Da ist kein Auto dabei! Dieses Ferrari-Buch kostet 25.000 Euro

1955: Zwei Brüder mit jeweils einem Zwölfzylinder-5-Liter-Motor unter er Haube: Der Ferrari 410 S Coupé und der Spider. Foto: Taschen Verlag

Der Taschen Verlag widmet einer Renn- und Sportwagenlegende einen Prachtband: "Ferrari".

Der automobilen Fortbewegung weht heute starker Fahrtwind entgegen: Ökologisch in der Schusslinie, ästetisch windkanal-designt und damit austauschbar, in Zeiten von Shared-Economy zum Gebrauchsgegenstand reduziert und vor allem: eine zuparkende Zumutung im Platz-Verteilungskampf unserer Ballungsräume.

So könnte ein Edel-Buch, das nicht das zeitgemäß angesagte Car-Sharing-E-Mobil feiert, eine Provokation sein. Und wenn das Buch über Autos im Taschen Verlag dann auch noch einen Gebrauchtwagenpreis von 5.000 Euro kostet (und in der Edelausgabe sogar einen Neumittelklassewagenpreis von 25.000 Euro), dann wirkt das erst einmal doch wie eine wahnsinnige Fehlzündung.

Ferraris sind Ausnahmeerscheinungen!

Die Sache ist aber eine andere. Denn es geht um Ferrari – und hier muss man zugestehen, dass sich Autos mit einem heutigen Kaufpreis von knapp 300.000 Euro einer normalen Betrachtung entziehen: Ferraris sind Ausnahmeerscheinungen! Ferraris stören nicht den Blick auf Natur und Stadtlandschaften, sie schmücken sie als Kulturgut, das eben zwei Aspekte der Conditio humana vereint: Kunst und Technik – hier als Design und Ingenieurskönnen. Das "Taschen"-Buch erzählt großformatig und ledergebunden in 10 Kapiteln nicht nur von der Frage von Schönheit und Stil – mit historischen Bildern, die in eine Zeit zurückreichen, als schwarz-weiß noch keine Farbe zum Leuchten bringen konnte. Und der Wappen-Rappen ist ja ohnehin schwarz. Und doch meint man immer wieder auf den Fotos mit den berühmten Designern und ihren Prachtstücken das Ferrari-Rot glamourös herausleuchten zu sehen. Und ab den 60ern ist ja dann auch viel Fotofarbe im Spiel.

Es geht im Buch natürlich auch um das Abenteuer klassischer Autorennen wie dem von Le Mans und Konstrukteursleistungen zwischen Sieg und Niederlagen. Werbefotos spielen mit "Girls and Cars", aber auch Baudenkmäler und Alpenspitzen bilden den klassischen Hintergrund für die Karosseriekurven. Aber natürlich geht es auch in Kapiteln um die Grundsatzfrage: Wie alles begann!

Enzo Ferrari starb vor 30 Jahren

Und am morgigen Dienstag hat Enzo Ferrari seinen 30. Todestag. Er starb mit 90 Jahren, und das, obwohl er Rennfahrer war zu einer Zeit, als es weder Abfang-Stohballen an der Piste gab noch Feuerlöscher. Enzo Ferrari aus Modena war Schmiedsohn und früh eisen-bastelnder Tüftler, und trug den Titel "Ingenere" als fortschrittsorientierte Ehrenbezeichnung, obwohl er nie Ingenieur studiert hatte.

Firmengründer Enzo Ferrari beim Rennen Targa Florio im Jahr 1920.
Firmengründer Enzo Ferrari beim Rennen Targa Florio im Jahr 1920.

Zu Recht hingegen trägt ein gewisser Leonardo diesen Titel, als Automobil-Designer seiner Firma, der er seinen blumigen und doch vorwärts-gewandten Familiennamen gegeben hat: Fioravanti. Leonardo Fioravanti studierte in den späten 50ern in Mailand Maschinenbau und wurde von der Technik- und Design-Firma Pininfarina angestellt und entwarf – neben Fiats Ferraris! Den Pinin, den 380, Daytona oder eben auch den Dino.

Dass dieses Marktsegment in Zeiten von Reich-Sein und Es-auch-zeigen-Wollen nicht vom Austerben bedroht ist, zeigt die Firma aus Maranello bei Modena in der zumindest bisher traditionell eher linken Emilia Romagna, weswegen man den Firmensitz auch im steuergünstigen Amsterdam hat. Aber wie hat gerade eine Studie errechnet: Von einem für 280.000 Euro verkauften Ferrari bleibt ein stolzer Gewinn von knapp 70.000 Euro.

Aber, um noch einmal vom schnöden Geld wegzukommen: Ein Ferrari ist heute ein uneinlösbares Versprechen von mobiler Freiheit durch seine überbordende Kraft und mögliche Geschwindigkeit. Und es ist gerade die faszinierende Dekadenz, dass genau das – in Zeiten der Massenmobilität – ja keinen Raum mehr hat. Was also bleibt: Eleganz und Schönheit.


"Ferrari" Collector’s Edition (limitiert: Nr. 251 – 1 947) (herausgegeben von Pino Allievi, Taschen Verlag, Ledereinband, 32,4 cm × 43,2 cm, 480 Seiten; umschlossen von einer von Marc Newson entworfenen Präsentationsbox aus Aluminium, 5.000 Euro, jeweils signiert von Piero Ferrari)

"Ferrari" Art Edition (Exemplare Nr. 1–250), mit einem "Ferrari" Buchständer von Marc Newson, signiert von Piero Ferrari, Sergio Marchionne und John Elkann (25.000 Euro).

 

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