Der etwas andere Cousin Das schwarze Schaf unter den Käfern

"Lieber Kleingeld als kein Geld" - Thomas Käfer hat ein buch über seine Erfahrungen im Pfandleihhaus geschrieben. Foto: dpa


Thomas Käfer, der Cousin von Michael Käfer, bedient die unteren Hunderttausend: Er ist Chef des Pfandleihhauses in der Bayerstraße.

München - "Mein Cousin bedient die oberen Zehntausend, aber ich bediene die unteren Hunderttausend!”  Mit diesem Satz ist eigentlich alles klar. Deshalb sagt ihn Thomas Käfer (51) auch so gerne und häufig.

Seit zwölf Jahren ist er Chef eines Pfandleihhauses in der Bayerstraße. Und seit zwölf Jahren hört er immer wieder die gleiche Frage: Warum wollte er nicht der Feinkost-König Münchens werden?

Dort, wo heute Michael Käfer (53) Hummer und Trüffel-Pasta auftischt, könnte auch er stehen. Stattdessen ist er hinter dem Pfand-Tisch und hat mit bankrotten Hochstaplern zu tun, zerstörten Existenzen, künstlichen Befruchtungen auf Pump und Menschen, die tatsächlich ihre Schwiegermutter gegen Bargeld abgeben wollen.

Dabei hatte Thomas die gleiche Chance wie sein Cousin Michael. Sein Vater Helmut gründete mit seinem drei Jahre älteren Bruder Gerd einst das Feinkost-Imperium. Doch Thomas und Michael waren schon als Jugendliche ziemlich unterschiedlich.

"Als Kinder war Michael noch oft mit uns Ski fahren, weil sich seine Eltern früher als meine getrennt hatten”, erzählt mir Thomas bei einem Stück Hochrippe im Goldenen Kalb am Viktualienmarkt. „Dann gingen wir schnell getrennte Wege. Ich schmiss die Schule, war der Revoluzzer. Michael bemühte sich sehr um die Firma. Er war interessiert, der bessere Schüler und wollte gerne in diese Welt.”

Dabei versuchte Thomas’ Vater Helmut alles, um auch seinen Sohn für das Unternehmen zu begeistern. „Ich war 15, als mein Papa sagte, er habe eine Lehrstelle für mich bei Sternekoch Paul Bocuse. Ich flippte aus – allerdings nicht vor Freude. Koch? Ich? Kartoffeln schälen und so? Niemals!” Thomas Käfer lacht sein schallendes Klingelton-Lachen. „Ich hatte kein Verständnis dafür und keine Lust.”

Also machte Thomas das, was ihm Spaß machte. Mit einem Spezl gründete er vier Schmuckläden. Eines Tages sah er aus dem Schaufenster und merkte, dass die meisten Menschen gegenüber hinein gingen – in ein Pfandleihhaus: „Die pilgerten da regelrecht hin.” Die Idee zum eigenen Leihhaus war geboren. Mit seiner offenen Art kam er bei den Münchnern schnell gut an. Er wurde zum Liebling der Armen – sehr zum Ärger seiner Familie.

„Am Anfang wollten die anderen Käfers das nicht wahrhaben, was ich treibe. Dann haben sie es ignoriert”, so Thomas. „Je erfolgreicher ich wurde, desto mehr wurde ich von allen gemieden. Ich stieß auf totales Unverständnis und wurde zum schwarzen Schaf der Familie. Wie konnte ein Käfer so was Unfeines tun?” Die Frage belustigt ihn selbst.

Über seine skurrilsten Erlebnisse hat er jetzt ein Buch geschrieben: „Lieber Kleingeld als kein Geld – Geschichten aus dem Pfandleihhaus” (Ullstein, 224 Seiten, 8,99 Euro ) ist gerade erschienen. Seinem Cousin und seinem Vater hat er kein Exemplar geschickt. „Die würden das bestimmt ungelesen wegschmeißen”, meint Thomas schmunzelnd.

Würde er denn gerne mit Michael tauschen?

„Nein”, sagt Thomas. „Ich bin Gründer, kein Übernehmer. Hinter dem Erfolg von Michael steckt ja auch knallharte Arbeit. Ohne ihn würde die Firma gar nicht mehr funktionieren. Er hat dieses strategische Denken und den Fanatismus, den es für so einen Riesen-Laden braucht. Er ist genau der Richtige für den Job.”

Einmal im Jahr begegnen sich die Cousins. Auf der Wiesn im Käfer-Zelt hat Thomas einen Tisch: „Da freue ich mich immer total drauf. Wenn ich da sitze, schaue ich mir den Trubel an – und bin froh, dass ich einfach nur Gast bin.”

 

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