Coman an der Seite von Costa Bayern-Flügelduo: Coco ist (noch) nicht Robbery

Der selbsternannte Unterschiedmacher bei der Nachhilfestunde mit Pep Guardiola: Kingsley Coman. Foto: Rauchensteiner, Augenklick

Coman debütiert gegen den FCA an der Seite von Costa. Bayerns neue Flügelzange brilliert aber noch nicht wie Ribéry/Robben zu besten Zeiten. Der Holländer sieht noch keinen Generationswechsel.

München - Kingsley Coman stand gerade einmal 120 Sekunden auf dem Platz, da hatte Pep Guardiola schon genug gesehen. „Ich bin der Spieler, der den Unterschied macht – in jeder Minute“, hatte der 19 Jahre alte Neuzugang des FC Bayern bei seiner Vorstellung ja selbst angekündigt.

In den ersten beiden Pflichtspielminuten ist es ihm jedenfalls nicht gelungen, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Sich in der hochkarätigen Ansammlung der Münchner an internationalen Topspielern von den neuen Kollegen zu unterscheiden, ist ohnehin ein äußerst ambitioniertes.

Der Bayern-Trainer winkte den von Juventus Turin gekommenen Profi zu sich und erklärte ihm einmal eindringlich, was zu tun war. Der selbst ernannte Unterschiedmacher als Nachhilfeschüler bei Pep. Zwei Aktionen hatte der junge Franzose nach seiner Einwechslung in der 56. Minute da im Spiel gegen Augsburg erst hinter sich gebracht. Auffällig war dabei vor allem, dass es den Rechtsfuß von der rechten Außenbahn stets in die Mitte zog, wo er sich prompt einen Fehlpass leistete – direkt vor Peps Augen.

Nach der kleinen Lehrstunde für Coman an der Seitenlinie ließ Guardiola seine Flügelflitzer gleich mal die Seiten tauschen. Douglas Costa von links nach rechts, Coman von rechts nach links. Coco (Costa und Coman) als neues Bayern Dream-Team? „Das Spiel war viel im Strafraum, es gab keinen Raum in der Tiefe. Unsere Spielweise war sehr langsam. Da brauchen wir Spieler für die Linie, für die Seite“, erklärte Guardiola auf AZ-Nachfrage: „Wenn du das Spiel nicht breit machst, ist es unmöglich. Douglas und Kingsley helfen dabei, mehr Raum in der Mitte zu finden, für unsere anderen Spieler.“

Eine Rollenverteilung, die Coman nach Guardiolas Nachjustieren von Minute zu Minute besser ausfüllte. Der Mann mit der extravaganten Frisur – mit blond gefärbten Haaren samt Flechtzöpfchen – deutete sein Können und seine Schnelligkeit an. „Er braucht natürlich Eingewöhnungszeit, aber ich denke, man hat gesehen, dass er ein Dribbling gewinnen kann“, sagte Teamkollege Thomas Müller hinterher: „Wenn er Richtung Grundlinie gehen kann, wird es gefährlich.“ Coman und Costa wechselten gegen Augsburg immer wieder die Seiten und sorgten nach einer schwachen ersten Halbzeit tatsächlich dafür, dass das Bayern-Spiel weniger ausrechenbar war. Costa holte den umstrittenen Elfmeter (siehe Seite 25) heraus, der zum Siegtreffer führte.

Bayerns neue Flügelzange hat ihre erste knifflige Aufgabe also geknackt, zeigte aber auch: Coco ist (noch) nicht Robbery. Jene beiden Individualisten vermisst Guardiola auf den Außenbahnen derzeit schmerzlich. Ohne Franck Ribéry (Knöchelprobleme) muss er wohl noch mindestens bis Jahresende auskommen. Arjen Robben hofft, seine Adduktorenprobleme bis Mitte Oktober überwunden zu haben. „Ich brauche ihre Qualität“, sagt Guardiola, „aber es ist gut, dass wir jetzt eine Alternative haben.“

Nur eine Alternative oder schon mehr? "Bis zur Post-Robbery-Zeit dauert es hoffentlich noch ein bisschen", sagte Robben am Sonntag augenzwinkernd. Er spiele ja schließlich selbst noch. Trotzdem sei es "immer gut, wenn man in die Zukunft schaut. Es geht nicht um Einzelspieler, es geht um die Mannschaft", so Robben. Eins steht nach diesem Spieltag aber fest: Coco ist (noch) nicht Robbery.

 

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