Copacapanik bei Bundestrainer Löw Das große Zittern: Wer ist bei der WM dabei?

Copacabana-Stimmung? Copaca-Panik! Keine 100 Tage mehr bis zur WM – das Spiel gegen Chile ist für die deutsche Nationalmannschaft der letzte Test vor der Kadernominierung. Die Sorgen des Bundestrainers, wer wie sehr zittert.

 

Stuttgart - Sie sind angekommen, die klaren Worte des Bundestrainers. "Jeder muss um seinen Platz bangen", fasst Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm vor dem Test gegen Chile (20.45 Uhr/ARD) Joachim Löws knallharte Rede vom Montag zusammen: "Jeder ist austauschbar. Jedem muss bewusst sein, dass es schon los geht. Es zählt das Jetzt. Wir haben große Ziele, dafür muss jeder topfit sein."

Keine Frage: Es ist Löws schwierigste Mission, eine mit vielen Baustellen. Keine 100 Tage sind’s mehr bis zur WM in Brasilien. Copacabana? Von wegen! Copaca-Panik! Denn die Nation fordert den WM-Titel, aktuell läuft aber wenig nach Plan. "Wir sind im Moment nicht in der Lage zu sagen: diese 23 Spieler bilden den Kader", sagt Löw, der sorgenvoll auf verletzte und formschwache Spieler blickt, aber nur noch diesen einen Test gegen Chile hat, bevor er am 8.Mai seinen vorläufigen Kader benennt.

Deswegen die klaren Worte vorab. "In der Theorie haben wir eine Top-Mannschaft. Aber die Realität sieht im Moment anders aus", sagt Löw. Und: "Die Uhr tickt. Nur wer sie hört, wird eine reelle Chance haben." Der Tenor: Gas geben, Männer! Und: Zu sicher sollte sich keiner sein. Bei Lukas Podolski ist die Warnung angekommen. "Es wäre völlig falsch zu sagen, dass alles gut ist. Da muss sich jeder angesprochen fühlen", sagte der Wahl-Londoner am Dienstag.

Gegen Chile wird Löw vor allem seinen starken Bayern-Block im Zentrum mit Lahm, Schweinsteiger und Kroos sowie die Abwehr testen, die so auch in Brasilien spielen könnte. Beim Rest hat das große Zittern begonnen. Die AZ zeigt, wer sein WM-Ticket sicher hat und wer bangen muss.

Lahm und Co.: Die Bayern-Achse

Alle, die bei Pep Guardiola spielen, haben ihr WM-Ticket schon sicher: Neuer, Boateng, Lahm (Foto), Götze, Kroos, Schweinsteiger und Müller, der gegen Chile (Muskelfaserriss) fehlt. Löw deutet jetzt schon an, dass sein WM-Herzstück aus Bayern bestehen wird. Lahm ist im Mittelfeld eingeplant. Löw sagt Pep-Sätze wie: "Der Schlüssel ist: Wir wollen die Hoheit im Mittelfeld. Ich möchte Spieler, die ständig ihre Positionen tauschen können, total flexibel sind." Und er redet die Bayern-Spieler stark: Kroos sei "ein wahnsinnig wichtiges Puzzleteil", Schweinsteiger fit "enorm wichtig".

Khedira und Co.: Stand-by-Profis

Klose, Khedira (Foto) und Gündogan: Sind sie fit, nimmt Löw sie mit. "Es gibt den ein oder anderen Spieler, der von seiner Persönlichkeit her einen Mehrwert für die Mannschaft hat, auch wenn er nur zu 80 oder 90 Prozent fit ist", sagt Löw in Richtung Klose und Khedira. Bei Klose (35) sind’s immer kleine Wehwehchen – aktuell eine Beckenprellung. Khedira hat nach seinem Kreuzbandriss vom November schon mit dem Lauftraining begonnen. Für Gündogan, den immer noch eine Nervenwurzelentzündung plagt, wird’s knapp – er muss 100 Prozent fit sein, um dabei zu sein.

Özil und Co.: Gesetzt, aber...

Löw warnt: "Die Phase der Wahrheit und Klarheit hat begonnen!" Heißt: Özil (Foto), Hummels, Reus, Adler, Schmelzer und Podolski dürfen sich ihrer Rolle nicht zu sicher sein. Kroos läuft Özil den Rang ab, Mertesacker rangelt mit Hummels um den Innenverteidigerstammplatz, Schürrle und Draxler sitzen Reus im Nacken, Adlers Nr.-2-Status ist von Weidenfeller bedroht, Podolski spielt zu eindimensional für Löws Geschmack und droht sogar zu einem Härtefall zu werden. Schmelzer ist auch nicht top, hat aber links hinten nur Jansen als Konkurrenz.

Gomez und Co.: Die Härtefälle

Löw kündigt unbequeme Entscheidungen an: "Ich brauche einen Kader, der maximal belastbar ist." Gomez (Foto) ist nach fünf Monaten Pause noch nicht wieder der alte. Kruse stagniert, bekam mit der Nicht-Nominierung jetzt einen Denkzettel. Auf der Kippe steht auch Sam. Vom Chile-Spiel und den nächsten Wochen hängt ab, ob Shootingstar Hahn sich Hoffnungen machen darf. Bessere Chancen auf die WM haben: Höwedes, Lars Bender – und überraschend Großkreutz, der nach Lahms Versetzung ins Mittelfeld hinten rechts spielen darf.

Lasogga und Co.: Die Nachrücker

So überraschend Lasogga (Foto), Ginter und Mustafi gegen Chile dabei sind: Sie dienen nur der Abschreckung für Löws Elite, als Notnagel bei Verletzungen. WM-Chancen haben sie kaum – wie Zieler, ter Stegen, Westermann, Sven Bender (verletzt), Volland oder Gnabry. Hoffnungen macht sich noch Badstuber, doch nach 17 Monaten ohne Fußball ist eine WM-Teilnahme des Bayern, der sich nach zwei Kreuzbandrissen im Lauftraining befindet, utopisch. Gar keine Chance haben Kießling, Hunt, Rolfes, Reinartz, Wollscheid, Holtby, Nico Müller und Neustädter.

 

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