Der AZ-Stadtspaziergänger Brosi Ambros' Schwabinger Originale

Kreatives Chaos – der Schwabinger Maler Brosi Ambros in seinem Atelier im „Schwabinger Kunstkabinett“ in der Römerstraße. Foto: Sigi Müller

AZ-Stadtspaziergänger Sigi Müller trifft den Maler Brosi Ambros in seinem Atelier und Laden „Kunstkabinett“.

 

Schwabing - Beziehungslosigkeit und Vereinsamung in der Masse – das ist das Thema des Schwabinger Malers Brosi Ambros. Kühl sind seine Bilder, klar und emotionslos die darauf abgebildeten Personen. Menschen die nebeneinander stehen, offensichtlich zusammen gehören, aber keine Gemeinsamkeit finden. Leere Blicke, keine Verbindung.

Da ist die Prostituierte, die den Freier verabschiedet. Nach kurzer Leidenschaft und einem Moment des Benutzens ein peinliches Verschwinden. Aschermittwoch heißt ein anderes Bild. Während „Er“ noch auf seinem Teller die letzten Fischreste zusammensucht, also noch eine Verbindung zum Fasching hat, sitzt „Sie“ bereits da, raucht eine Zigarette. Angekommen in der Wirklichkeit. Leer das Schnapsglas vor ihm und leer der Blick des Trinkers auf einem anderen Bild.

Die Bilder erinnern an Arbeiten von Edward Hopper. Mit dem Unterschied, dass Hopper Personen in die Umgebung einsetzt, Ambros die Umgebung den Figuren anpasst.

Wir sitzen in der Römerstraße 3, im Schwabinger Kunstkabinett, dem Atelier und Laden von Brosi Ambros. Ambros malt an einem Schwabinger Motiv, dem Wedekindplatz und erzählt aus seinem Leben und von dem früheren Schwabing.

Als einer der ersten Maler bot er damals an der Leopoldstraße seine Bilder zum Verkauf an. Damals, als noch auf beiden Straßenseiten, bis fast zum Siegestor, Bilder und Kunsthandwerk angeboten wurden. Als jeder Abend dort einem Happening glich. Tagsüber jobbten viele der Künstler als Komparsen in den Bavaria Filmstudios am Geiselgasteig, abends traf man sich an der Leopoldstraße. Bei Wikingerfilmen waren die Schwabinger Künstler begehrt. Lange Haare und Bärte waren schließlich schon da.

Während der Schwabinger Krawalle mussten sie schon mal ihre Kunstwerke zusammenraffen, um damit schnell zu verschwinden. War die Rangelei vorbei, wurde wieder aufgebaut.

Ambros wurde 1940 in Zwittau in Tschechien geboren, studierte Kunstgeschichte in München, Wien und Chicago, machte 1969 den Abschluss an der Akademie der Bildenden Künste in München und hatte seitdem weltweit Ausstellungen. Derzeit kann man die Werke im Drugstore in der Feilitzschstraße anschauen. Gegenüber der Wedekindplatz, das Motiv des fast fertigen Bildes in seinem Atelier.

In diesem Sinne eine schöne Woche!
Ihr Sigi Müller

 

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