Der Designer über seine Zukunft Wolfgang Joop: "Ich plane täglich den Ausstieg"

Er ist einer der bekanntesten Deutschen, und wer ihn nur in die Reihe der großen Modemacher wie Karl Lagerfeld oder Jil Sander stellt, tut ihm gewiss unrecht. Der Potsdamer Designer Wolfgang Joop spricht in einem Interview offen über seine Herkunft und Pläne.

 

Potsdam – Wolfgang Joop (69) hat nicht nur die Labels "Joop!" und "Wunderkind" kreiert, sondern sich auch als Kunstexperte, Journalist und Schriftsteller einen Namen gemacht. Ein eigenwilliger Individualist, dem es offenbar völlig egal ist, zumindest in den Feuilletons seinen Ruf als "hommes de lettres" mit der Teilnahme an Heidi Klums "Germany's next Topmodel" aufs Spiel zu setzen.

In einem großen Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" zeigt sich Joop als selbstkritischer Künstler, der sein Leben und Wirken wortgewaltig und trotzdem gelassen reflektiert. Auf die Frage, ob er im Modebusiness weiter machen werde, antwortet Joop: "Ich plane den Ausstieg. Täglich. Und mache genau an diesem Tag weiter[...] Bis irgendwann wie bei einer alten Waschmaschine ein bis zwei Schrauben rausfallen: Dann rattert und schäumt es noch eine Weile, und sie bleibt einfach stehen. Aber jetzt ist noch nicht die Zeit dafür."

Über seine Heimat erzählt er: "Ich bin auf dem Gut meiner Großeltern in Potsdam bei Sanssouci groß geworden. Auf dem Bauernhof, da war jeder Tag ein Abenteuer." Später, als sein Vater Gerhard Joop aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause kehrte, zog die Familie noch Braunschweig um. Darunter habe er sehr gelitten, und seine Mutter "hat mir erzählt, dass sie damals in der ersten Zeit in Braunschweig nachmittags das Fenster aufmachte und laut ,Scheiße!' rausschrie. So hat sie dieses kleinkarierte Leben verabscheut."

Nach seinen ersten großen Erfolgen als Designer restaurierte Joop das Potsdamer Familiengut Bornstedt, wo dann seine Mutter Charlotte als "First Lady" bis zu ihrem Tod lebte. Ihr Sterben hat der Sohn künstlerisch festgehalten. "In ihrer Agonie habe ich sie gezeichnet. Drei Zeichnungen in ungefähr drei Tagen oder Nächten. Ich besitze die Zeichnungen noch, habe sie aber nie wieder angesehen."

Aus Joops Ehe mit der ehemaligen Kunststudentin Karin Benatzky entstammen Jette (46) und Florentine (41) Joop, Jette ist Mode- und Schmuckdesignerin, Florentine Schriftstellerin und Zeichnerin. Dass er große Fußstapfen hinterlassen hat, die nur schwer auszufüllen ist, tut dem Designer fast schon leid. "Meine Töchter wollen ja auch ihren eigenen Weg gehen. Der ist nicht einfach, denn durch meine verschiedenen Erfolge habe ich auch Standards gesetzt. Mein Erfolg ist durch nichts zu erklären. Jedenfalls nicht mit Fleiß allein."

 

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