Chef fürs neue IT-Referat Gegen das Computer-Chaos: Stadt sucht neuen Minister

Neuer IT-Chef für die Stadt. Foto: dapd

In den nächsten Tagen schreibt die Verwaltung den Chefposten fürs neue IT-Referat aus.

 

So einen Chefposten hat die Stadt nicht so oft mal zwischendurch zu vergeben: Ein fesches Büro an der Marsstraße, bis zu 1.500 Mitarbeiter, ein Jahresbudget von rund 200 Millionen Euro – und ein lukratives Salär von 112.000 Euro brutto jährlich, mindestens sechs Jahre lang.

So viel wird er als kommunaler "Beamter auf Zeit" in der Besoldungsgruppe B 6 verdienen: der Chef des neuen "Referats für Informations- und Telekommunikationstechnik" (IT), das die Stadt noch in diesem Jahr neu schaffen will. Damit hat München dann (neben den Großbehörden wie Schulreferat-, Sozialreferat, Kreisverwaltungs- oder Baureferat) ein insgesamt zwölftes Stadt-Ministerium – zuständig für Computerfragen.

In den nächsten Tagen wird die Stelle öffentlich ausgeschrieben. Das hat der Stadtrat jetzt beschlossen. Ein interessanter Job also – einerseits. Andererseits: Der neue Technik-Minister, der die Behörden Stadt mit allen wichtigen Informations- und Telekommunikationslösungen versorgen soll, hat eine Mammut-Aufgabe zu stemmen. Nach dem anhaltenden Chaos mit der städtischen Computertechnik wird es ohne Ärger kaum laufen.

Neuer Chef für neue Einheit

Zunächst mal: Der neue Chef soll die völlig zerstückelten IT-Abteilungen der Stadt zu einer neuen Einheit formen. Die Computerexperten sind noch auf diverse Häuser verteilt: Das städtische Tochterunternehmen it@m, das mit 556 Mitarbeitern im "IT-Rathaus" in Moosach sitzt, führt das operative Geschäft. Das "Strac" an der Marsstraße (54 Leute) kümmert sich um strategische Entscheidungen.

Und dann hat jedes Referat samt Außenstellen, die über die ganze Stadt verteilt sind, noch eigene kleine EDV-Abteilungen, die sogenannten "Dikas" (428 Mitarbeiter). Dazu kommen 200 Experten, die im Bildungsreferat für die EDV an den Schulen zuständig sind, und 333 Stellen, die laut Personalreferat noch unbesetzt sind.

Dieses Chaos soll der neue Referent so ordnen, dass eine zentrale Anlaufstelle für Technikfragen entsteht.

Schwieriger dürfte noch werden, die Rückkehr vom Betriebssystem Linux zu Microsoft vorzubereiten. In der Vergangenheit hatte die Stadt immer wieder mit Computerchaos zu kämpfen. Im KVR war schon mehrfach das System zusammengebrochen. Einmal war das Rathaus sogar für mehrere Tage vom Mailverkehr abgeschnitten. Bis Ende 2020 soll der neue Technik-Minister einen einheitlichen IT-Standard erarbeiten und die Computer so einrichten, dass es keine Probleme mehr gibt.

"Mehrjährige Managementqualitäten" und "IT-Fachkenntnisse"

Was der Neue mitbringen soll? Neben "mehrjährigen Managementqualitäten" und "IT-Fachkenntnissen" ist laut Stellenbeschreibung auch "Gender-Kompetenz" erwünscht. "Erfahrung in einer kommunalen Verwaltung" dagegen sei verzichtbar – darauf einigten sich die Stadträte einstimmig.

Der oder die Neue muss übrigens auch gleich noch den bisherigen IT-Werkleiter ersetzen, der demnächst in Rente geht. "Geeignet könnte zum Beispiel ein IT-Leiter einer großen Bank, einer Versicherung oder einer Unternehmensberatung sein", erklärt Personalreferent Alexander Dietrich auf Anfrage.

Die Verwaltung wird – erstmalig bei einer Referentenbesetzung – einen Headhunter auf die Suche nach einem Profi schicken. Die Bewerbungsfrist beim Direktorium läuft bis 19. Juni. Am Ende entscheidet der Stadtrat.  

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