"Das Tischtuch hat einen Riss" München: Haar protestiert wegen Lkw-Verbot

Die Truderinger Bahnstraße. Foto: Archiv/Gaby Mühlthaler

Wegen Lkw-Fahrverbot auf der Bahnstraße: Die Gemeinde Haar schießt so scharf wie nie gegen München.

 

Haar - Die schmale Truderinger Bahnstraße soll für Laster über 3,5 Tonnen gesperrt werden, das hat der Stadtrat vergangene Woche beschlossen. Die meisten Lkw passieren die Wohnstraße auf ihrem Weg vom Quetschwerk Mühlhauser, das in Haar liegt, zur B304. Die direkte Alternativroute zur B304 durch eigenes Gebiet hat die Gemeinde für Lkw gesperrt.

München - Trudering - Haar: Streitpunkt Bahnstraße

Im Haarer Rathaus ist man fassungslos über "das einseitige Vorpreschen der Münchner Stadträte". Seit einem Jahr sitze man auch mit der Landeshauptstadt in einem interkommunalen Arbeitskreis und suche Lösungen für die Verkehrsproblematik. Bisher habe man angenommen, mit München auf Augenhöhe im Austausch zu sein, so Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller. "Dachte ich jedenfalls – bis heute. Jetzt hat das Tischtuch einen Riss."

Anders als die Haarer Rathaus-Chefin sehen das seit langem Politiker und Bürger aus Trudering. Sie haben Unterschriften gesammelt, immer wieder Anträge mit Verbesserungsvorschlägen an die Stadt gerichtet, genutzt hat das nichts. Das Planungsreferat teilte stets mit, Entlastung für die Bahnstraße gebe es erst, wenn die Verbindungsstraße durchs wilde Gewerbegebiet Rappenweg zwischen Gronsdorf (Gem. Haar) und der Truderinger Schwablhofstraße gebaut sei.

Entlastende Verbindungsstrecke geplant - auch für Laster?

Das scheiterte, weil der Stadt Grundstücke und ein Strukturkonzept für die Ordnung der ungenehmigten Gewerbesiedlung fehlten. Wie berichtet, haben jetzt Investoren Flächen am Rappenweg gekauft und den Betrieben gekündigt, der Straßendurchstich rückt wohl näher. Den Bahnstraßlern wird das kaum nutzen, denn Haar hat 2016 ein Teilstück der Trasse zur Erschließung einer Neubausiedlung gebaut. Deren Breite und Kurvenradius ist für Laster ungeeignet, denn laut Gabriele Müller war nie vorgesehen, Schwerlastverkehr darüber zu leiten.

In Gronsdorf wird munter weiter gebaut: Wohnungen, ein Rewe-City, Gastronomie. Und der Landkreis will dort einen Schulcampus mit Fachober-, Pflege- und Realschule für 2.000 Schüler errichten. Wenn alles in Betrieb ist, käme laut Verkehrsgutachten die Einmündung der Bahnstraße in die B304 an ihre Grenze. Auch München würde in Gronsdorf gerne bauen, 135.000 Quadratmeter Grund gehören der Stadt. Baurecht will Haar erst ausweisen, wenn der Rappenweg-Durchstich realisiert ist.

Nun hat der Stadtrat auf Antrag des Truderingers Hans Podiuk (CSU) einstimmig das Lkw-Verbot beschlossen. Falls der Beschluss nach Prüfung durch das "Kommunalreferat" vollzogen werde, kündigt Müller Klage an: "Wir werden uns nicht kampflos beugen." Ob wirklich gesperrt werden kann, prüft nun das KVR und nicht das Kommunalreferat.

 

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