DEL-Playoffs Finale EHC München: "Für diese Momente leben wir"

Dominik, der Erlöser: Kahun (M.) bejubelt den 3:2-Sieg des EHC Red Bull München nach 97 Spielminuten des ersten Finalspiels gegen Wolfsburg. Foto: Rauchensteiner/sampics/bd./Augenklick

Aberwitzig: 97 Minuten und 106 Schüsse. Der EHC setzt sich im ersten Finale gegen Wolfsburg durch. "Der Kopf hat die müden Beine besiegt".

München - "Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit! Schenkt ein, trinkt aus", erschallte es aus der Kabine des EHC Red Bull München nach dem 97-Minuten-Krimi, den die Münchner in der zweiten Verlängerung für sich entscheiden konnten. An diesem 9. April, nach dem längsten Spiel in einer Finalserie der DEL-Geschichte, hat sich das Trinklied sicher auf Elektrolyt-Getränke bezogen.

"Ich war so fertig, ich konnte nicht mal mehr richtig jubeln", sagte Ausnahmestürmer Dominik Kahun, der mit seinem Treffer zum 3:2-Sieg in der zweiten Verlängerung gegen die Grizzlys Wolfsburg den EHC in dieser Endspielserie (best of seven) mit 1:0 in Führung gebracht und somit in den siebten Eishackler-Himmel geschossen hatte. Zuvor hatte er sich an der Bande von den Physios die Krämpfe aus den tonnenschweren Beinen massieren lassen müssen. "Ich war aber definitiv nicht der Einzige", sagte der 21-Jährige, nachdem er den plötzlichen Eishockey-Tod (sudden death) herbeigeführt hatte, "das war das mit Abstand anstrengendste Spiel, das ich je bestritten habe. Wir müssen jetzt schnell regenerieren."

Am Dienstag (19 Uhr) kommt es bereits zum zweiten Duell des Münchner Meisters gegen den Vize-Champion. Und so begann gleich nach dem Siegtreffer durch Kahun, Kahun, Kahun, dessen Name von den Fans ausschließlich im Dreierpack skandiert wird, die Regeneration. Das Bad in der Eistonne war angesagt, die leeren Kraftreserven schnellstmöglich wieder auffüllen. Braten, Knödel und Mango-Pasta wurden aufgefahren. Am Montag gab es ein kurzes Training und um 14.30 Uhr hob die Chartermaschine vom Flughafen Manching nach Braunschweig ab. Zum zweiten Kräftemessen der roten Bullen mit den Grizzlys. "Die Wolfsburger sind daheim noch aggressiver, es ist nicht leicht, dort zu spielen, die Fans sind sehr laut", sagte der Plötzliche-Tod-Verursacher Kahun.

Die Fans machten ordentlich Stimmung

Aber in Sachen Lautstärke haben die Wolfsburger mit den EHC-Anhängern einen formidablen Gegner. Was der Münchner Anhang vor den Augen und Ohren von Oberbürgermeister Dieter Reiter während des ersten Finalspiels abfeuerte, brach alle Dezibel-Rekorde im altehrwürdigen Olympia-Eisstadion. Das war eines Meisters mehr als würdig. "So laut habe ich unsere Fans in den zwei Jahren, in denen ich hier bin, noch nie erlebt", sagte EHC-Topstürmer Jason Jaffray, der nach einer auskurierten Oberkörperverletzung sein Comeback gegeben hatte: "Wahnsinn!"

Dem Wahnsinn nahe waren die Fans – und die Spieler. Es war ein Spiel für die DEL-Geschichtsbücher und ein bisschen für die Ewigkeit. Zwei Mal war der EHC zurückgelegen, zwei Mal hatte man ausgeglichen, um am Ende den Eishockeygott auf seine Seite zu zwingen. "Für genau diese Momente leben wir", befand Verteidiger Florian Kettemer. Unglaubliche 106 Schüsse hatten die EHCler abgefeuert (Wolfsburg 41). "Nach der ersten Verlängerung habe ich nur gesagt: Wir müssen weiter schießen, schießen, schießen", sagte Jackson, "ansonsten habe ich die Jungs in Ruhe gelassen. Jeder weiß, was zu tun ist, da muss ich keine Unruhe verbreiten. Ich bin sehr stolz auf meine Jungs. Man hat gesehen, warum beide Teams im Finale stehen."

Die Münchner euphorisiert, die Wolfsburger bedient. Trainer Pavel Gross gab den Fatalisten und konnte nur noch mit kaum hörbarer Stimme sagen: "Es war eine sehr enge Partie. Am Ende haben die Kleinigkeiten entschieden, ein kleiner Fehler hat den Ausschlag gegeben." Ganz so wollte Jackson das nicht stehenlassen. "Es stimmt, es sind die kleinen Fehler, die entscheiden. Wir haben bei den beiden Gegentreffern selber sehr uncharakteristische Fehler gemacht. Aber am Ende haben wir Wolfsburg dazu gezwungen, diese Fehler zu machen."

Der EHC als Fehlerverursacher. "Wir haben eine mental sehr starke Mannschaft, das haben wir schon die ganze Saison bewiesen", sagte der Meistertrainer des Titelverteidigers, "solche Spiele sind nicht leicht zu verkraften. Physisch, aber auch mental. Ich denke, dass am Ende die Psyche, der Wille den Ausschlag gibt. Dass der Kopf die müden Beine besiegt." Manchmal dauert es 97 Minuten, bis der Kopfsieger feststeht.

 

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