Der Alte (ZDF) TV-Kommissar klagt gegen Rauswurf

Pierre Sanoussi-Bliss gestern in München. Foto: Job

Seit 1997 gehörte der Berliner Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss (52) zum Ermittlerteam in der ZDF-Serie "Der Alte". Im Herbst 2014 verkündete der Sender überraschend sein Aus. Dagegen zieht der 52-Jährige vor Gericht.  

München
18 Jahre lang war der Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss freitags in der Krimi-Serie „Der Alte“ im ZDF zu sehen. Der Berliner verkörperte den Assistenten Kriminaloberkommissar Axel Richter neben den "Alten" Rolf Schimpf, Walter Kreye und Jan-Gregor Kremp.

Am 17. November vergangenen Jahres erfuhr Pierre Sanoussi-Bliss, dass er nicht mehr gefragt sei. Nur eineinhalb Monate später sollte sein letzter Drehtag sein. Auch für Film-Kollege Markus Böttcher (seit 28 Jahren im Ermittlerteam) kam das Aus. Die Mischung zwischen jüngeren und älteren Schauspielern müsse stimmen, „damit der Spannungsbogen gehalten werden kann“, sagte damals ein ZDF-Sprecher.

Für Pierre Sanoussi-Bliss kam der Rauswurf aus heiterem Himmel, er traf den 52-Jährigen hart. Auf Facebook postete er damals, er fühle sich „eiskalt abserviert. Jetzt zog der Schauspieler (Anwalt: Andreas Holtfreter) gegen die neue Münchner Produktionsgesellschaft vors Arbeitsgericht in der Winzererstraße. Gestern fand der erste Prozesstag statt.

„Dass eine Rolle einfach so wegfällt, ist zu wenig nach 18 Jahren“, sagte sein Anwalt vor Gericht. „Nach einer so langen Zeit, kann man einen Schauspieler nicht einfach so loswerden.“ Der Jurist fordert zumindest eine Abfindung. „Ich hatte einen Rahmenvertrag, ich konnte gar keine anderen Rollen annehmen“, erklärte Pierre Sanoussi-Bliss.

Das Problem: Der Schauspieler gehörte zwar zum festen Team, seine Verträge waren aber immer befristet, eine feste Anstellung gab es trotz der langen Zeit nie – so ergeht es wohl allen Künstlern. „In manchen Jahren wurden acht bis zwölf Folgen gedreht. Ich hatte gar keine Möglichkeit, noch andere Rollen zunehmen“, erklärte der Schauspieler.

Nun steht Pierre Sanoussi-Bliss ohne die sicher geglaubte Einnahmequelle aus der Krimi-Serie da, hat keinen Anspruch auf Arbeitlosengeld und glaubt aber, dass er nach so langer Zeit als Kriminaloberkommissar beim Alten auf die Polizistenrolle festgelegt ist. „Es ist nicht so, dass ich jetzt unter der Brücke schlafen müsste, aber ich würde mir wünschen, dass man mich wenigstens bei der Suche nach neuen Rollen unterstützt“, sagte er nach dem Prozesstermin zur AZ. „Ich erwarte einfach, dass man mich fair behandelt.“

Während der Verhandlung erfuhr der Schauspieler gestern, dass seine Figur nun ganz verschwinden werden soll. Zuerst habe man ihn durch einen Jüngeren ersetzen wollen. Doch jetzt hat man sich offenbar dazu entschieden, seine Figur durch eine junge Frau zu ersetzen.

Der Prozess wird im April fortgesetzt.

 

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