Der FC Bayern jagt den HSV-Rekord Horst Hrubesch über Super-Bayern: "Siegen macht süchtig"

Rote Serienjubler: Zuletzt feierten Bastian Schweinsteiger (l.) und Thomas Müller (Mitte) Torschütze Mario Götze beim 3:2 gegen Hertha BSC. Foto: dpa/AZ/Rauchensteiner/Augenklick

In Hoffenheim kann der FC Bayern München einen Unbesiegbar-Rekord knacken. Horst Hrubesch hat ihn 1983 mit dem Hamburger SV aufgestellt. Warum er es Pep gönnt – und wie das deutsche Kopfballungeheuer Mario Mandzukic adelt.

 

AZ: Herr Hrubesch, zwischen Januar 1982 und Januar 1983 blieben Sie mit dem Hamburger SV 36-mal in Folge ungeschlagen Der FC Bayern steht bei 35 ungeschlagenen Partien und kann in Hoffenheim gleichziehen. Ärgerlich?

HORST HRUBESCH: Ach was! Ich wünsche es den Bayern, ich gönne es ihnen. Wenn sie es geschafft und uns überholt haben, ziehe ich den Hut.

Dazwischen liegen über 30 Jahre. Sind Zeiten und Teams vergleichbar?

Man hat damals bei uns immer gesagt, das ist ein Rekord für die Ewigkeit – jetzt können ihn die Bayern verbessern. Und ihrerseits einen Rekord für die Ewigkeit schaffen. Der Reiz der Gegner liegt darin, die Mannschaft zu sein, die Bayern aufhält und stoppt.

War es damals oder heute schwieriger, so lange durchzuhalten?

Es ist immer schwierig. Vielleicht war die Qualität der Teams oben in der Spitze zu unserer Zeit etwas breiter. Mit Bayern, Stuttgart, Bremen, auch Köln und uns. Jetzt laufen mit Bayern, Dortmund und Leverkusen nur drei Mannschaften vorweg.

Bedeutet für Sie als Spieler damals der Rekord eine echte Motivation?

Nein, du willst einfach den Titel holen, der Rekord kam dann von ganz alleine. Wenn du Meister bist, willst du Meister bleiben. Das Spannende ist: Du wirst gejagt, jede Mannschaft will dich packen, will der Rekord-Knacker sein. Und du musst dagegen halten, das ist der Reiz. Es geht darum, immer wieder die Leistung zu bestätigen – immer wieder, immer wieder, Spiel für Spiel, Woche für Woche.

Können Sie noch erinnern, in welchem Spiel ihre Serie dann gerissen ist.

Gegen Werder Bremen.

Genau, am 29. Januar 1983.

Ich erinnere mich: Das Spiel hätten wir klar gewinnen müssen – zumindest niemals verlieren! Ein typisches Nordderby. Danach haben wir in der Saison wieder zwölf Spiele hintereinander nicht verloren. Stellen Sie sich vor, was das für eine Serie geworden wäre! Das fasziniert eine Mannschaft, macht süchtig.

Siehe die aktuelle Bayern-Mannschaft von Trainer Pep Guardiola. Felix Magath, ihr Mitspieler der goldenen HSV-Ära, sagte: "Diese Bayern haben eigentlich keinen Gegner mehr, jedenfalls nicht in Deutschland. Und das Selbstbewusstsein wächst mit jedem Spiel." Hat er Recht?

Letztes Jahr war die Meisterschaft ziemlich eindeutig, dieses Jahr noch einigermaßen eng. Unbestritten ist: Die Bayern sind übermächtig. Sie werden nicht nachlassen und wohl wieder die Meisterschaft gewinnen. Aber: Sie müssen mehr tun dafür als letztes Jahr. Die Bayern können das Triple wiederholen, keine Frage. Sie können in allen drei Wettbewerben ihre Titel verteidigen.

Weil Guardiola die Bayern auf ein neues Level hebt?

Das Spiel der Bayern ist jetzt noch einen Tick lebendiger, noch schneller und damit noch unberechenbarer. Er versucht, die ganze Geschichte noch weiter zu perfektionieren. Er kommt jetzt an den Punkt, an dem die Spieler nach vier Monaten alles annehmen. Daher ist noch Luft nach oben.

Als bester Kopfballspieler der Liga gilt Mario Mandzukic. Ist er der Neuzeit-Hrubesch der aktuellen Bayern?

Na ja, früher gab es auch einen Dieter Hoeneß. Als Trainer sage ich meinen Spielern immer: Lasst euch nicht an anderen messen. Ein Miro Klose springt auch fast drei Meter hoch beim Kopfball. Aber es stimmt: Mandzukic hat außergewöhnliche Qualitäten, nicht nur als Kopfballspieler. Er weicht auf die Flügel aus, lässt sich fallen, geht weite Wege. Er kann sich auch noch entwickeln, ist noch kein fertiger Spieler. Generell gilt: Ich bin ja immer heilfroh, wenn ein Spieler richtig gut im Kopfball ist.

 

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