Debatte um Handy-Nutzung Smartphones an den Schulen: Nutzen oder Schaden?

Wischen, scrollen, klicken: Die Möglichkeiten des Smartphones sind beinahe unbegrenzt. Foto: Milennet/Dreamstime.com

Smartphones an Schulen – das ist das berühmte Dauerthema, das nicht nur Lehrkräfte auf der einen Seite permanent beschäftigt, sondern auch den Schülern regelmäßig den Schweiß auf die Stirn treibt.

 

Dabei liegt die bestehende Kontroverse offenkundig auf der Hand: Die Lehrer haben ein berechtigtes Interesse daran, dass während des Unterrichts alle Schüler aufmerksam sind und zum Beispiel bei Klausuren nicht per Handy schummeln, die Schüler hingegen sind im digitalen Zeitalter groß geworden und lieben den Umgang mit der Technik.

Allgemeiner Nutzen von Smartphones für Jugendliche

Doch was ist überhaupt so toll an Smartphones und wieso ist es für viele Jugendliche nicht so einfach, in der Schule darauf zu verzichten? Smartphones an sich sind zwar eine spektakuläre und revolutionäre Entwicklung gewesen, doch ihr voller Triumph entfaltete sich erst in der Zeit, in der mobile Internet-Flatrates für nahezu jedermann erschwinglich geworden sind. Wer ein Handy mit Vertrag erwirbt, hält sogar die finanzielle Belastung im Rahmen der Anschaffung sehr niedrig.

Wenngleich die allermeisten Flatrates heutzutage auf ein gewisses Highspeed-Datenvolumen beschränkt sind, so ist dem Charakter der Flatrate dadurch Rechnung getragen, dass sich

1. nach Überschreitung des vertraglich zugesicherten Volumens lediglich die Geschwindigkeit auf Edge-Niveau verlangsamt,
2. aber kein vollständiger Abbruch stattfindet.

Der Nutzen der Smartphones ist für die junge Generation vorrangig in der Einfachheit der Kommunikation zu erblicken, die durch diese Geräte ermöglicht wird. In Zeiten von Whatsapp lassen sich kostenlos Nachrichten im Handumdrehen versenden, nerviges mehrmaliges Drücken von Handytasten, wie dies noch zu Zeiten eines Nokia 3310 notwendig war, ist nicht mehr erforderlich. Gleichzeitig bleibt man durch Facebook über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden und kann im Bedarfsfall auch mal ein Spiel spielen oder das Smartphone auf herkömmliche zum Telefonieren benutzen. Die heutigen Smartphones sind damit schon so weit entwickelt, dass sie bis auf native Desktop-Anwendungen einen sehr breiten Anwendungsbereich abdecken, der dem eines Pocket-PCs gleichkommt.

Nutzen von Smartphones in Schulen wird oft unterschätzt


                                                                            Grafik erstellt durch www.abendzeitung-muenchen.de

Nach dem zuvor Gesagten fragt man sich prinzipiell, weshalb Smartphone-Nutzung überhaupt an Schulen per se zugelassen sein sollte. Dies liegt in der Tatsache begründet, dass die Geräte bei korrekter Nutzung das Lernen nicht nur erheblich vereinfachen, sondern auch schneller gestalten können. Zur kurzfristigen Recherche von Informationen eignen sich die mobilen Alleskönner nämlich ganz hervorragend. Nichtsdestotrotz liegt das immanente Problem, was mit der totalitären „Legalisierung“ der Nutzung einhergehen würde, auf der Hand. Niemand kann im Einzelfall direkt einsehen respektive kontrollieren, ob das mobile Endgerät tatsächlich für den von Schulseite angedachten Zweck benutzt wird. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Schüler nicht nur in den Pausen, sondern auch während des Unterrichts durch das Smartphone abgelenkt werden könnten und dies auf lange Sicht empfindlichen Einfluss auf die

• Leistungsbereitschaft und
• Leistungsentfaltung

hätte. Wie nun offenkundig herausgearbeitet wurde, besteht an dieser Stelle ein radikaler Konflikt zwischen verschiedenen Interessenspositionen, weshalb nicht selten die am Diskurs beteiligten Personen aneinander geraten. Beide Positionen lassen sich mit hervorragenden Argumenten untermauern, wobei im Prinzip die eine der anderen Seite überhaupt nichts Böses möchte.

Die Problematik eines generellen Verbots hat viele Gesichtspunkte

Fängt man nun an, Handys nicht nur im Klassenzimmer während des Unterrichts zu verbieten, sondern die Untersagung auch auf die Nutzung in den Pausen auszudehnen, so hat dies in aller Regel mehrerlei Auswirkungen auf beiden Parteiseiten. Für die Schüler ist der Anreiz, das Smartphone dennoch zu benutzen, um ein vielfaches höher, was auf die soziologischen Aspekte der gesteigerten Attraktivität verbotener Aktivitäten zurückzuführen ist. Gleichfalls sorgt dies jedoch auch für einen gesteigerten Frustfaktor, denn das Smartphone während eines langen Schultags permanent greifbar in der Tasche zu haben, es aber nicht benutzen zu dürfen, wird in jedem Fall zu Unzufriedenheit führen. Zur Sprache gekommen ist in diesem Zusammenhang auch schon einmal die Idee, Smartphones komplett an Schulen zu verbieten, also nicht einmal das bloße Mitführen mehr zu erlauben. Dies erscheint jedoch aus mehreren Gesichtspunkten völlig unverhältnismäßig. Zum einen ist es so nicht möglich,

• spontan Hilfe anzufordern, wenn etwas auf dem Schulweg oder auch in der Schule passiert,
• andererseits sind auch die Schüler für die auf Erziehungsseite vertretungsberechtigten Eltern nicht mehr oder nur noch schwerlich überhaupt erreichbar.

Dem Ganzen liegen also auch Überlegungen die Sicherheit der Schüler betreffend zugrunde.

Umfrage repräsentiert aktuellen Stand der Handynutzung in Schulen


Smartphones können als Hilfsmittel für das Lernen dienen.     Foto: Evgeny Karandaev | Dreamstime.com

Da wie bereits gesehen das gesamte Thema recht prekärer Natur ist, verwundert es nicht zu erfahren, dass sich auch schon eine gesamte Studie diesem gewidmet hat. Durchgeführt wurde diese vom Verband der Digitalbranche Bitkom, mit einem durchaus interessanten, aber nicht überraschenden Ergebnis:

1. 84 Prozent der 14 bis 19 Jahre alten Schüler und Schülerinnen in Deutschland dürfen ihr Handy während des Schulunterrichts überhaupt nicht benutzen.
2. Dabei seien sogar 20 Prozent von einem generellen Handy-Verbot betroffen, das auch während der Pausen zwischen den Schulstunden Wirksamkeit entfaltet.

Vor dem Hintergrund, dass PCs, Smartphones und auch digitale Technik generell zum Alltag von Schülern gehören, erscheint dieses Vorgehen ganz besonders fragwürdig. Kompensiert werden kann dies jedenfalls auch nicht dadurch, dass den Schülern vor Ort entsprechende Technik bereitgestellt wird, denn erstens ist der derzeitige durchschnittliche Bestand an PCs für die vielen Schüler viel zu gering und zweitens fehlt für die notwendige Aufstockung auch jede Menge Budget.

Weniger ein Problem ist hingegen, dass keine Internetzugänge für den Einsatz im Unterricht verfügbar wären. In 46 Prozent der untersuchten Fälle ist sogar in allen Räumen zumindest ein kabelgebundener Internetzugang vorhanden. Nichtsdestotrotz hält jeder fünfte Schüler die IT-Ausstattung für unzureichend, was im Hinblick auf die privaten Standards der befragten Personen aber keine allzu weit reichenden Schlüsse zulässt.

Fazit

Im Rahmen des Fazits lässt sich festhalten, dass es sowohl Argumente für die Nutzung von Smartphones in Schulen gibt, als auch dagegen. Die Geräte können einerseits die Kommunikation unter Schülern erleichtern, wenn beispielsweise Unterricht ausfällt und unnötige Wege von Freunden zum nicht stattfindenden Unterricht vermieden werden können. Andererseits kann die digitale Technik auch hervorragend zur Recherche bei schwierigen Themen eingesetzt werden. Gleichfalls bietet sie aber auch jede Menge Potenzial zur Ablenkung, da die mobilen Alleskönner mit günstigen Internetflatrates permanenten Zugang zum World Wide Web besitzen. Hier sind sowohl Schüler zur Disziplin als auch Lehrer zur entsprechenden Repression berufen.

 

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