"Der irre Iwan"-Star im Interview Christian Ulmen: "Tatort auf Lebenszeit - warum nicht?"

Ermitteln gemeinsam: Die Schauspieler Nora Tschirner als Kira Dorn und Christian Ulment als Lessing. Foto: dpa

An Neujahr ist Christian Ulmen im ersten Tatort des Jahres "Der irre Iwan" zusammen mit Nora Tschirner in der ARD zu sehen. Im AZ-Interview spricht der TV-Komissar über Nacktszenen, Rente und Testosteron.

 

München - Christian Ulmen ermittelt an Neujahr in "Der irre Iwan" zum zweiten Mal mit Nora Tschirner an seiner Seite im Weimar-Tatort in der ARD. Im exklusiven AZ-Interview spricht der 39-Jährige über Nacktszenen, Rente und seine Kollegin Tschirner.

AZ: Herr Ulmen, Sie spielen im ersten Tatort des Jahres gleich am Neujahrsabend. Ist das ein guter Sendeplatz?

Ich find’s toll, dass wir wieder der Feiertags-Tatort sind. Und Gott sei Dank nicht an Fronleichnam oder am Buß- und Bettag, sondern wieder an einem positiv belegten Feiertag. Der erste Tatort des Jahres, am 1.01. im Ersten, um 20.15 Uhr im Jahr 2015 – ich finde mehr geht nicht.

Ist „Der irre Iwan“ besser als „Die fette Hoppe“, der letzte Weihnachten ausgestrahlt wurde?

CHRISTIAN ULMEN: Absolut. Und der Erste war schon sensationell gut. Beide feiern Weimar auf ihre Art und Weise. Aber in Sachen Absurdität haben die Autoren diesmal noch einen draufgelegt. In diesem beschaulichen Städtchen, das ja nicht gerade als Drogenumschlagplatz oder Mafiazentrale bekannt ist, müssen die Kriminalfälle durch ihre Absurdität bestechen. Der Plot dreht und twisted sich, dass einem schwindlig wird.

Kann man dem trotz Silvesterkater folgen?

Unbedingt! Ich empfehle ihn speziell allen Katerkranken Silvester-Opfern. Genau die richtige Medizin, um die Hirnwindungen wieder zu entwirren. „Der irre Iwan“ wirkt wie ein Konterbier!

Ihre Lieblingsszene?

Ich bin ein großer Fan davon, wenn andere Menschen nackt sind, und davon gibt es einige. Und ich bin ein Fan von Nora Tschirners Gefühlsausbrüchen. Davon hat sie gleich einen in der ersten Minute und das finde ich bei ihr noch viel bewegender als eine Massenhinrichtung. Nora ist stärker als jedes Gunfire.

Warum klappt das so gut mit Ihnen und Frau Tschirner?

Tut es ja gar nicht. Und dann eben doch. Wohl, weil wir uns kennen und schon ewig zusammen spielen. Und weil wir uns hassen und auch lieben. Wir sind wie Giovane Elber und Fredi Bobic, die kannten auch ihre gegenseitigen Laufwege damals beim Stuttgarter VfB. Ich hätte uns auch mit Poldi und Schweini verglichen, aber die sind zu jung. Ich mag es immer mit den gleichen Leuten zu arbeiten, weil das so herrlich familiär ist. Und Nora gehört bei uns Zuhause sowieso seit langem zum Inventar.

Erklären Sie mal.

Als wir noch in Berlin wohnten, war sie ständig bei uns. Sie ist da, und das meine ich ganz positiv, wie Lakritz, wie Bärendreck – sie geht nur schwer weg. Ist aber auch ganz angenehm, weil sie dadurch zu den Einrichtungs-Accessoires gehört, und ich liebe Wohn-Accessoires so sehr wie Nora. Wenn meine Frau und ich einkaufen gehen, dann kaufen wir immer extra eine Flasche Prosecco für Nora, falls sie wieder unangemeldet vorbeischneit. Sie kommt sogar Weihnachten vorbei. Nur dieses Jahr müssen wir sie irgendwo anders parken, da wir Weihnachten in die Sonne fliegen.

Frau Tschirner macht Ihnen im Film einen Antrag mit den Worten „Willst Du meine Frau werden?“. Hat die Frau wirklich mehr Testosteron als Sie?

Natürlich nicht! Ich bin schon der Mann in unserer beruflichen Beziehung. Eigentlich ist sie ein ganz zartes Seelchen, wenn man hinter die harte Pankower Schale schaut. Aber nachdem ich im Film mit meinem Antrag gescheitert bin, hat sie das halt übernommen. Welche Folgen dieser Antrag in Zukunft hat, darf ich natürlich nicht verraten. Aber ich mag dieses Rollenbild, das wir da abgeben. Unsere Kommissare sind wie das Cowgirl und der Dichter.

Wessen Kind lag beim Dreh im Kinderwagen? Praktizieren Sie das Schweiger-Modell?

Das waren Zwillinge von einem Paar aus Weimar. Aber ich finde das Schweiger-Modell im Prinzip nicht schlecht, solange die Kinder da Bock drauf haben. Ich hatte meine Tochter für eine Woche in Weimar dabei. Da wir auf einem Rummel drehten, bot sich das ja an.

Wie bürgerlich ist Ihr Leben?

Ich führe ein sehr unbürgerliches Leben, weil es bei mir kaum Konstante gibt. Manchmal sehne ich mich danach morgens ins Büro zu fahren, abends nach Hause zu kommen und zu wissen, dass diese Regelmäßigkeit ein paar Jahre so weiter geht. Wahrscheinlich würde ich es in der Praxis nicht aushalten, aber diese Sehnsucht nach bürgerlichen Routinen kenne ich trotzdem. Deswegen gehe ich regelmäßig ins Fußballstadion zur Hertha. Das gibt mir das Gefühl von Beständigkeit, wie anderen Menschen vielleicht die Kirche.

Beim Tatort sind Sie bei einem sehr bürgerlichen und altehrwürdigen Format gelandet. Flößt Ihnen das Respekt ein?

Der Tatort war für mich Gott sei Dank nie solch eine Heilige Kuh, sonst wäre ich da viel zu ängstlich rangegangen. Dadurch dass ich jahrelang für MTV in London war, war er meiner Fernseh-Sehgewohnheit entrückt, denn in England gab’s keinen Tatort. Ich habe ihn erst durch meine Anfrage wieder entdeckt. Ich gebe mir Mühe und nehme das genauso ernst als wenn ich einen Kinofilm drehe. Ich habe keinen übertriebenen Respekt. Dafür aber sehr viel Spaß.

Haben Sie den Ehrgeiz, der beste Tatort zu werden?

Wir sind der erste Tatort des Jahres. Das kann uns niemand nehmen. Im letzten Jahr waren wir der meist gestreamte Tatort im Netz. Das hat mich gefreut, regt in mir aber keinen Wettbewerbs-Ehrgeiz.

Muss man alte Muster durchbrechen um heute mit dem Tatort zu punkten?

Letztlich ist Krimi immer Krimi. Es gibt einen Toten und du musst rauskriegen wer der Mörder ist. Das muss man nicht durchbrechen und plötzlich einen Tatort ohne Leichen drehen. Das hat schon ganz viel mit Tradition und Konvention zutun. Aber das schöne ist ja, dass es so viele Beweggründe für Mord gibt.

Würden Sie gerne als Tatort-Kommissar in Rente gehen?

Wir haben jetzt erst mal einen weiteren für 2015 verabredet. Wenn der fertig ist, schauen wir weiter. Aber ein Tatort pro Jahr auf Lebenszeit, warum nicht? Als neulich bei uns die Kripo vor der Tür stand, weil wir eine Straftat vor unserem Haus bezeugen mussten, habe ich die aus Versehen wie Kollegen begrüßt. Das kam unbewusst und war mir sehr peinlich. Aber ich fand’s toll zu beobachten, dass das reale Ermittler-Pärchen genau denselben Text hatte wie Nora und ich.

Wie fällt Ihr Resümee für 2014 aus?

Ich habe drei Filme gemacht und trotzdem noch genug Zeit Zuhause verbracht. Da unsere Tochter noch nicht in den Kindergarten geht, war das oft ein sogenannter Spagat, aber den haben wir gut hinbekommen. Meine Frau ist ja ausgebildete Ballett-Tänzerin. Aber ich bin kein Freund von Jahres-Resümees. Ich kenne diese Neujahrsmelancholie nicht, für mich ist der Jahreswechsel einfach so ein Steuererklärungsding. Und selbst die schaffe ich nicht pünktlich.

Mit welcher Schlagzeile könnten wir Sie im Neuen Jahr glücklich machen?

Nora Tschirner überzeugt im neuen Tatort sanft und anschmiegsam wie ein Kätzchen.

„Tatort – Der irre Iwan“ läuft am Neujahrstag, 1. Januar, um 20.15 Uhr in der ARD.

 

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