Der Auszug der Steuerverwaltung wird konkreter Finanzamt soll versilbert werden

Marode: Das Finanzamt an der Deroystraße ist in einem sehr schlechten Zustand. Foto: imago

Deroystraße: 1200 Beamte müssen wohl bald raus – der Freistaat sucht bereits per Zeitungsanzeige Büros zum Anmieten.

MAXVORSTADT Schon im Sommer 2009 hatte der damalige Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) das zukunftsweisende Schild für das „Finanzzentrum” an der Deroystraße enthüllt. Wie es ausschaut, der reinste Aktionismus. Denn die Realisierung des geplanten „Finanzzentrums” ist nach derzeitiger Lage eher unwahrscheinlich. Vieles deutet darauf hin, dass das Finanzministerium die Beschäftigten auslagern und das 50000 Quadratmeter große Gelände am Marsfeld versilbern will. Die Interessenten stehen Schlange.

Indiz hierfür ist die Zeitungsanzeige des Freistaats, in der er ein ganz dickes Ding sucht: Für die Mitarbeiter der Steuerverwaltung sucht er darin gut 25000 Quadratmeter Bruttofläche, Platz für 1200 Mitarbeiter, Kantine, 250 Stellplätze – im Stadtgebiet und mit MVV-Anschluss ums Eck.

Dass die derzeitigen Arbeitsbedingungen an der Deroystraße schlecht sind, ist bekannt. Fahrenschon im Frühjahr 2009: „Die Gebäude sind verbraucht und stark sanierungsbedürftig. Ein sachgerechtes Arbeitsumfeld können sie nicht mehr bieten.” Amtschef Christoph Hütt sagte es noch krasser: „Eine artgerechte Haltung der Finanzbeamten ist in dem schlecht isolierten Hochhaus unmöglich.”

Abhilfe sollte ein zentraler Neubau für die sieben Münchner Finanzämter schaffen. 2008 hatte es dazu einen Architekten-Wettbewerb gegeben. Dann kam Sand ins Getriebe. Der Haushaltsausschuss des Landtags zweifelte an, dass das auf 160 Millionen Euro geschätzte Großprojekt noch finanzierbar sei. Die Planung stockte.

„Über eine Unterbringung des Finanzamts München ist noch nicht abschließend entschieden. Sowohl Neubau als auch Anmietlösung werden geprüft”, erklärte jetzt ein Sprecher des Finanzministeriums auf AZ-Anfrage. Derzeit würden „mögliche Angebote für Objekte in München” eingeholt und auf ihre Wirtschaftlichkeit hin geprüft.

Für die Grünen-Abgeordnete Claudia Stamm ist das ein Unding: „Eine Anmietung macht keinen Sinn, denn sie ist immer die unwirtschaftlichere Lösung. Schließlich haben wir ein staatliches Grundstück in idealer Lage.” Sie vermutet, dass der Freistaat sein Tafelsilber verkaufen will. Im zuständigen Ausschuss seien schon Gerüchte über das Interesse eines CSU-Abgeordneten an dem 51000 Quadratmeter großen, mit hohem Baurecht versehenen Areal thematisiert worden.

Claudia Stamm stützt ihren Verdacht auch auf die Antwort von Finanzminister Markus Söder auf eine ihrer Landtags-Anfragen zu diesem Thema: „Für die staatseigenen Flächen an der Deroystraße haben mehrere Immobilien-Marktteilnehmer Interesse bekundet. Konkrete Kaufangebote liegen jedoch nicht vor”, hatte Söder Mitte März erklärt. 

 

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