Chat-Affäre Puerto Ricos Gouverneur tritt nach Massenprotesten zurück

Puerto-Ricaner verfolgen auf einem Smartphone eine Videoaufzeichnung, in der Gouverneur Rosselló seinen Rücktritt zum 2. August ankündigt. Foto: Dennis M. Rivera Pichardo/AP/dpa

Frühes Karriereende: Nach nur zwei Jahren im Amt wirft der erst 40-jährige Ricardo Rosselló das Handtuch. Vor den immer lauteren Protesten konnte er nicht mehr die Ohren verschließen.

 

San Juan - Nach zweiwöchigen Massenprotesten hat Puerto Ricos Gouverneur Ricardo Rosselló seinen Rücktritt ankündigt. Er werde sein Amt am Nachmittag des 2. August niederlegen, sagte der Regierungschef des karibischen US-Außengebietes in einem am Mittwochabend veröffentlichten Video.

Die Nachfolge werde Justizministerin Wanda Vázquez übernehmen. "Ich hoffe, dass diese Entscheidung als ein Aufruf zur Versöhnung unter den Bürgern dient, die wir so dringend brauchen, um voran zu kommen", sagte Rosselló.

Auslöser der Proteste war die Veröffentlichung von Nachrichten einer privaten Chat-Gruppe. Rosselló und elf Vertraute äußern sich darin abschätzig über mehrere Personen. Die Bemerkungen wurden als frauen- und schwulenfeindlich sowie respektlos gegenüber den zahlreichen Opfern des verheerenden Hurrikans María von 2017 empfunden.

Kurz zuvor hatte ein Korruptionsskandal die Insel erschüttert, in dessen Zuge unter anderem die bisherige Bildungsministerin Julia Keleher von der US-Bundespolizei FBI festgenommen wurde.

Vor Rossellós Residenz, einem historischen Gebäude in der Altstadt San Juans, hatten sich am Mittwoch erneut zahlreiche Demonstranten versammelt. Roselló hatte Puerto Rico den ganzen Tag in Atem gehalten, nachdem die Zeitung "El Nuevo Día" bereits am Dienstagabend gemeldet hatte, sein Rücktritt stehe kurz bevor. Mehrere Abgeordnete sagten im örtlichen Fernsehen, Rosselló habe sein Versprechen gebrochen, am Mittwoch um 17 Uhr zurückzutreten.

Der erst 40 Jahre alte Politiker und Sohn des früheren Gouverneurs Pedró Rosselló (1993-2001) regiert Puerto Rico seit Anfang 2017. Seit Ende vorvergangener Woche waren Tausende Bürger in San Juan und anderen Orten auf die Straße gegangen und hatten seinen Rücktritt gefordert.

Die größte Demonstration gab es am Montag mit geschätzt rund 500.000 Teilnehmern, darunter einige prominente Puerto Ricaner wie der Sänger Ricky Martin. Puerto Rico, das aus einer Hauptinsel und einigen kleinen Nebeninseln besteht, hat 3,2 Millionen Einwohner und ist etwa so groß wie Zypern.

Puerto Rico, das die USA 1898 im Krieg gegen Spanien besetzten, hat den Status eines mit den USA assoziierten Freistaats. Seine Bürger haben die US-Staatsangehörigkeit, dürfen aber nicht an der Präsidentenwahl teilnehmen. Die Delegierten Puerto Ricos haben im Kongress in Washington kein Stimmrecht.

2017 sprach sich die überwältigende Mehrheit der Bürger in einem Referendum für die Umwandlung in einen 51. Bundesstaat der Vereinigten Staaten aus. Es gibt derzeit aber keine Anzeichen, dass der US-Kongress das wirtschaftsschwache, spanischsprachige Gebiet aufnehmen wird.