Der Fall Onukogu Münchner Anwalt kämpft gegen Rassismus

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Ikenna Onukogu. Foto: WAZ Fotopool, ho

Erst fremdenfeindlich beleidigt, dann gesperrt: Der Fall Ikenna Onukogu vor geht vor Gericht. Der Münchner Anwalt Heiner Kahlert vertritt den dunkelhäutigen Spieler.

 

München - „Nigger, Affe, Scheiß Neger“ sollen Fans der gegnerischen Fußballmannschaft Dostlukspor Bottrop gebrüllt haben. Die Mannschaft und deren Trainer haben sich bei Ikenna Onukogu dafür entschuldigt. Gesperrt aber wurde Onukogu. Ein Fall, der deutschlandweit Aufsehen erregte. Heute ist der Prozess vor dem Verbandsgericht des westdeutschen Fußballverbands in Duisburg. Es geht um das Bezirksligaspiel Bottrop gegen Hamborn. Der dunkelhäutige Onukogu wird von dem Münchner Anwalt Heiner Kahlert vertreten.

Und darum geht es in der Verhandlung: Nach dem Spiel wurde der Torwart „zur Sicherung des Sportverkehrs“ für drei Wochen gesperrt. Unverständlich für Onukogu und seinen Trainer. Denn so haben sie das Spiel am 3. März erlebt: In der zweiten Halbzeit beschimpfen gegnerische Fans den 27-jährigen Torwart rassistisch. „Er hat dem Schiedsrichter während dem Spiel gesagt, dass die Fans am Clubhaus hinter dem Tor ihn beleidigen. Der Schiri meinte nur, dass er alles im Griff habe“, sagt der Trainer von Hamborn, Aydin Erdal. Dann fliegt eine Flasche auf Onukogu. „Steck dir die Flasche in den A...“, ruft einer. Dem Kenianer brennen die Sicherungen durch. Er rennt mit erhobener Flasche in Richtung der Fans. Der Schiedsrichter bricht das Spiel ab und Onukogu wird gesperrt. „Vier Fans haben ihn die ganze Zeit beleidigt. Er war das Opfer und der Fußballverband hat ihn zum Täter gemacht“, sagt Erdal.
Drei Wochen später schreibt der Fußballverband Niederrhein in einer Erklärung: „Erst durch die Medienberichte über angebliche rassistische Anfeindungen Onukogu gegenüber war der FVN aufgefordert, die Angelegenheit zu prüfen.“ Die Sperre wird aufgehoben.

„Sollte sich der Verdacht erhärten, dass Herr Onukogu rassistisch beleidigt wurde, hoffe ich, dass sich der Fußballverband bei ihm entschuldigt“, sagt sein Anwalt.
Momentan wird das Spiel gegen den Verein von Onukogu gewertet. Auch das wird heute ein Thema im Prozess sein. Und natürlich wird darüber entschieden, ob der Vorfall Konsequenzen für den Gastgeber Bottrop hat. „Geldstrafe, Punkteabzug oder Geisterspiele. Wenn es so war, wie Herr Onukogu berichtet, ist alles möglich“, sagt der Anwalt. Der Sportanwalt sieht ein strukturelles Problem in der Bezirksliga. „Die haben nicht das Geld und den professionellen Rahmen, um alleine gegen Rassismus vorzugehen. Da müsste der DFB helfen.“ Heute will sich der Münchner dafür einsetzen, dass Onukogu Recht bekommt und damit ein Zeichen gegen Rassismus im Fußball setzen. jam

 

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