Das "Galileo"-Experiment: eine Woche Glaskasten Thilo Mischke: "In der Dusche ist die Kamera nicht dabei"

Lässt sich beim "Galileo"-Experiment "durchleuchten": Thilo Mischke Foto: ProSieben/Arne Weychardt

Wie ist es, eine Woche lang in einem Glaskasten zu hausen und dabei von der Welt beobachtet zu werden? Diese Frage stellt sich auch Reporter Thilo Mischke und begibt sich für das ProSieben-"Galileo"-Experiment "We Are Watching You" in einen Glaskasten. Kurz vor dem Einzug stand er spot on news Rede und Antwort.

München - Wir alle werden überwacht - auch wenn wir es nicht bemerken. Das ProSieben-Wissensmagazin "Galileo" macht dieses Phänomen sichtbar und spürbar. Im großen 24/7-Experiment "We Are Watching You" lebt Reporter und Autor Thilo Mischke (33, "Wir, intim: Das Sexbuch") eine Woche lang in einem Glaskasten auf dem Burgplatz im Herzen von Essen. Jede Bewegung, die er macht, kann vor Ort beobachtet werden oder per Live-Stream verfolgt werden. Kurz vor dem Einzug sprach die Nachrichtenagentur spot on news mit dem Probanten Mischke.

Herr Mischke, warum nehmen Sie an dem Projekt "We Are Watching You" teil?

Thilo Mischke: Weil Überwachung ein sehr abstrakter Begriff ist und "Galileo" das zielgruppengerecht und lebendig darstellen möchte. Außerdem interessiert es mich auch privat: Was passiert mir, wenn ich feststelle, dass ich beobachtet werde. Als ich angefragt wurde, war die kindliche Neugierde geweckt. Ich wollte es wirklich wissen, deswegen mache ich es auch "wirklich".

Versuchen Sie dort Ihren Alltag nachzustellen oder spielen Sie eine Woche lang eine Rolle?

Mischke: Ich werde meinen Alltag nicht nur nachstellen, sondern ich werde meinen Alltag leben. Das bedeutet: Für das Magazin "Stern" arbeiten, Kolumnen schreiben, Quatsch machen, nachdenken und eben arbeiten. Der einzige Unterschied: Ich arbeite normalerweise nicht im Glaskasten. Obwohl, mein Büro in Hamburg auch ziemlich durchsichtig ist.

Wie glauben Sie reagieren die Menschen in Essen?

Mischke: Ich kenne mich leider mit den Nuancen der Ruhrpott-Natur nicht aus. Vielleicht finden sie es lustig, vielleicht finden sie es doof. Eine Reaktion ist auf jeden Fall wichtig - denn darauf kann ich eingehen.

Vor was haben Sie am meisten Angst?

Mischke: Vor marodierenden Suffis, die mir die wenigen Stunden Schlaf rauben.

Haben Sie ein Szenario vor Augen, dass Sie zum Abbruch bewegen würde?

Mischke: Ich weiß es nicht, es wird ein Arzt anwesend sein. Wenn mein Körper sagt: Überwachung und bewusste Wahrnehmung der Überwachung hat plötzlichen Tod zur Folge, dann bin ich durchaus bereit, das Experiment abzubrechen.

Glauben Sie nicht, dass der moderne Mensch bereits gläsern genug ist?

Mischke: Ja, das glaube ich und das stört ihn nicht - und darum geht es. Warum ist das so? Was sind die Konsequenzen? Genau das zeige ich auf.

Gibt es Grenzen oder ist die Kamera auch auf der Toilette dabei?

Mischke: Es gibt Grenzen, natürlich. Auf dem Klo und in der Dusche ist die Kamera nicht dabei. Auch meine richtige Arbeitsmail, also die aus meinem Leben vorher und nachher ist nicht öffentlich. Aber das hat rechtliche Gründe.

 

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