Debatte um Tradition Viktualienmarkt: Wieviel Markt darf's denn sein?

1 439 474 Einwohner hat die Stadt München (Stand 31.12.2012). Foto: Petra Schramek

Seit mehr als 200 Jahren ist der Viktualienmarkt ein Wahrzeichen der Stadt: Jetzt sollen große Teile abgerissen werden. Es entbrennt eine Debatte um Tradition, Moderne und Profit.

 

München - Ein Sprecher des Kommunalreferats nennt es eine „Operation am offenen Herzen.“ Der Viktualienmarkt, weltberühmtes Wahrzeichen im Zentrum der Stadt, soll von Grund auf saniert werden. Alles neu? An einem Fleck, der von seiner Tradition lebt? Wie geht das? Darüber wird zurzeit heftig diskutiert - auf der einen Seite ist die Stadt, die ein immobilienwirtschaftliches Expertengutachten des Tüv Rheinland über Mängel und Chancen des Marktes hat anfertigen lassen, auf der anderen Seite sind die Marktfrauen, die um den Charme des Viktualienmarktes fürchten, um die Vielfalt und schließlich auch um ihre alten Rechte.

Seit 1807 gibt es den Markt, König Max Joseph hatte ihn vom Marienplatz aus Platzgründen verlegen lassen in das Gebiet zwischen Heilig-geistkirche und Frauenstraße. Seit 1870 gibt es feste Stände, seit 1890 hat der Viktualienmarkt seine heutige Größe. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Überlegungen, dort Hochhäuser zu bauen, doch die Stadt entschied sich für den Wiederaufbau.

Heute sind dort 135 Händler, auf einer Fläche von 22.000 Quadratmetern stehen 119 feste Buden. Die Besucherzahlen sind enorm, geht doch nahezu jeder Tourist, der das Stadtzentrum besichtigt, auch über den Markt – das sind rund 5,6 Millionen Menschen im Jahr. Er ist aber auch für die Münchner ein beliebter Ort, dort wird vom Shoppen in der Fußgängerzone pausiert. Für 90 Prozent der Menschen, die in der Umgebung wohnen, ist der Markt laut der Tüv-Studie „sehr wichtig“.

Die Mehrheit der Kunden – 60 Prozent – wünschen sich, dass alles so bleibt, wie es ist, doch das wird nicht passieren. Das Gutachten des Immobilien-Spezialisten Tüv Rheinland zeigt erhebliche Mängel: Viele Standl haben kein fließendes Wasser, die Keller sind marode, Buden sind baufällig, es fehlen öffentliche Toiletten. All das war auch bisher kein Geheimnis. Nur: Passiert ist da von Seiten der Stadt nicht viel. Jetzt wird wohl ein Großteil der Buden abgerissen.

 

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