Das neuer Truderinger Gymnasium „Eine Wellness-Schule sind wir nicht“

Susanne Asam (48) ist Direktorin des Truderinger Gymnasiums, das heute erstmals seine Pforten öffnet. Foto: Julia Lenders

Susanne Asam, die Direktorin des neuen Truderinger Gymnasiums, über Konzept und Neustart.

 

 AZ: Frau Asam, Sie sind die Direktorin der neuen Vorzeigeschule. Wie fühlt sich das an?

SUSANNE ASAM: Einfach fantastisch. Ich empfinde meine Aufgabe hier als gnadenlosen Luxus.

Luxus?

Mit diesem Posten ist ein Traum für mich in Erfüllung gegangen. Hier kann ich Fehler vermeiden, die ich an anderen Schulen wahrgenommen habe. Ich wünsche jedem Lehrer, mal mit der Option denken zu können, dass es auch umgesetzt wird.

Sie wurden von Schulrat Rainer Schweppe mit offenen Armen empfangen und Anfang Februar von Kultusminister Spaenle vorgestellt. Sie sind offenbar von null auf hundert durchgestartet...

Ja. Ich hatte zu dieser Zeit noch meine Stelle in Gräfelfing. Zwei Stellen und den Auftrag, eine Tausend-Mann-Schule aufzubauen. Es gab nur eine Idee, ein paar Räume und die große Frage: Wie setzt man das alles um?

Lag von Januar an alles in Ihrer Hand?

Ja. Es gibt das „Lernhauskonzept“ der Stadt München, das kenne ich aber nicht im Detail (schmunzelt). Ich brauchte ein eigenes Konzept. Das gibt es jetzt. Man findet es auch auf unserer Homepage und auf Transparenten im Gebäude. Es ist das Rückgrat der Schule und zeigt, was ich unter guter Schule verstehe.

Wie ist es, bei Null anzufangen?

Großartig, aber auch anstrengend. Bei einem Direktorenwechsel bleiben die alten Strukturen erhalten. Das gibt es hier nicht.

Was sind die Hauptaufgaben einer frisch gebackenen Direktorin?

Am Anfang musste ich alles machen, von Konto einrichten über Briefumschläge bestellen, von Unterrichtsplanung bis zum pädagogischen Konzept. Ab Juni kam dann meine Sekretärin Frau Lohr, ab dann ging alles ein bisschen leichter.

Hatten Sie Ferien?

Sie meinen einen Tag, wo ich nicht an die Schule gedacht habe? (lacht laut auf). Ich denke nicht.

Sind Sie eine strenge Direktorin?

Nein. Nur der Rahmen ist mir wichtig. Da bin ich wenig verhandlungsbereit. Man kann mich durch gute Argumente überzeugen, aber die braucht es eben. Aber ob es Argumente gegen meine Ziele gibt? Da glaube ich, die gibt es nicht.

Ihr Gymnasium wird als Vorzeigeschule bezeichnet. Was sagen Sie dazu?

Das ist schwierig. Architektonisch bestimmt. Alles andere muss wachsen.

Zu einer Schule gehören Lehrer. Sind Ihre von einem besonderen Schlag?

Viele Lehrer kamen mit großem Vorwissen zu uns. Die wussten, auf was sie sich einlassen und sind einverstanden. Sie wollen allesamt etwas verändern.

Ich sehe hier Lehrer auf den Gängen Kisten schleppen. Ein ungewohntes Bild...

Ja. Seit einer Woche arbeiten sie rund um die Uhr. Viele sogar unbezahlt. Der Anfang eines tollen Teams.

Und die Schüler?

Sogar die helfen schon mit.

Ihre Schule ist riesig. Mussten Sie trotzdem Bewerber ablehnen?

Ja. Allein in den fünften Klassen haben wir 110 Kinder abgelehnt. Furchtbar.

Haben Sie mit so einem Andrang im ersten Schuljahr gerechnet?

Nein, niemals. Von sowas habe ich auch vorher noch nie gehört.

Hand aufs Herz: Warum genau Ihre Schule?

Unsere Schule bietet alles und der Umgangston wird geprägt sein von Offenheit, Vertrauen und Respekt. Auch unser Lernkonzept ist ein wenig anders. Aber eine Wellness-Schule wird es nicht. Schule ist und bleibt anstrengend, es gibt Grundregeln, die eingehalten werden müssen.

Und was passiert jetzt?

Es wird Zeit, dass die Kinder kommen und Leben in die Bude bringen. Kommen Sie in einem Jahr und schauen sich an, was draus geworden ist.

 

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