Comeback beim FC Bayern München Holger Badstuber: Vom Opfer zum Helfer

Nach einem Jahr und 259 Tagen bestreitet Holger Badstuber sein erstes Pflichtspiel. Sein Tipp für Javi Martínez: "Er soll Geduld bewahren"

 

München - Die überschaubare Bayern-Kurve rief nach dem 4:1 im Pokal in Münster nur einen Namen. Keinen der Torschützen, keinen der Weltmeister, keinen der Neuen. Sondern: „Bad-stu-ber! Bad-stu-ber!“ Mehrmals winkte der 25-Jährige im weißen Trainingsanzug zurück. Eher schüchtern, zurückhaltend Aber glücklich. Doch man merkte ihm genau an: Wirklich feiern lassen wollte er sich nicht.

Zurück in die Normalität, in den stetigen Rhythmus des Fußballerlebens. Spiel, Bus, Flieger, Training, Bus, Flieger, Hotel. Spiel. Eintönig. Routine.

Für Badstuber bedeutet es: alles. Beim 4:1 der Bayern in der ersten Pokalrunde in Münster bestritt der Innenverteidiger sein erstes Pflichtspiel nach einem Jahr und 259 Tagen. Der erste von zwei Kreuzbandrissen, erlitten am 1. Dezember 2012, war weit, weit weg. Vergessen können wird er die Reha-Zeit nie. „Man wird geerdet“, sagte er auf der US-Tour. In Münster ging er bewusst recht nüchtern mit seinem ganz persönlichen Feiertag um. „Es hat riesig Spaß gemacht, ein Sieg ist rausgesprungen – ein guter Tag“, so sein Fazit. Mehr nicht? Nur ein wenig: „Es war schön, wieder auf dem Platz zu stehen. Für mich ist jedes Spiel eine super Einheit und tut mir gut. Aus jedem Spiel kann ich vieles mitnehmen. Ich weiß, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe.“ Zu 100 Prozent (Spiel-) Fitness. Zur völligen Selbstverständlichkeit. Zum Stammspieler unter Trainer Pep Guardiola.

Nach dem Kreuzbandriss von Javi Martínez setzt der Spanier nun auf Badstuber als linken Part der neuen Dreier-Abwehrkette. Auch für Guardiola war Münster eine emotionale Geschichte: „Im letzten Spiel hatten wir die schlimme Nachricht mit Javi, jetzt die schöne mit Badstuber. Ich freue mich für ihn.“ 78 Minuten hielt Badstuber als Nebenmann von Dante und Boateng durch, dann wurde er rausgenommen. Für den Bundesliga-Auftakt gegen Wolfsburg am Freitag scheint sein Platz sicher – doch danach? Die Bayern suchen einen weiteren Innenverteidiger, der heißeste Kandidat soll ein Marokkaner sein: Mehdi Benatia (27), Nationalspieler vom AS Rom mit Vertrag bis 2018 und daher teuer. Geschätzte Ablöse rund 30 Millionen Euro. Bis 1. September müsste der Deal über die Bühne gehen.

Was Badstuber ganz locker sieht. „Es ist normal, dass sich der Verein umsieht. Da werden tagtäglich viele Namen gehandelt – das gehört dazu.“ Auch das Selbstbewusstsein kehrt zurück. Es hat ihm gut getan, wie sich die Kollegen, die immer Kontakt hielten, gefreut haben über seine Rückkehr. Robben bezeichnet ihn als „Neuzugang“. Lahm lobt das Durchhaltevermögen des beinahe ewigen Patienten: „Das hat sich Holger erarbeitet in den letzten Monaten, er hat viele Rückschläge erlitten.“ Dante betont: „Es war nicht leicht für ihn, über eineinhalb Jahre weg zu sein – kein Mensch der Welt verdient so etwas.“ Also gehen sie behutsam mit Badstuber um: „Holger braucht Zeit“, sagt Robben, „die müssen wir ihm geben.“

Wie nun Martínez, der in Vail/Colorado operiert wird und einige Monate Reha vor sich hat. Badstuber kann sich gut in die aktuelle Gefühlswelt des Spaniers hineindenken. Und so sagt er: „Er soll Geduld bewahren, sich alle Zeit lassen. Javi hat super Voraussetzungen, dass er wieder zurückkommt. Er ist stark, er ist strong. Ich weiß: Es dauert seine Zeit, ich kann das gut einschätzen. Aber ich bin mir sicher: Javi kommt stärker zurück.“ So schnell wird man vom Opfer zum Helfer.

 

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