Das 2:3 gegen Karlsruhe Die Spielanalyse: Das war gut, das war schlecht

Grzegorz Wojtkowiak (l.) im Zweikampf mit dem Karlsruher Hiroki Yamada Foto: sampics/Christina Pahnke

Die dritte Pleite in Folge: Der TSV 1860 taumelt scheinbar unaufhaltsam in den Abgrund. Das 2:3 gegen Karlsruhe war eine Bankrotterklärung. Die AZ-Spielanalyse.

 

München – „Der KSC hat nach der Pause auf zwei Stürmer umgestellt. Danach hatten wir keinen Zugriff mehr.“ Diese einfache Erklärung für das Versagen der Löwen in den zweiten 45 Minuten führte Daniel Adlung an – und entlarvte damit die Hilf- und Führungslosigkeit der Spieler und die fehlende taktische Finesse von Trainer Markus von Ahlen.

Das Spiel: 1:0 führten die Löwen durch ein Traumtor von Maxi Wittek. Die Löwen kontrollierten das Spiel, hatten Karlsruhe weitestgehend im Griff. Das Pressing funktionierte, zur Halbzeit führte der TSV nicht unverdient. Danach stellte der KSC um. Zwei Stürmer, höhere Grundausrichtung. Und Sechzig? Fand nicht mehr statt. Die Bälle gingen früh verloren, das Mittelfeld verlor völlig die Kontrolle, gepresst wurde halbherzig. Der Tiefpunkt: die zehn Minuten, in denen die drei Gegentore fielen.

Die Tore: Witteks Sonntagsschuss am Samstag sorgte für Staunen und Jubel. Aus 30 Metern trifft man nicht alle Tage. Doch was hilft ein Traumtor, wenn anschließend alles auseinanderbricht? Alle drei Gegentore fielen über die Seite des völlig indisponierten Grzegorz Wojtkowiak. Der Japaner Yamada ließ die Löwen-Abwehr schrecklich alt aussehen. Und auch Ortega und Kagelmacher sahen bei den Toren nicht gut aus. Das 2:3 durch Okotie nach einem Eckball war ein Zufallsprodukt.

Szene des Spiels: Das 1:2 durch Yamada. Der Spieler des Spiels spielte mit Yabo Doppelpass, entwischte Wojtkowiak in dessen Rücken, der Pole grätschte ins Leere und Yamada konnte auch von Kagelmacher und Ortega nicht mehr gestoppt werden. Einmal in Rückstand, brach Sechzig vollständig auseinander. Gegenwehr? Fehlanzeige.

Das war gut: Der Japaner Hiroki Yamada. Der 25-Jährige spielte die Löwen in der zweiten Halbzeit schwindelig. Die Umstellung auf ein 4-4-2 gefiel dem offensiven Mittelfeldspieler offenbar sehr gut. Und weil Sechzig ihm den Platz ließ und Yamada über überragende technische Qualitäten verfügt, war er am Ende an allen drei Treffern beteiligt und hätte selbst noch zwei weitere Tore erzielen können. In beiden Fällen scheiterte er am großartig reagierenden Ortega.

Das war schlecht: Die Coaching-Leistung von Markus von Ahlen. Die zwei Wechsel des KSC zur Pause und die damit verbundene Systemumstellung auf ein 4-4-2 waren für den Löwen-Trainer kein Anlass einzugreifen. Erst nach dem 1:2 nahm er den ersten Wechsel vor – 23 Minuten nach der taktischen Neuausrichtung des KSC, die das Spiel kippen ließ. Obwohl von Ahlen wusste, wie sensibel sein Team auf Gegentore reagiert, vergingen zwischen dem ersten Gegentor und dem ersten Wechsel acht Minuten – und es fiel ein weiterer Treffer.

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Das sagte 1860-Trainer Markus von Ahlen: „Es ist absolut ärgerlich, dass ein kleiner Fehler zum 1:1 führt und zu einer Art Schockphase, in der wir zwei weitere Tore hinnehmen müssen. Das darf nicht passieren. Du musst 90 Minuten konzentriert bleiben. Jede Aktion kann entscheidend sein. Das muss ich von meiner Mannschaft erwarten können."

Das sagte KSC-Coach Markus Kauczinski: „Wir waren in der ersten Halbzeit nicht gut im Spiel. Das war alles zu langsam und wir haben verdient zurückgelegen, weil Sechzig ein gutes Spiel gemacht hat. Wir sind nach der Pause super rausgekommen und haben das Spiel gedreht. Wir hätten noch mehr Tore schießen können und hatten dicke Chancen.“

 

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