"Der feine Unterschied" Nach Löw-Rüge: Lahm zeigt sich reumütig

Fehler? Als aktiver Spieler über ehemalige Trainer geurteilt zu haben - ja. Die Autobiografie "Der kleine Unterschied" geschrieben zu haben - nein. So Lahms Aussagen auf der Pressekonferenz mit Jogi Löw am Dienstag. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Bundestrainer Jogi Löw hat Buch-Autor Phillip Lahm in einem persönlichen Gespräch Fehler vorgehalten. Der bezeichnete daraufhin erstmals seine Trainer-Kritik als Fehler.

 

Düsseldorf - Bundestrainer Joachim Löw hat Philipp Lahm in einem persönlichen Gespräch nochmals für Passagen in seinem Buch gerügt, sieht aber keinen Anlass für einen veränderten Umgang mit seinem Kapitän. „An unserem vertrauensvollen Verhältnis ändert sich selbstverständlich nichts“, erklärte Löw am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Lahm in Düsseldorf.

Der Fußball-Bundestrainer bezeichnete den 27-jährigen Münchner „als authentisch, als ehrlich“ und „als klar in seinen Vorstellungen“. Eine Absetzung von Lahm als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft habe in dem Gespräch der sportlichen Leitung mit Lahm am Montagabend nicht zur Diskussion gestanden, berichtete Löw.

Der DFB-Cheftrainer wiederholte seine Kritik an Passagen in dem Buch „Der feine Unterschied“, das in der Fußball-Bundesliga und der Öffentlichkeit nach wie vor hohe Wellen schlägt. „Ich persönlich finde es nicht glücklich, wenn man als aktueller Spieler in der Öffentlichkeit über Trainer urteilt. Das steht niemandem zu“, sagte Löw. „Das habe ich Philipp auch so gesagt“. Lahm habe aber, wie Löw mit Nachdruck betonte, „keine Interna aus der Mannschaft“ verraten.

Der Kapitän zeigte sich nach einigen „nicht so angenehmen Tagen“ reumütig. Der 27-Jährige bezeichnete es erstmals als „Fehler“, als aktiver Spieler über ehemalige Trainer geschrieben zu haben. „Ich werde nicht mehr über Trainer urteilen. Wenn der Bundestrainer das so will, werde ich mich daran halten“, beteuerte Lahm. Das Buch zu schreiben, sei jedoch „kein Fehler“ gewesen, bekräftigte er erneut.

Lahm hatte die Arbeitsmethoden des früheren DFB-Teamchefs Rudi Völler sowie ehemaliger Bayern-Trainer wie Jürgen Klinsmann, Felix Magath und Louis van Gaal teilweise infrage gestellt. Löw äußerte eindringlich den Wunsch, dass die Causa Lahm damit zumindest teamintern erledigt sei. „Es stört, dass wir tagelang andere Themen diskutieren“, sagte der Bundestrainer. Er forderte, sich ab sofort nur noch auf das EM-Qualifikationsspiel am Freitag in Gelsenkirchen gegen Österreich zu fokussieren. „Wir brauchen noch einen Sieg, um für die EM planen zu können. Es ist nötig, uns auf den Fußball zu konzentrieren“, erklärte Löw.

Gegen Österreich und im Testspiel vier Tage später in Danzig gegen Polen muss Löw auch auf Mittelfeldspieler Sven Bender verzichten. Der Dortmunder fällt wegen einer Verletzung am Sprunggelenk aus. Zuvor hatten verletzungsbedingt bereits Sami Khedira, Mario Gomez und Neuling Marco Reus absagen müssen. Löw hatte für Gomez den Stuttgarter Cacau nachnominiert. Einen Ersatz für Bender will er nicht nachholen.

„18 Feldspieler und drei Torhüter genügen.“ Das erste Training am Dienstagnachmittag sollte ohne Per Mertesacker stattfinden. Der vom FC Arsenal umworbene Abwehrspieler wurde von Löw für einen Tag für Verhandlungen über einen Wechsel vom SV Werder Bremen in die englische Premier League freigestellt. Am Mittwoch, wenn die Wechselfrist endet, soll der 26 Jahre alte Mertesacker wieder bei der Nationalmannschaft im Einsatz sein.

 

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