De Raaf im Interview „51 Prozent Ausbildung, 49 Prozent Sport“

, aktualisiert am 05.04.2016 - 10:06 Uhr
Der frühere EHC-Assiszentrainer Helmut de Raaf. Foto: RAUCHENSTEINER / Augenklick

Helmut de Raaf leitet die Nachwuchs-Akademie von Red Bull. Hier spricht der frühere Co-Trainer des EHC Red Bull München über seine neuen Aufgaben.

 

AZ: Herr de Raaf, nach einem Jahr haben Sie Ihren Job als Cheftrainer bei den Schwenninger Wild Wings beendet und übernehmen die Red-Bull-Nachwuchs-Akademie in Liefering bei Salzburg. Waren die Profis doch nicht Ihre Welt?

HELMUT DE RAAF: Nein, das war nicht ausschlaggebend, denn die Aufgabe hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht. Ich hätte sie auch noch gerne weiter ausgeübt. Mein persönlicher Lebensplan ging genau in diese Richtung. Mir war immer klar, dass ich nicht noch zehn Jahre Profitrainer sein wollte, aber ein, zwei Jahre waren schon definitiv noch geplant. Als dann aber das Angebot kam, diese Position zu übernehmen, da fiel mir die Entscheidung zwar nicht leicht, aber ich habe sie dann doch recht schnell und mit voller Überzeugung getroffen.

Sie waren lange Trainer der Jungadler in Mannheim, waren für die Stelle in Liefering schon früher im Gespräch.

Stimmt, zu meiner Zeit als Co-Trainer beim EHC Red Bull München gab es schon Kontakte, ob ich interessiert wäre, den Posten zu übernehmen, wenn die Amtszeit von Pierre Pagé dort geendet wäre. Dadurch, dass er jetzt früher eine neue Herausforderung sucht, kam das Thema wieder auf – und ich habe zugeschlagen.

Was hat Ihre Frau dazu gesagt, dass Sie schon wieder umziehen muss?

(lacht) Wenn man es überspitzt formuliert, sind die Umzugskisten gerade erst ausgeräumt, und schon müssen wir sie wieder packen. Dass es so schnell gehen würde, hätte sicher keiner gedacht, aber immerhin ist die jetzige Position langfristig angelegt. Wir werden nach Salzburg ziehen, denn gerade in der Nachwuchsarbeit ist Kontinuität in meinen Augen der Schlüssel zum Erfolg.

Wie wird Ihre tägliche Arbeit aussehen?

Wichtig ist es, dass wir den Spagat zwischen Sport und Schule hinkriegen. Wir sagen es so: 51 Prozent sind Ausbildung, 49 Prozent Sport. Der frühere EHC-Spieler Niklas Hede wird sich um die Jahrgänge U16 und jünger kümmern, ich mich um die älteren. Ich habe zudem die Oberaufsicht über alles. Meine Tür ist für alle immer offen. Für die Jugendlichen, aber auch deren Eltern. Sie übergeben uns ihre Kinder in unsere Obhut, da haben wir eine große Verantwortung. Dem Kind als Spieler gegenüber, aber vor allem auch als Mensch.

Das Ziel wird sein, eine kontinuierliche Nachwuchsarbeit bis in den Profibereich zu gewährleisten. Etwas, was etwa im Fußball jetzt Früchte trägt.

Genau. Die Vision ist es – und muss es sein –, aus den Jahrgängen heraus kontinuierlich Spieler den Profivereinen EHC Red Bull München und EC Red Bull Salzburg zuzuführen. Das, was hier entsteht, und ich denke man kann sagen, dass die Akademie mit ihren Räumlichkeiten das Nonplusultra in Europa, vielleicht sogar weltweit, ist, hat natürlich das Ziel, Spieler zu entwickeln, die in den höchsten Ligen spielen können. Damit einer es in die Ober- oder die Bayernliga schafft, müsste man den Aufwand nicht betreiben. Ich werde jetzt in sehr engem Kontakt zu EHC-Trainer Don Jackson und Salzburg-Coach Dan Ratushny stehen. Kommunikation und Vertrauen sind hierfür ausschlaggebend. Es ist eine interessante Herausforderung, auf die ich mich sehr freue.

Was trauen Sie denn Ihrem Ex-Verein, dem EHC München, zu, der jetzt im DEL-Halbfinale steht? Als Coach der Schwenninger hatten Sie ja vier Mal mit dem EHC zu tun.

Ich habe schon nach unserem letzten Saisonspiel gegen München dem Manager Christian Winkler gesagt, dass der EHC für mich Titelfavorit Nummer 1 ist. Die Mannschaft hat sich – als eine der wenigen – in der Saison beständig weiterentwickelt und verbessert. Für mich geht die Meisterschaft in dieser Saison nur über München.

 

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