Das Wohnen der Zukunft? Trends und Marktaussichten für das Smart Home

Bequeme Steuerung der Haustechnik: Smart Home-Technologie steht zwar schon seit einigen Jahren zur Verfügung, der endgültige Durchbruch blieb bislang jedoch aus. Foto: Stanisic Vladimir

Wer die Begriffe „Wohnen“ und „Trends“ in trauter Zweisamkeit nebeneinander stehen sieht, wird wohl in erster Linie an die neuen Must-Haves für die stylishe Inneneinrichtung denken. Tatsächlich gehen Fragen zum Wohnen der Zukunft weit darüber hinaus: Das vernetzte „Smart Home“ ist dabei keineswegs ein neues Konzept. Aber der technische Fortschritt bringt es mit sich, dass die Möglichkeiten immer umfangreicher werden und nahezu jeden Aspekts des alltäglichen Lebens abdecken können.

 

Die Zeichen stehen auf smart: Aktuelle Trends

Das hat in der jüngeren Vergangenheit auch dazu geführt, dass Smart Home-Lösungen nicht mehr nur allein für die überaus Technik-Affinen interessant sind. Auf den einschlägigen Technik-Messen zeigen die Aussteller daher nicht allein solche Gadgets, die bei allem Wohlwollen hauptsächlich als Spielerei zu bewerten sind, sondern auch Neuheiten, die zu tatsächlichen Verbesserungen im Alltagsleben führen können.

CeBIT, CES und MWC – Die Trends von den Messen

Überzeugen konnte sich das Publikum davon auf den diesjährigen Auflagen von CeBIT, CES (Consumer Electronics Show) und MWC (Mobile World Congress). Hier ging es zwar unter anderem um Neues aus der Unterhaltungselektronik, aber durch die Ausbreitung des Internet of Things, mit dem sich möglichst alle Technik miteinander verbinden lässt, sind mittlerweile auch andere Branchen auf den Messen vertreten.

Open Connectivity Foundation: Ausweg aus der Kompatibilitäts-Sackgasse

Verbinden ist gleich ein gutes Stichwort, wenn es um die zukünftigen Trends für das Smart

Oft scheiterte die Vernetzung im Smart Home an mangelnder Kompatibilität von Produkten verschiedener Hersteller - die OCF will dem mit einem allgemienen Standars entgegentreten. fotolia.com Foto: vege

Home geht: Woran im Internet der Dinge bislang nämlich häufig gemangelt hat, war eine einheitliche Kommunikationsmöglichkeit zwischen den zu vernetzenden Geräten unterschiedlicher Hersteller. Verschiedene Protokolle und Schnittstellen sorgten oft genug dafür, dass eine herstellerübergreifende Vernetzung nicht möglich war. Das ist allerdings kaum im Sinne der Nutzer – eine große Zahl an Unternehmen, darunter auch Großkonzerne wie Microsoft, Intel, Samsung, Cisco etc. findet sich deshalb auf der Mitgliederliste der Open Connectivity Foundation (OCF).

Der Zusammenschluss aus Open Interconnect Consortium und AllSeen Alliance wurde im Zuge des MWC im Februar diesen Jahres bekanntgegeben. Damit ist ein wichtiger Schritt zur Vereinfachung der Gerätekommunikation getan – denn das erklärte Ziel der OCF ist die Entwicklung einer Standard-Spezifikation für möglichst alle vernetzbaren Geräte. Was für die Hersteller zu einem Sinken der Entwicklungskosten führen könnte, bedeutet für die Verbraucher indes möglicherweise niedrigere Gerätepreise und deutlich mehr Spielraum in Sachen Kompatibilität.

Die Zukunft des Fernsehers - nicht mehr nur Multimedia-, sondern gleich Smart Home-Zentrale fotolia.com Foto: Justinb

Fernseher als Smart Home-Zentralen

Das kommt wiederum Nutzern zu Gute, die beispielsweise auch von der Möglichkeit Gebrauch machen möchten, die Steuerung von Lampen, Heizung und anderen Geräten über ihr Smart TV vorzunehmen. Die hierzu notwendige Technologie demonstrierte Samsung auf der CES in Las Vegas. Die Idee dabei: Kaum ein anderes Gerät im Haushalt wird mehr genutzt als der Fernseher, was im Umkehrschluss bedeutet, dass er mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit dauerhaft mit Strom versorgt wird. Selbiges muss aber auch für die zentrale Steuereinheit in einem Smart Home gewährleistet sein, weshalb Samsung das Smart TV einfach zu einer solchen Zentrale macht. Als Schnittstelle wird das „SmartThings“-System verwendet, das mittels eines USB-Adapters auch andere Geräte mit einbeziehen kann.

Bessere und schnellere Vernetzung

Ansonsten gilt bei der Vernetzung das Motto „schneller, weiter, energieeffizienter“. Ein Beispiel hierfür sind die neuen Router-Modelle von AVM, die zukünftig häufiger mit dem „Ultra Low Energy“-Standard versehen werden. Das ist besonders praktisch bei Geräten, die auf eine möglichst lange Akkulaufzeit angewiesen sind, weil sie nicht am Stromnetz angeschlossen sind – denn der Energieverbrauch soll durch ULE deutlich sinken, während gleichzeitig eine verbesserte Reichweite geschaffen werden soll.

Nach einem ähnlichen Prinzip arbeiten auch die Netzwerkgeräte von PICO, deren geringer Energielevel für längere Betriebsbereitschaft der vernetzten Komponenten sorgt. Laut Hersteller sind dabei gleichzeitig Reichweiten von mehreren Kilometern möglich. Hierbei helfen unter anderem die entsprechenden Stecker, mit denen die Signale weitergetragen werden können.

Biegsame Bildschirme, transparente Fernseher, Gestensteuerung

Verschiedene Hersteller arbeiten zudem an Geräten, die auf Gestensteuerung reagieren. So etwa Fibaro, die eine Steuereinheit entwickelt haben, mit der sich per Handbewegung Licht, Rollos oder verschiedene programmierbare Szenarien bedienen lassen. Das Gerät erkennt dabei nicht nur die Bewegungsrichtung der Hand, sondern kann sich außerdem auch Bewegungskombinationen „merken“. Über ähnliche Funktionen verfügt auch das Smart Home Gateway des Startups Naon.

 
Konzept für die FlexEnable Smartwatch

Neuerungen gab es zudem natürlich auch wieder in puncto Bildschirme, nicht nur hinsichtlich (noch) besserer Auflösungen: Die britische Firma FlexEnable zeigte zum Beispiel, wie weit flexible, organische LCD-Displays mittlerweile gebracht werden können – denkbar ist somit eine Verwendung als Bildschirm, der mindestens zur Hälfte das Handgelenk umfassen kann und deutlich größer ist als bei derzeitigen Smartwatch-Modellen.

Prototypen erreichen dabei mit fast 5 Zoll Größe die Dimensionen eines Smartphones. Das ist am Handgelenk natürlich erstmal nicht sehr unauffällig, im Gegensatz zu den Fernsehbildschirmen, wie Panasonic und Samsung sie präsentiert haben. Die sind nämlich zum Teil durchsichtig und fügen sich dadurch unauffällig in die Wohnungseinrichtung ein.

Was sonst noch möglich ist

Smart Home-Lösungen stehen vor allem für einen Zugewinn an Komfort. Weite Bereiche des Haushalts zentral steuern zu können oder gegebenenfalls sogar von unterwegs gehört sicherlich dazu. Aus ganz ähnlichen Gründen nutzen viele Kunden auch die bereits bestehenden Angebote hinsichtlich des Online-Bankings.

Banking und Kostentransparenz im Smart Home

Das muss aber längst nicht alles sein, der Smart Banking-Sektor nimmt sozusagen gerade erst richtig Fahrt auf – Stichwort „Kontaktloses Bezahlen“ und selbst mobile Angebote, wie sie von Fintechs in den Wettbewerb mit den etablierten Banken eingebracht werden, sind in ihrem Funktionsumfang oftmals noch nicht zur Gänze ausgereizt.

Auch im vernetzten Heim gibt es für die Banken sicherlich noch Optimierungsbedarf, zum Beispiel im Bereich der Beratungsangebote. Möglich wäre eine Art digitaler Assistent, der die Entwicklung der Finanzen automatisch überwacht und seine Analysen an den Kunden weitergibt – im günstigsten Fall in Verbindung mit denkbaren Handlungsoptionen. Was die Umsetzbarkeit in naher Zukunft betrifft, liegen Möglichkeiten der digitalen Ablage wichtiger Rechnungen (oder eventuell sogar anderer Unterlagen) wohl näher. Ein entsprechendes Programm könnte hier die Ausgaben analysieren und mit Optimierungsmöglichkeiten aufwarten.

Smart Metering geht noch intelligenter - mit den entsprechenden Apps kann dann sogar der Verbrauch einzelner Geräte analysiert werden. fotolia.com Foto: destina

Apropos Kostenoptimierung: Die ist, insbesondere mit Blick auf die Energieeffizienz, ohnehin ein Thema im Smart Home, muss aber nicht beim Smart Metering aufhören. Einen Ansatz dazu bietet das belgische Cleantech-Unternehmen Smappee mit seiner Smartphone-App. Die stellt gewissermaßen eine Verbindung von Energiemonitor und Hausautomation dar. Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Smart Metern ist die Option, die im Haushalt entstehenden Stromkosten nicht nur anhand der Verbrauchszeiten überwachen, sondern diese sogar auf die einzelnen verbundenen Geräte herunterbrechen zu können. Bedeutet unterm Strich eine noch größere Kostentransparenz und eine noch effizientere Nutzung von Haushaltsgeräten.

Die intelligenteren Haushaltsgeräte

Die Vernetzung im Haus wird in Zukunft auch zunehmend intelligente Haushaltsgeräte einschließen. fotolia.com Foto:baloon11

Überhaupt können Kühlschrank, Waschmaschine und Co. inzwischen häufig schon ihren eigenen Beitrag zur Gestaltung eines vernetzten Haushalts leisten. Wobei Energieeffizienz sicherlich nur ein Aspekt ist, den intelligente Haushaltsgeräte erfüllen. Im Fokus steht, ganz unabhängig vom Einsatzgebiet, in erster Linie der Mehrwert für den Nutzer, sei es bei Geschirrspülern, Fritteusen oder Waschmaschinen. Diese Geräte profitieren zudem von der immer feineren Technik, so dass es zukünftig beispielsweise problemlos möglich sein wird, besonders hartnäckig verschmutzte Küchenutensilien in der Spülmaschine gezielt reinigen zu lassen. Simuliertes Sonnenlicht im Kühlschrank hilft dabei, die Vitamine in Obst und Gemüse zu erhalten.

Allerdings muss derzeit noch davon ausgegangen werden, dass intelligente Haushaltsgeräte vorerst eher Zukunftsmarkt als Massenmarkt bleiben. Allen Möglichkeiten zum Trotz steht die großflächige Annahme solcher Geräte von Seiten der Kunden noch aus.

Warten auf den Durchbruch: Die Marktaussichten

Damit stehen die intelligenten Haushaltsgeräte jedoch keineswegs alleine da – im Gegenteil besteht in der Smart Home-Branche immer noch ein deutliches Wachstumspotenzial. Das mag angesichts der oben vorgestellten technischen Möglichkeiten überraschen. Allerdings ist zu bedenken, dass die Technologie auch nur einer von mehreren relevanten Faktoren ist, wenn es um die Entwicklung und Verbreitung von Smart Home-Lösungen geht. Es gilt also der Frage nachzugehen, wie es um Marktstimmung in diesen Segmenten bestellt ist.

Wachstumsfaktoren und Markttreiber

Als einen der wichtigsten Markttreiber für das Smart Home als massentaugliche Alternative hat die BITKOM-Studie „Vor dem Boom“ bereits 2014 das Marktumfeld als solches ausgemacht. Das gestaltet sich aus verschiedenen Gründen durchaus positiv, nicht zuletzt wegen der erfreulichen Entwicklungen innerhalb der Markstruktur. Hier ist zu unterscheiden zwischen dem Gadgets-Markt an der Nutzer-Basis sowie dem Volumen- und dem Hochpreissegment.

Bei den Letztgenannten spielen meist unterschiedliche Ansichten über den Kosten-Nutzen-Faktor eine Rolle, so dass entweder dem Preis oder dem Wunsch nach individuellen Gestaltungsmöglichkeiten eine größere Gewichtung zukommt. Insgesamt vorteilhaft ist in jedem Fall die Verfügbarkeit immer ausgereifterer Technik – angefangen bei Smartphones und Tablets, die als Steuerelemente dienen können bis hin zu den schon erwähnten Standardisierungstendenzen bei der Gerätekommunikation.

Gleichzeitig bedeutet das natürlich auch eine Öffnung des Angebots für eine wesentlich größere Zielgruppe. Bedient werden nicht mehr nur die mutmaßlichen Techniknarren, Smart Home-Lösungen wenden sich vielmehr auch an Familien mit Kindern sowie Senioren. Grund hierfür ist das Zusammenwirken von Technologie und Innovation. Das umfasst die flächendeckende Verbreitung mobiler Geräte als potenzielle Bedienlösungen genauso wie die aufgezeigte Tragweite der Vernetzbarkeit von Haushaltsgeräten einerseits und klassischer Haus- und Sanitärtechnik andererseits. Das ist vor allem unter dem Gesichtspunkt des barrierefreien, altersgerechten Wohnens ein nicht zu unterschätzendes Potenzial.

Denn die demografische Entwicklung in Deutschland mit einer durchschnittlich immer älteren Gesellschaft bietet für derartige Angebote eine große Zahl möglicher Abnehmer.

Ältere Menschen profitieren durch die Vernetzungsmöglichkeiten des Ambient Assisted Living von einer schnelleren medizinischen Versorgung. fotolia.com Foto: Ingo Bartussek

Dass in zunehmendem Maße auch Gesundheitsangebote in das vernetzte Leben integriert werden, ist deshalb sicher kein Nachteil für die Anbieter. Andererseits profitieren natürlich nicht nur die Älteren vom Connected Living – für viele Arbeitnehmer bieten vernetzte Autos eine schnelle Verbindung zur Arbeitsstelle, auf der anderen Seite ist das sogenannte „Cocooning“, das individuelle Gestalten des eigenen Zuhauses von immer größerer Bedeutung. Hinzu kommt die Politik als weiterer Antreiber, vor allem in den Bereichen Digitalisierung, aber auch mit Blick auf die bestehenden Notwendigkeiten für die angepeilte Energiewende.

Womit auch gleich der vierte große Markttreiber benannt wäre, nämlich der mögliche Beitrag zu einem effizienten Energiemanagement, der sich eben nicht allein auf das Reduzieren des individuellen Bedarfs beschränkt. Vielmehr bedeuten neue Wege hinsichtlich der Energiespeicherung – die inzwischen bei Neubauten sogar eingefordert und entsprechend gefördert werden – ein immer weiträumigeres Einbeziehen von Privathaushalten in den Stromnetzbetrieb. Gerade in Bezug auf die ebenfalls weiterhin betriebene Förderung der Elektromobilität tun sich durch die Möglichkeiten der Energieverteilung neue Chancen auf.

Zuwachs für den Smart Home-Markt

Nicht zu unterschätzen ist auch der Zuwachs bei den Anbietern unterschiedlicher Smart Home-Lösungen. Die Mitgliederliste der OCF vermittelt einen ungefähren Eindruck davon, wie viele Firmen mittlerweile mit der Weiterentwicklung der Hausautomation und –vernetzung befasst sind. Neben den weitestgehend bekannten (Global) Playern steigt aber auch die Zahl jüngerer Startup-Unternehmen in der Branche.

Die deutsche Startup-Szene

Die Betterspace GmbH beispielsweise bietet intelligente Heizungssteuerung, die sich mit ihrem „better.hotel“-Modell, wie der Name schon sagt, vorzugsweise an nachhaltig wirtschaftende Hotelbetriebe wendet. Die Heizkörpersteuerung des Kasseler Startups kann sämtliche Heizkörper in einem Gebäude miteinander vernetzen und automatisch regeln. Dadurch sollen Heizkosteneinsparungen von bis zu 31 Prozent möglich werden, darüber hinaus wird die Umwelt durch die gleichzeitige Minderung des CO2-Ausstoßes geschont. Der Ansatz hat dem Unternehmen bei den diesjährigen SmartHome Deutschland Awards den dritten Platz unter den prämierten Startups eingebracht.

 
Intelligente Heizkörpersteuerung für Hotels von Betterspace

Als bestes Startup wurde mit der CorDev GmbH allerdings ein Unternehmen ausgezeichnet, das sich einem besonders heiklen Thema verschrieben hat. CorDev bietet nämlich im eigentlichen Sinne keine Produkte, sondern hat mit „Protected Privacy“ ein Zertifikat mit dem Schwerpunkt Privatsphäre der Nutzer entwickelt. In der Tat befürchten viele Smart Home-Anwender, dass die Vernetzung ihrer Geräte von den Herstellern zum Sammeln persönlicher Daten genutzt wird. Das Zertifikat zeichnet solche Hersteller aus, die mit ihren Angeboten die Privatsphäre ihrer Kunden gewährleisten.

Internationale Konkurrenz

Daneben wächst auch die Konkurrenz im Ausland. Vor allem in China wird die Modernisierung und Digitalisierung von Regierungsseite vorangetrieben, die Appliance and Electronics World Expo (AWE) in Shanghai hat sich neben der CES in Las Vegas und der IFA in Berlin als wichtige Elektronikmesse etabliert. Nicht zuletzt auch wegen der steigenden Kundennachfrage war das Thema Smart Home auf der diesjährigen Veranstaltung ein überaus präsentes Thema – es ist aber auch für die Hersteller selbst eine Möglichkeit, einer Stagnation des Wirtschaftswachstums entgegenzuwirken.

Smart Home in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft

Auch aus der Perspektive der Immobilien- und Wohnungswirtschaft spielt der Faktor Wirtschaftlichkeit für einen vermehrten Einsatz von Smart Home-Technologien eine wichtige Rolle.

Chancen in der Wohnungswirtschaft

So werden die Möglichkeiten von Smart Home und Ambient Assisted Living (AAL) von einem großen Teil der Wohnungs- und Immobiliengesellschaften als Chance bezüglich der Mieter- und Kundenbindung beurteilt.

Für die Entwicklung des Smart Home-Marktes ist das natürlich erst einmal eine erfreuliche Einstellung, denn die Immobilien- und Wohnungswirtschaft, deren Vertreter im Rahmen einer „Studie der SmartHome Initiative Deutschland e.V.“ befragt wurden, verwaltet immerhin gut 20 Prozent des deutschen Wohnungsmarktes – das entspricht etwas mehr als acht Millionen Wohnungen, in denen gewerbliche Vermieter theoretisch Smart Home-Anwendungen einsetzen könnten.

Quelle: Smart Home- und AAL-Technologien in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft; Studie der SmartHome Initiative Deutschland e.V.

Die Anforderungen an Smart Home-Lösungen

Dafür würde auch die weitgehende Zufriedenheit mit tatsächlich schon genutzten smarten Technologien sprechen. Die deckt sich zudem mit den gleichfalls positiven Beurteilungen durch Mieter und Kunden. Dennoch gibt es gerade hinsichtlich des Preis-Leistungs-Verhältnisses der aktuell verfügbaren Lösungen auch durchaus Vorbehalte. Der Anschaffungspreis gehört daher nach wie vor zu den wichtigeren Kriterien, wenn es um die Entscheidung pro oder contra Smart Home geht. Andere Anforderungen, die von Seiten der gewerblichen Vermieter genannt werden, sind

  • die einfache Bedienbarkeit;
  • ein möglichst geringer Wartungsaufwand;
  • modulare Erweiterungsmöglichkeiten;
  • die Kredibilität des Anbieters.

Dass gerade die Glaubwürdigkeit der Anbieter im Entscheidungsfindungsprozess eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielt, ist übrigens darauf zurückzuführen, dass in vielen Fällen überhaupt kein direkter Kontakt zwischen Immobilienverwaltern und den Herstellern besteht. Das Vertrauen wird vielmehr in externe Partner wie Architekten, Planer oder Beratungsunternehmen gesetzt, statt die eigene Fachkompetenz zu fördern.

Investitionsbereitschaft, Herausforderungen und Ausblick

Ähnlich geringes Engagement ist von dieser Seite auch in Bezug auf die potenziellen Investitionen zu verzeichnen. Zwar besteht eine nicht geringe Bereitschaft, innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre verstärkt Smart Home- und AAL-Technologie einzusetzen, gerade bei Neubauten oder Sanierungen. Allerdings liegt der Investitionswille mit etwa 20 Euro pro Quadratmeter dann doch in einem verhältnismäßig niedrigen Bereich – besonders vor dem Hintergrund, dass rund 40 Prozent der Befragten vorzugsweise sogar noch weniger für die smarte Gestaltung der Immobilien ausgeben wollen.

Quelle: Smart Home- und AAL-Technologien in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft; Studie der SmartHome Initiative Deutschland e.V.

Die Zurückhaltung muss angesichts der Prognosen einer weiter steigenden Nachfrage von Smart Home- und AAL-Technologien von Seiten der Mieter eigentlich verwundern. Die Wohnungs- und Immobilienunternehmen sind beim derzeitigen Stand der Technik aber offenbar noch nicht restlos davon überzeugt, dass diese wirklich zu einem tragfähigen Geschäftsmodell – das heißt als Alleinstellungsmerkmal am Markt und als Mittel einer verstärkten Mieterbindung – taugt. Weitere Vorbehalte, die es für einen Wachstumsschub der Smart Home-Branche zu überwinden gilt, sind

  • die eventuellen Ressentiments der Mieterschaft, die allerdings durch transparente Kommunikation und Information ausgeräumt werden könnten;
  • die Schwierigkeit, innerhalb der sich ständig verändernden und vergrößernden Branche die richtigen Partner zu finden.

Abgesehen von Kostenfragen scheint also der Informationsbedarf – nicht nur bei den Mietern, sondern eben auch bei den Wohnungsunternehmen selbst – die größte Herausforderung für die Smart Home-Branche zu sein. Das gilt für die Funktionsweisen ebenso wie für kritische Themen wie den Datenschutz. Auf der anderen Seite sind die Anwendungspotenziale absolut gegeben und werden in Zukunft wohl noch gefragter: Die bislang schon vielfach eingesetzten Maßnahmen im Bereich der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA), also etwa bei der Heiz- respektive Kühltechnik, der Raumlufttechnik oder auch der Sicherheitstechnik, bieten ausreichend Anschlusspunkte für eine Ergänzung mit smarten Technologien.

Die Kunden- und Nutzerperspektive

Den weitaus größeren Marktanteil nehmen natürlich private Kunden und Nutzer ein. Die nehmen zwar in zunehmendem Maße die Anwendungsmöglichkeiten intelligenter Hausvernetzung an, allerdings nicht soweit, dass von einem Durchbruch gesprochen werden könnte. Mit „Ready for Takeoff? Smart Home aus Konsumentensicht“ hat das Dienstleistungsunternehmen Deloitte in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München die möglichen Gründe hierfür beleuchtet.

Zwischen Interesse und Hemmnis: Pro und Contra Smart Home

Dabei zeichnet sich ein ähnliches Bild ab, wie bei den Immobilien- und Wohnungsunternehmen – ein grundsätzliches Interesse an solchen Lösungen besteht. Das gilt vor allem für Alarmsysteme, aber auch für smarte Heizungs- und Beleuchtungssysteme. Wenig überraschend ist die Hemmschwelle für die Installation intelligenter Technologien bei den jüngeren Generationen deutlich niedriger. Offener für smarte Lösungsansätze sind auch die Eigentümer von Immobilien im Vergleich zu Mietern, Interesse ist aber selbst bei dieser Gruppe zu erkennen. Für beide gleichermaßen relevant sind jedoch die Möglichkeiten, einmal eingesetzte Systeme zu einem späteren Zeitpunkt nachrüsten zu können – ein Ansatz, der auch für die Wohnungswirtschaft interessant sein kann, wenn es beispielsweise um die Aufwertung von Bestandsimmobilien geht, die nicht zwingend von Grund auf saniert werden müssen.

Smart Home aus Konsumentensicht; Studie von Deloitte und TU München. Quelle: Ready for Takeoff?

Auch hinsichtlich der Vorbehalte sind ähnliche Tendenzen zu erkennen, der Kosten-Nutzen-Faktor ist für private Anwender ebenfalls durchaus ein Hinderungsgrund bei der Anschaffung. Hinzu kommen Bedenken wegen des Datenschutzes und der Datensicherheit. Neben der Befürchtung, die Installation von Smart Home-Lösungen könne die eigenen technischen Fähigkeiten übersteigen, wurde zudem das Informationsdefizit – das betrifft sowohl die Angebote selbst als auch die Anbieter oder mögliche Bezugsadressen – bemängelt.

Zusatzdienste und Kaufbereitschaft

Damit wird aber auch ersichtlich, wie groß das Potenzial für zusätzliche Leistungen bei Smart Home-Lösungen ist. Von der Hilfe bei der Installation über die Wartung bestehender Systeme bis hin zu weiterführenden Sicherheitsdiensten bestehen durchaus Interesse und Zahlungsbereitschaft. Einzig bei der Einschätzung des Wertes solcher smarten Systeme bestand bei vielen Befragten eine gewisse Verunsicherung.

Sicherheit ist ein großes Thema beim Smart Home, entsprechend besteht hier durchaus eine erhöhte Zahlungsbereitschaft von Seiten der Nutzer. fotolia.com Foto: Tesgro Tessieri

In Anbetracht der Unsicherheit, die zudem in anderen Bereichen beim Thema Smart Home noch herrscht, sind die Empfehlungen von Freunden umso wichtiger – ganz im Gegensatz zur Meinung von Experten. Das liegt allerdings kaum am Zweifel an deren Fachkompetenz, als an den Schwierigkeiten, überhaupt einen passenden oder bevorzugten Ansprechpartner für die eigenen Belange zu finden. Einmal mehr zeigt sich daran, wie wichtig stärkere Bemühungen um eine offenere Kommunikation für die Smart Home-Branche immer noch sind.

Fazit

Die Zukunftsaussichten für Smart Home-Lösungen sind rosig – zumindest in der Theorie. Die Entwicklungen sowohl bei den Endgeräten als auch beim Funktionsumfang verdeutlichen auch weiterhin, was in einem vernetzten Zuhause alles möglich ist bzw. werden könnte. Daneben besteht nicht nur auf dem Sektor privater Nutzer, sondern auch in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft ein grundlegendes Interesse. Da sich darüber hinaus auch Gründe für eine politische Förderung des smarten Wohnens ergeben, sind die optimalen Voraussetzungen für ein schnelles Wachstum der Branche im Prinzip geschaffen.

Dass der Durchbruch bei allem Potenzial bislang doch ausgeblieben ist, kann daher kaum der Technik oder den Absatzmöglichkeiten angekreidet werden. Es ist die Unübersichtlichkeit, die sich einerseits aus der steigenden Zahl unterschiedlicher Anbieter und andererseits aus den technischen Weiterentwicklungen ergibt. Mögliche Nutzer sind angesichts dessen überfordert und verzichten lieber auf den Einsatz smarter Technologie. Hier muss die Branche mit einer umfassenden Informationspolitik nachhelfen.

 

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