Bange Blicke nach New York Befürchtete Panik im Dax bleibt aus

In den USA und in Asien war es heftig abwärts gegangen, mit Sorge blickten Börsianer daher am Dienstagmorgen auf die Eröffnung des Aktienhandels in Deutschland. Der Dax hat die Einbrüche in Übersee bisher aber recht gut weggesteckt. Alle schauen wieder nach New York.

Frankfurt/New York - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich am Dienstag von der Panik an der Wall Street nicht anstecken lassen. Der zwischenzeitlich befürchtete freie Fall unter die Marke von 12.000 Punkten blieb dem Dax erspart. Zur Mittagszeit stand der Leitindex 1,60 Prozent tiefer bei 12.484,00 Zählern. Der deutsche Aktienmarkt schlug sich damit auch besser als die asiatischen Börsen.

In der zweiten Reihe gab es ebenfalls deutliche, aber keinesfalls drastische Verluste. Für die mittelgroßen Werte im MDax ging es im Schnitt um 1,53 Prozent auf 25.321,64 Punkte bergab. Der TecDax der Technologiewerte büßte 2,67 Prozent auf 2.485,69 Zähler ein. Beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 betrug der Kursverlust am Mittag knapp 2 Prozent. Der Euro entwickelte sich relativ stabil.

Merkel reagiert auf Ereignisse an der Börse

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte in Berlin am Rande der Koalitionsverhandlungen auf die Ereignisse: "Die Börsenentwicklung der letzten Stunden zeigt, dass wir in unsicheren Zeiten leben", sagte sie. Es gehe darum, mit einer verlässlichen Regierung die Voraussetzungen dafür zu schaffen, "dass wir morgen auch noch in Wohlstand und in Sicherheit im umfassenden Sinne leben können".

"Investoren behalten die Nerven", meinte Daniel Saurenz von Feingold Research. Zeitweilig hatte es beim Dax nach einem Minus von bis zu 8 Prozent ausgesehen, nachdem Anleger am Vorabend in New York schlagartig die Flucht aus Aktien ergriffen hatten. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial war zeitweise um fast 1.600 Zähler abgesackt. Als Grund dafür gilt die Sorge, dass die Zinsen schneller steigen als bislang erwartet, was Aktien weniger attraktiv gegenüber Anleihen machen würde und viele Investoren aus dem Aktienmarkt treiben könnte.

Blick in Richtung USA

Nach Meinung der NordLB müssen die Anleger in Europa nun weiter in Richtung USA blicken. "New York ist noch immer das pulsierende Herz der globalen Finanzmärkte und bestimmt somit Wohl und Wehe an den internationalen Börsen", sagte Analyst Tobias Basse. Gespannt wird deshalb darauf gewartet, wie die Wall Street am Nachmittag in den Handel zurückkehren wird. Basse rechnet damit, dass der aktuelle "Winterschlussverkauf" Schnäppchenjäger bei Investoren anziehen wird.

Andere Experten tun sich derweil schwer, vernünftige Gründe für die Intensität der Verluste in New York zu finden. Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel sprach am Morgen von "irrationalen Bewegungen". Er betonte aber, dass eine übergeordnete Aufwärtsbewegung seit 2009 beim Dax noch immer intakt sei. Diese habe schon so manchen Sturm überstanden. Seit seinem vor zwei Wochen erreichten Rekordhoch hat der Leitindex aber mittlerweile mehr als 8 Prozent an Wert verloren.

Der größte Verlierer im Dax war am Dienstag nach einem trüben Geschäftsjahr das Papier von Munich Re mit einem Minus von rund 4 Prozent. Naturkatastrophen haben dem weltgrößten Rückversicherer einen noch herberen Gewinneinbruch eingebrockt als zunächst gedacht. Neben den Kennziffern übten Experten auch Kritik am einem enttäuschenden Dividendenvorschlag. Die Auszahlung an die Aktionäre soll für 2017 lediglich stabil bleiben.

Leichtes Plus bei der Deutschen Post

Einziger Dax-Gewinner waren zuletzt die Aktien der Deutschen Post mit einem leichten Kursplus von ungefähr 0,4 Prozent. Vergleichsweise kleine Verluste von etwa 1 Prozent erlitten auch die Titel der Deutschen Börse. Für die Geschäfte des Börsenbetreibers sind die zunehmenden Schwankungen an den Finanzmärkten von Vorteil.

Unter den Nebenwerten waren vor allem die Aktien von Jenoptik mit einem Kursrutsch um mehr als 9 Prozent auffällig, obwohl der Technologiekonzern im abgelaufenen Geschäftsjahr mit Bestmarken beim Betriebsgewinn und Umsatz die Erwartungen übertroffen hatte.

Im MDax lagen Gerresheimer-Aktien mit Verlusten von fast 6 Prozent am Indexende. Nach dem überraschenden Rücktritt von Konzernchef Christian Fischer ist das Papier des Verpackungsherstellers auf den tiefsten Stand seit Oktober 2017 gefallen.

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