Das Landesjugendorchester unter Mariss Jansons „Zeigen Sie Ihre Energie!“

Mit Mariss Jansons proben? „Wir waren sofort besser“, bemerkt ein junger Musiker. Foto: Peter Meisel

Der Dirigent Mariss Jansons probt mit den Youngstern vom bayerischen Landesjugendorchester

 

Ein Sprichwort besagt, dass Jugend sich austoben wolle. Für Mariss Jansons wurde zu wenig getobt. „Gehen Sie in Konzerte des BR-Symphonieorchesters, um zu sehen, mit welcher Hingabe und Leidenschaft sie spielen. Sie haben diese Energie, aber zeigen Sie sie auch. Musik muss mit Emotion geboten werden.“

Das ließen sich die jungen Musiker vom Landesjugendorchester Bayerns (BLJO) nicht zweimal sagen. Prompt stürzten sie sich mit Inbrunst in die Symphonie Nr. 9 von Antonín Dvorák. „Möchten Sie eine kleine Pause machen?“, fragte bald Jansons. „Nein? Oh, Sie sind aber stark“ – lautes Lachen im Saal. Im Herkulessaal hat Jansons am Wochenende Dvoráks Neunte einstudiert und aufgeführt. Seit zehn Jahren ist das BR-Symphonieorchester Pate des Ensembles. Zum fünften Mal arbeitete Jansons mit dem Nachwuchs.

Mit Annika Maus ist beim jetzigen Projekt eine wahre Jansons-Expertin dabei. Als die BR-Symphoniker im letzten Frühjahr Berlioz’ „Symphonie fantastique“ einstudierten, saß die 18-jährige Münchnerin in einer Probe. Jetzt strich sie unter Jansons die Geige. „Natürlich vermittelt er uns die Musik anders als den Profis“, sagt sie. „Bei ihnen reicht ein Stichwort, uns vermittelt er Bilder – um das aus uns herauszukitzeln, was er möchte. Das hilft uns sehr.“

Sonst aber probe er mit den Profis im Grunde nicht anders: „Auch jetzt ist mir aufgefallen, dass ihm die Unterschiede bei der Dynamik sehr wichtig sind.“ Sarah Mittelbach pflichtet ihr bei. Auch sie ist eine Jansons-Expertin, zumal ihre Eltern selber BR-Symphoniker sind. Vater Werner Mittelbach spielt Klarinette<NO1> und ist im Vorstand aktiv, ihre Mutter Petra Schiessel ist Flötistin.

„Meine Eltern haben mir oft erzählt, dass es Jansons schaffe, ein Orchester besser zu machen.“ Wie ihm das gelingt? „Das kann man nicht genau erklären“, erwidert die 17-jährige Bratschistin und Geigerin. „Es hängt viel von der Atmosphäre ab. Es ist wichtig, wie sich ein Dirigent vorne präsentiert, ob er ein Orchester mitreißt. Das überträgt sich auf das ganze Orchester.“

Beim aktuellen Projekt scheint alles bestens gepasst zu haben. Jedenfalls war Geiger Philipp Jonas, 17, besonders angetan, wie schon in den ersten Probenminuten die langsame Einleitung zum Kopfsatz der Neunten ganz anders klang – weniger diffus und direkt. „Ich habe sofort gespürt, dass wir besser waren, obwohl wir ja erst gerade begonnen hatten. Das war unglaublich. Jansons war unheimlich nett.“

Und was bringen die jungen Musiker dem Maestro? „Arbeit“, erwiderte Jansons spontan, um sofort zu lächeln, „aber schöne Arbeit“. Deshalb wird die Kooperation zwischen BR und BLJO ausgebaut. Künftig soll der Nachwuchs auch in der BR-Reihe „musica viva“ für neue Musik mitmischen. Ein erstes Projekt ist für 2015 geplant, wenn Peter Eötvös Karlheinz Stockhausens „Hymnen“ leitet. Eine so direkte, aktive Einbindung der Jugend täte der „musica viva“ sehr gut. Die Jugendlichen hätten übrigens „richtig Bock“ auf neue Musik. „Ich kenne zwar Stockhausen nicht, aber der Name klingt cool“, sagte einer.

 

0 Kommentare