Der FC Bayern an der Spitze Bayern spielt Tiki-Taka-Bavaria

Franck Ribéry (r.) läuft seinen Leverkusener Gegenspielern (mal wieder) auf und davon. Foto: dpa

Der FC Bayern spielt den Tabellendritten Bayer Leverkusen schwindelig. "Weltklasse", sagt Boss Karl-Heinz Rummenigge. Was die Frage aufwirft: Wo soll das noch hinführen, wenn die Stars jetzt auch ihre Chancen ausnutzen?

 

Leverkusen - Sie sind wieder da, wo sie hingehören. Die Bayern, an der Tabellenspitze der Liga. Mit dem 1:1 in Leverkusen hat sich der FC Bayern einen Punkt vor Borussia Dortmund wieder an den Platz der Sonne gesetzt – und das schon nach acht Spieltagen, trotz aller Umwälzungen unter Trainer Pep Guardiola, der Pepvolution.

Einziger Kritikpunkt nach der Gala: das Ergebnis. Wie schon in der Champions League gegen Manchester City (3:1) brillierte Bayern, spielte den Gegner an die Wand – nahm diesmal aber nur einen Punkt mit nach Hause.

"Die Leistung war sehr gut, das Ergebnis eine absolute Katastrophe", sagte Toni Kroos, der als einziger Leverkusen-Torwart Bernd Leno überwinden konnte (30.). "Man spricht immer von Dusel-Bayern, diesmal war es Dusel-Bayer", meinte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge: "Spielerisch war das Weltklasse, fußballerisch auf unglaublich hohem Niveau. Aber: Wir haben uns nicht belohnt."

Immerhin reift nach acht Spieltagen die Erkenntnis: Die Bayern können sich diese Saison wieder nur selbst schlagen. Dass das nicht allzu häufig passieren wird, dafür wird Guardiola schon sorgen. Und wo bitteschön soll das überhaupt noch hinführen, wenn endlich alle Spieler zu hundert Prozent fit sind (Götze, Schweinsteiger), alle Rädchen ineinander greifen?

"Wir haben diese Woche nochmal einen Riesenschritt nach vorne gemacht", meinte Philipp Lahm. Als Warnung formuliert. Sky-Experte Lothar Matthäus beschrieb die überaus attraktive Spielweise so: "Das ist Tiki-Taka-Bavaria – Fußball, wie wir ihn aus Spanien kennen. Das ist neu bei Bayern."

Guardiola selbst saß nach Spielschluss noch Minuten auf der Trainerbank, stierte gedankenverloren ins Leere. Dann sammelte er sich: "In meiner ersten Periode hier ist das Wichtigste, wie wir spielen." Die Konkurrenz kann sich also schon mal warm anziehen. Die AZ zeigt, was bei Bayern passt – und was sogar noch besser wird:

DEFENSIVVERHALTEN: Mit Javi Martínez ist Peps Wunsch-Abwehrchef noch nicht mal fit. In seiner Abwesenheit finden Dante und Jérôme Boateng Woche für Woche näher an ihre Triple-Topform heran, sind bei Ballverlusten in der Offensive blitzaufmerksam, lassen sich kaum mehr übertölpeln – auch, wenn sie unter Pep mit viel Risiko spielen müssen.

MITTELFELD-DOMINANZ: 78 Prozent Ballbesitz waren gegen Leverkusen erdrückend. Ganz in Weiß angetreten, erinnerte der Triple-Sieger phasenweise an das Weiße Ballett aus Real Madrids besten Tagen. Wobei: Man fühlte sich eher an ein Pokalspiel zwischen einem Bundesligisten und einer Drittligatruppe erinnert, so erbarmungslos brachen die Angriffswellen über Bayer herein.

Beeindruckend: Atemberaubende 90 Prozent der insgesamt 698 Pässe (!) kamen an. "Wir haben gespielt wie ein Champion", sagte Franck Ribéry, der seinen Gegenspielern Schwindelanfälle bereitet hatte.

Bei Pep sind in Ballbesitz die Außenverteidiger, alle Mittelfeldspieler und die Spitze ständig in Bewegung, acht Mann kreisen dann um den Ball. Geht’s noch besser? Oh ja! Barcelona schafft es in Glanzform, bis zu 900 Pässe pro Spiel zu spielen. Aber bald ist ja auch Thiago wieder fit...

CHANCENVERWERTUNG: Das große Manko der laufenden Saison. Gegen Leverkusen schossen die Bayern 27-mal aufs Tor, dazu kamen 14:2 Ecken. Nach Standards haben die Münchner in der Liga aber noch gar nicht getroffen.

"Es ist wie eine Krankheit", haderte Thomas Müller. "Wir hatten in den ersten Spielen auch schon 30, 40 Chancen, die wir hätten machen können."

Also: besser machen. Die nächste Chance bietet sich in zwei Wochen – dann mit zwei Heimspielen gegen Mainz und Pilsen.

 

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