Debatte in Harlaching Burschenfest: Eine Anwohnerin rechnet ab!

Tagsüber soll alles gesittet zugegangen sein, nachts nicht, berichtet eine Anwohnerin. Sehen Sie in der Bilderstrecke die Fotos, die die AZ am ersten Tag gegen 18 Uhr gemacht hat. Foto: Martha Schlüter

Die AZ hat zu positiv über das Harlachinger Burschenfest berichtet. Findet zumindest eine Anwohnerin, die hier ihre Erlebnisse schildert. Das Paar wohnt seit über 30 Jahren im Viertel. Es möchte anonym bleiben. Der Redaktion sind die Namen bekannt.

 

Harlaching - Freitagabend gegen 22 Uhr geht der Spaß los, die ersten Besucher machen sich auf den Rückweg und wählen dafür leider die Tegelbergstraße, in der wir seit über 30 Jahren leben.

Wir gehen meistens gegen 24 Uhr schlafen. Mein Lebensgefährte arbeitet als Koch und muss zu 90 Prozent auch am Wochenende früh aufstehen

Auch bei geschlossenem Fenster hat man die Geräuschkulisse des Burschenfestes im Schlafzimmer: die Musik, das Gejohle und am schlimmsten die Besucher des Festes, die zu zweit oder in kleinen Grüppchen durch die Tegelbergstraße gehen.

Und das leider nicht flüsternd oder wünschenswerterweise schweigend. Es wird laut telefoniert, sich laut unterhalten, gelacht und rumgeschrien.

Als ich letztes Wochenende am Samstag gegen 0.30 Uhr eine Gruppe von drei Herren freundlich bat, etwas leiser zu sein (ich rief es aus dem Fenster) kam nur ein "Halt's Maul, blöde Schlampe!"

Daraufhin bin ich runter auf die Straße und wollte die drei Herren stellen, die aber leider schon zu weit weg waren. Dafür kam ein Auto vom Wald hinten hergerast mit lauter Musik und Vollgas. Ich bin dann auf die Straße, um es anzuhalten, was es auch tat. Wieder bat ich freundlich darum, sich zu benehmen, weil die Anwohner gestört würden. Aus dem Auto kam nur großes Gelächter und dass ich mich verpissen soll!

Dann gab die Fahrerin Vollgas, wäre mir noch fast über den Fuß gefahren und raste die Tegelbergstraße einfach weiter.

Nachts im Wald

Auf der Straße am Säbener Platz lagen Glasscherben, genauso wie letztes Jahr - da war es allerdings noch schlimmer!

Ich bin dann weiter Richtung Wald, mittlerweile war mein Lebensgefährte auch nachgekommen, wo ein zweites Auto stand, mit offener Tür und lauter Musik. Hier war die Lautstärke insgesamt schon extrem. Ich glaube, die Anwohner hinten am Wald sind teilweise übers Wochenende geflüchtet, anders kann man das sonst nicht ertragen.

Also sind wir auch an dieses Auto und haben freundlich gebeten, die Musik leiser zu machen, da das Fest schon laut genug sei. Die Fahrerin stieg aus und erklärte uns, dass wir doch Verständnis haben sollen, weil das Fest sei ja nur einmal im Jahr. Und die Anwohner seien alles Spießer und Saupreissn etc.

Schließlich sei dass ja eine tolle Tradition und wir sollen doch "as Maul hoiten und schaun das ma weida kemma!" Diese Diskussion artete dann leider etwas aus. Mein Freund wurde etwas lauter. Das rief dann einen dem Anschein nach "Verantwortlichen" auf den Plan. Er erklärte uns dann, dass der Burschenverein nicht für jeden Idioten die Verantwortung übernehmen könne. Da wir merkten, dass die ganze Diskutiererei nichts bringt sind wir langsam wieder nach Hause gelaufen.

Haben auch auf diesem Weg etliche Besucher angesprochen, bitte leiser zu sein, aber das brachte uns noch mehr Häme und Gelächter ein. Ebenso konnten wir unzählige Autos und Taxis die Straße entlangrasen sehen.

Die Polizei wiegelt ab

Daraufhin rief mein Freund die Polizei (es war mittlerweile 1.30 Uhr). Die wusste gar nichts von dem Fest und versprach, eine Streife zu schicken. Wir blieben dann noch vor unserer Haustüre stehen, um auf den Streifenwagen zu warten.

Als der um 2 Uhr immer noch nicht da war, hat mein Freund nochmal angerufen und die Polizei wiegelte das ganze etwas ab: Ob es wirklich sooooo schlimm sei?

Daraufhin wurde mein Freund etwas deutlicher, was die Polizei dazu brachte, nun einen Streifenwagen zu uns schicken zu wollen. Also blieben wir auf dem Gehweg vorm Haus und warteten auf die Streife.

In der Zeit kam noch eine etwas größere Gruppe die Straße runter. Es schepperte schräg gegenüber, dann Gelächter. Keine Ahnung, ob die einen Roller umgeschmissen haben oder sowas?

Ein Mann trug eine Bierbank über der Schulter, mit der er mehrfach gegen den Gartenzaun gegenüber polterte. 

Die Polizei ließ sich leider auch bis 3 Uhr nicht blicken und so entschlossen wir uns, ins Bett zu gehen.

Bitte Blitzer und Kontrollen!

Ich als Anwohner erwarte einfach, dass sich die Burschen ab 22 Uhr Hilfe und Unterstützung der Polizei holen. Die Herren könnten dann auch noch guten Umsatz machen, wenn sie einen Blitzer in die Tegelbergstraße stellen würden.

Desweiteren müssten Alkoholkontrollen durchgeführt werden bei den Radfahrern (die gerne mal ohne Licht Schlangenlinien fahren)  und Autofahrern, die das Fest verlassen.

Wenn Oktoberfest ist, wird in ganz München ja auch verstärkt kontrolliert und mit Beamten dafür gesorgt, dass die Besucher die das Fest verlassen einigermaßen ruhig sind. Es würde ja auch schon reichen, wenn eine Streife einfach nur "Präsenz" zeigt.

Dass es in Harlaching einen Anwalt gibt, der schon gegen das Burschenfest vorgeht, wusste ich nicht. Auch von diesem Brandbrief habe ich erst aus Ihrem Artikel erfahren. Wir haben nichts gegen das Fest an sich. Dass dazu auch ein paar Betrunkene gehören, meinetwegen!

Aber es sollte dafür gesorgt werden, dass die Anwohner nach Mitternacht nicht mehr aus den Betten geschrien werden!

Bei denen geht einiges schief in der Organisation. Gibt es Kritik, wird das Schild "Tradition" und "Wir tun wenigstens was" hochgehalten.

Zur Tradition gehört für mich auch der Wert von Rücksicht, Respekt und gutem Benehmen. Und Tradition ist sicher nicht Saufen und Rumpöbeln.

 

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