetwas beschließt, werden wir klagen.

Die Zeit einer außergerichtlichen Lösung ist also vorbei?
Ich kann mich natürlich einigen, aber mit dem Beklagten. Und der Beklagte ist Dieter Schneider, der Präsident.

Herr Schneider tut aber selbst nichts, um zu helfen.
Was soll er den tun, wenn er vom Verein keine Unterlagen bekommt und sich an der Grünwalder Straße nicht mehr blicken lassen darf?

Moment. Selbst, wenn Schneider nicht mehr auf die Geschäftsstelle dürfte, kann er doch trotzdem Gespräche führen und vor Gericht erscheinen. Er scheint aber kein Interesse daran zu haben, das Problem gemeinsam mit Mayrhofer zu lösen.
Warum mit Mayrhofer? Mayrhofer hat kein Mandat im Verein.

Aber Dieter Schneider. Also hätte der alte Präsident doch alle Zügel in der Hand gemeinsam mit dem potentiell neuen Präsidenten den Verein wieder auf den richten Weg zu bringen. Mit Ihnen als Vermittler.
Das geht nicht. Es ist rechtlich nicht machbar. Und Mayrhofer hätte es nicht zugelassen.

Okay, wir kommen an dieser Stelle offenbar nicht weiter. Eine Frage bleibt aber noch: Mayrhofer beklagt sich über Kosten in Höhe von 100.000 Euro. Woher nehmen Sie denn das Geld für den Rechtsstreit?
Ich finanziere das selbst. Das alles hat mich bislang circa 15.000 Euro gekostet. Da steckt niemand dahinter, der mir unbeobachtet die Taschen füllt. Ich wäre ja froh, wenn das jemand mitfinanzieren würde. Aber das ist nicht so.

 

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