Christen im Irak Die letzte Schlacht

Die islamischen Extremisten haben das Grab des Propheten Jona in die Luft gesprengt. Zivilisten sichern sich Trümmer als Andenken. Foto: dpa

Die Terrorgruppe Islamischer Staat rückt im Irak weiter vor - Kurden und Christen formieren sich zu einem finalen Kampf.

 

Hunderttausende Menschen sind im Irak auf der Flucht vor der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). Sie wissen: Wer den sunnitischen Extremisten in die Hände fällt, muss um sein Leben bangen.

Die Miliz beherrscht inzwischen große Teiles des Landes, in Syrien sogar ein Drittel der Fläche, rückt täglich weiter vor und erobert neue Gebiete, besetzt Ölquellen und räumt Waffenlager aus.

Längst haben sie die Grenze zwischen den beiden Staaten aufgelöst und ein „Islamisches Kalifat“ ausgerufen. Die Extremisten besitzen derzeit praktisch das, was Al-Kaida nie hatte: einen eigenen Staat.

Die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ berichtet, wie die Djihadisten die Häuser von Schiiten, Christen und Jesiden markieren. Viele Einwohner werden entweder sofort getötet oder gezwungen, vorher zum Islam zu konvertieren.

In den besetzten Gebieten wird die Scharia radikal und gnadenlos durchgesetzt. Frauen, die angeblich gegen Regeln verstoßen haben, wird öffentlich der Kopf mit stumpfen Messern abgeschnitten. Auch Kinder werden umgebracht – oder gezwungen, selber auf Gefangene zu schießen.

Wer kann, flieht. Die humanitäre Lage der Flüchtlinge im Norden des Iraks ist katastrophal. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass zahlreiche Menschen im Sindschar-Gebirge westlich der Stadt Mossul an den Folgen der Flucht gestorben sind. „Jede Stunde stirbt ein Mensch, weil Nahrung und Wasser fehlen“, sagt ein Augenzeuge.

Die Menschen leben in dem Gebirge im Freien. Sie haben bislang keine Hilfslieferungen bekommen. Laut dem Kinderhilfswerk Unicef sind Zehntausende Kinder mit ihren Familien in die Höhen geflohen und bräuchten dringend Hilfe.

Doch es gibt auch Widerstand gegen den IS: Kurdische Einheiten liefern sich heftige Gefechte mit den Extremisten. Die Peschmerga-Kämpfer wollen die Gebiete nördlich und westlich Mossuls zurückerobern, die die Terrorgruppe an sich gerissen hat.

Auch Christen werden von den Kurden beschützt. Inzwischen gibt es aber auch von ihnen Gegenwehr: Die 2500 Mann starke christliche „Brigade Babylon“ hat sich bewaffnet und ist nach eigenen Angaben bereit, ihre Heimat „bis zum bitteren Ende“ zu verteidigen, heißt es in der „Welt“.

Der Kämpfer, der vorneweg geht, trägt voller Stolz ein Bild des letzten Abendmahls. 

Wahrscheinlich wird es ihre letzte Schlacht.

 

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