Champions League Rostow gelingt Überraschung gegen schwache Bayern

, aktualisiert am 23.11.2016 - 21:34 Uhr
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Die Bayern verlieren mit 2:3 in Rostow und haben damit nur noch minimale Chancen auf den Gruppensieg in der Champions League.

 

Rostow/München - 41 Stunden dauerte der Trip der Bayern in den Süden Russlands, 2100 Kilometer Luftlinie - one way. Es wurde ein gebrauchter Ausflug in die 1,1-Millionen-Einwohner-Stadt, dem Tor zum Kaukasus.

Knackiger Frost, und noch mehr Frust. Mit 2:3 verloren die Bayern sensationell beim FK Rostow, dem Tabellen-Sechster der russischen Premier Liga. Die Treffer von Douglas Costa (35.) und Juan Bernat (52.) reichten nicht.

Zwei Pflichtspielpleiten hintereinander in einer Vorrunde gab es zuletzt 2004 unter Felix Magath. 0:1 in Dortmund, zuvor nur 1:1 gegen Hoffenheim, Tabellenführung an Aufsteiger Leipzig verloren - leise rieselt die Krise.

„Als FC Bayern muss man hier gewinnen. Egal bei welchen Temperaturen, egal wie der Platz war“, schimpfte Kapitän Philipp Lahm bei „Sky“ und kritisierte: „Aktuell sind wir etwas sorglos.“

Ohne fünf Stammspieler

Ein Arbeitssieg war das Ziel. Auch ohne fünf Stammspieler. Torhüter Manuel Neuer, Arturo Vidal (beide angeschlagen), Arjen Robben, Javi Martínez (beide im Rehatraining) und Kingsley Coman (verletzt) blieben in München.

Hätten zumindest Neuer und Vidal bei einem wirklich wichtigen Spiel dabei sein können? Dass Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge die Partie in Russland schon vor Anpfiff abwertete („Das wichtige Spiel diese Woche, das sage ich ohne jegliche Übertreibung, findet am Samstag gegen Leverkusen statt“) hat sicher einige Prozentpunkte Motivation gekostet.

Dazu die Europa-League-Atmosphäre im „Stadion Olimp-2“, mit nur knapp 15.000 Zuschauern. Bitter kalt war’s, ein eisiger Ost-Wind pfiff ins zugige Stadion. Minus fünf, gefühlt minus zehn Grad. Ungemütlich, aber auch das ist Champions League.

Costa schreibt Geschichte

Als „beste Mannschaft Europas“ hatte der Stadionsprecher die Bayern angekündigt. Trainer Carlo Ancelotti brachte gegenüber dem 0:1 beim BVB sechs Neue. Holger Badstuber etwa durfte Mats Hummels vertreten, Juan Bernat begann anstelle von David Alaba, Renato Sanches für Xabi Alonso. Dennoch gelang Douglas Costa die Führung (35.), sein erster Treffer in der Königsklasse diese Saison, - zugleich das 400. Bayern-Tor in der Champions League-Geschichte, also seit 1992 (zum Vergleich: Real Madrid 481).

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Eiskalt verwandelt. Dann der dicke Bock: ein schlimmer Fehlpass, ein Konter - das 1:1 durch Azmoun (44.). Die Bayern zu statisch, zu umständlich, fahrig. Rostows Poloz erhöhte nach Foul von Jérome Boateng per Elfmeter auf 2:1 (49.). Bernat glich noch zum 2:2 (52.) aus, der Siegtreffer fiel durch einen Freistoß von Noboa (67.). Neuers Stellvertreter Sven Ulreich ohne Chance. Fertig war die Blamage nach dem 5:0 im Hinspiel.

Ancelotti übernimmt Verantwortung

Stadt der fünf Meere wird Rostow genannt. Nach dem ersten Sieg von FK in deren Königsklassen-Historie auch Stadt der Bayern-Pleite. „Wir sind auseinandergebrochen. Die Tore sind zu einfach, da müssen wir als Mannschaft besser verteidigen“, moserte Boateng, später mit einer Muskelverletzung ausgewechselt, und Lahm sagte: „Krise ist vielleicht zu viel, aber wir müssen schnellstmöglich unsere Fehler abstellen. Wir wissen nicht, dass der Gegner auch Tore machen kann.“ Ehrlich?

Und Ancelotti? „Im Moment ist es schwierig für uns“, sagte er bedient. „Als Trainer muss ich die Verantwortung übernehmen und die Mannschaft so schnell wie möglich wieder in die Spur bringen.“ So ist es.

Der Bayern-Tross flog noch in der Nacht zurück nach München. Man ist nur noch Jäger - in Europa und in der Liga. „Ab Samstag wird es da zur Sache gehen,“ hatte Rummenigge mit Blick auf das Leverkusen-Spiel gesagt. Bayern muss liefern. und Ancelotti zeigen, dass er ein harter Hund sein kann.

 

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