CSU-Abiturdiskussion Rückkehr zu G9? Für Ministerpräsident Seehofer Chefsache

, aktualisiert am 06.03.2017 - 21:44 Uhr
Horst Seehofer mit dem Bayrischen Kultusminister Ludwig Spaenle. Foto: dpa

Nach der öffentlichen Kritik an Kultusminister Ludwig Spaenle kümmert sich Horst Seehofer nun persönlich um den "Abiturgipfel". Die Rückkehr zu G9 scheint nur eine Frage der Zeit. CSU-Politiker diskutieren.

München - Drei "Abi-Treffen" in fünf Tagen: Nach den Bildungsverbänden und den kommunalen Spitzen stand am Montagabend in der Staatskanzlei das möglicherweise vorentscheidende Gespräch mit Vertretern der CSU-Landtagsfraktion über die mögliche Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9) an.

Auf Einladung von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sollten daran unter anderem Fraktionschef Thomas Kreuzer, Kultusminister Ludwig Spaenle und Mitglieder des Arbeitskreises Bildung und Kultus teilnehmen. Der CSU-Chef hatte das seit Monaten für Unruhe sorgende Thema kürzlich zur Chefsache gemacht und Spaenle massiv in der Öffentlichkeit für dessen Arbeit kritisiert.

Qualitätsverluste durch G9?

Andere Bundesländer haben das im Schuljahr 2004/2005 in Bayern eingeführte "Turbo-Abitur" bereits wieder abgeschafft. Innerhalb der CSU ist die von Bildungsverbänden, Opposition und kommunalen Spitzenverbänden auch im Freistaat gewünschte Abkehr vom Abitur nach acht Jahren (G8) aber nach wie vor sehr umstritten.

Die Skeptiker fürchten sich vor Qualitätsverlusten, sollte etwa der aktuelle Lehrplan einfach um ein Jahr verlängert werden, und vor hohen Kosten für Land sowie Schulträger, ohne dafür im Gegenzug eine Garantie für einen dauerhaften Schulfrieden zu erhalten.

CSU-Entscheidung im Alleingang

Seehofer selbst gilt als Sympathisant des G9 - war dem Vernehmen nach aber zuletzt wegen vieler ungeklärter Fragen etwa zu den Kosten und dem Lehrplan wieder unentschieden. Deshalb hatte er am vergangenen Donnerstag und Freitag insgesamt mehr als fünf Stunden mit Experten, Betroffenen sowie den für die Schulen zuständigen Städten und Landkreisen gesprochen.

Dabei zeichnete sich dem Vernehmen nach ab, dass ein Ende des G8 nur noch eine Frage der Zeit sei. Mit einer endgültigen Entscheidung wurde für den Abend aber nicht mehr gerechnet - wohl aber mit einer wichtigen Weichenstellung für die dann maßgebliche Sitzung der gesamten CSU-Landtagsfraktion am Mittwoch.

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Wegen ihrer absoluten Mehrheit kann die CSU praktisch alleine über die Schulgesetznovelle bestimmen. Sehr zum Ärger der Opposition, die sich zuletzt wieder einmal über fehlende Mitsprachemöglichkeiten auch bei dieser Frage beklagt hatte. Die Gegner des G9 in der CSU fürchten sich insbesondere vor den hohen Kosten, die eine Umstellung mit sich bringen würde, ohne im Gegenzug eine Garantie für einen dauerhaften Schulfrieden zu erhalten.

"Wir können es uns leisten"

Die Kommunen fordern in dem Fall die strikte Anwendung des sogenannten Konnexitätsprinzips. Demnach muss das Land die Kosten übernehmen. Von der Rückkehr zum G9 wären große Städte stärker betroffen. So heißt es etwa, München müsste drei neue Gymnasien bauen, Nürnberg eines.

Dank der guten Konjunktur hat der Freistaat laut Finanzminister Markus Söder (CSU) in jedem Fall genug Geld, um die Umstellung zum G9 zu finanzieren. "Wir können es uns leisten", sagte er kürzlich. Wie viel den Freistaat die Abkehr vom umstrittenen Abitur nach acht Jahren kosten werde, sei aber noch offen und hänge letztlich an dem konkreten Konzept. Söder betonte, dass es realistisch sei, bei einer Umstellung von 1000 zusätzlichen Lehrerstellen auszugehen.

 

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