Champions-League-Halbfinale Bayern-Pleite gegen Real: Depression, Trotz und Hoffnung

"Das sind Rückschläge, die man erst einmal verdauen muss", sagt Trainer Jupp Heynckes nach der 1:2-Heimpleite seiner Bayern um Ulreich, Wagner, Süle, James, Lewandowski und Thiago (v.l.) gegen Real Madrid. Foto: Andreas Gebert/dpa

Beim FC Bayern herrscht nach dem 1:2 daheim im Halbfinal-Hinspiel mal wieder Real-Kater. "Das tut so weh", sagt Kapitän Thomas Müller, "wir werden schauen, ob wir am Dienstag den Arsch in der Hose haben".

 

München - Am Tag danach tut's noch mehr weh. Die Bilder im Kopf, diese Gegentreffer, diese eigenen Chancen. Die ganzen Kommentare, die Postings. Ein schwerer Tag für die Bayern, mit depressiver Note.

Sie litten mal wieder unter dem Real-Kater, der diesmal noch dröhnender ausfällt, weil die Königlichen sich selbst nach ihrem 2:1-Erfolg im Halbfinal-Hinspiel der Champions League klein machten. "Das Ergebnis ist gut, mehr nicht", sagte Real-Spielmacher Toni Kroos, der "eine durchschnittliche Leistung" kritisierte. Und das "tut weh", so Bayern-Kapitän Thomas Müller. Die Erkenntnis des Abends lautet: Bayern braucht eine überdurchschnittliche, fast perfekte Leistung, um die Benchmark-Kicker aus Madrid zu besiegen. Der Titelverteidiger spielt solide – und gewinnt wieder.

Es fehlte das Schlachtenglück, ein Begriff, den Ottmar Hitzfeld prägte. Zwei verletzte Spieler mit Arjen Robben und Jérome Boateng früh ausgewechselt, später auch noch Javi Martínez. "Rückschläge, die man erst einmal verdauen muss", so Heynckes.

Dennoch drückte und drängte man gegen Real, ging durch Frechdachs Joshua Kimmich und seinen kecken Schuss in Führung. Aus dem Nichts der Ausgleich. Aus einem Patzer wie dem von Rafinha entsprang der Rückstand – 1:2. Kleinigkeiten als große Wirkungstreffer. Real nutzte Fehler, die "zwei Geschenke" (Heynckes) brutal und eiskalt aus, Bayern haderte. Den ersten der beiden Boxkämpfe gewannen die Münchner nach Punkten, es fehlte lediglich "der Killerinstinkt", wie Müller anmerkte. Unterm Strich schickten die Madrilenen die Bayern zwei Mal schmerzhaft auf die Bretter. "Wir haben Real leben lassen, das war naiv", analysierte Müller, "wir haben uns keinen Gefallen getan."

Weil man zu viele Chancen vergab. Vor allem Franck Ribéry erarbeitete und erspielte sich gute Gelegenheiten, doch im Abschluss fehlte der Schuss Weltklasse. Ein "5:2" war laut Innenverteidiger Niklas Süle, der Boateng glänzend vertrat, drin – ja sogar ein "7:2", wie Kimmich meinte. Wobei eher die Enttäuschung der Vater jener Gedanken war. "Die schießen zweimal aufs Tor und zweimal klingelt es. Das ist auch Qualität und wir haben genug Chancen und machen sie nicht", fasste es Kimmich treffender zusammen – auch wenn Real tatsächlich drei Großchancen hatte. Sven Ulreich parierte gegen Karim Benzema stark. (Weitere Stimmen zum Spiel finden Sie hier)

War es also fehlende Qualität oder Cleverness? Ein Mix, der zur bösen Erkenntnis führt, dass man seit dem Triple 2013 kein Finale der Königsklasse erreichen kann – und seit 2014 erneut an einem spanischen Kontrahenten scheitert.

Rückspiel in Madrid: Die Bayern sind heiß

Bayern geht angeknackst und angeschlagen ins Rückspiel am Dienstag ins Bernabeu. Aber ist es denn tatsächlich schon vorbei? "Es hat in der Kabine keiner gesagt: Scheiße wir sind raus. Alle haben gesagt, dass noch alles drin ist", berichtete Süle unverblümt. Und Kapitän Müller gab die trotzige Marschrichtung vor: "Wir werden uns aufrichten und dann schauen wir am Dienstag, ob wir den Arsch in der Hose haben." Was Heynckes selbstverständlich etwas gepflegter ausdrückte: "Wir geben uns nicht auf, haben in Madrid nichts zu verlieren, können viel freier aufspielen." Dabei allerdings ohne Boateng, Robben, Arturo Vidal und Kingsley Coman. Das Verletzungspech bleibt ein treuer Begleiter.

Reals Kapitän Sergio Ramos postete in der Nacht mit nacktem Oberkörper pathetisch: "Wissen, wie man leidet. Wissen, wie man gewinnt. Wissen, wie man Real Madrid ist. Es bleiben 90 Minuten. Vamos!" Man sieht sich. Bei Bayerns Operation Wunder. Nach einer Hinspiel-Niederlage im eigenen Stadion ist ihnen solch ein Coup vor 30 Jahren im Uefa-Cup-Achtelfinale gelungen. Erst 0:2, dann 3:1 bei Inter Mailand. Auf der Trainerbank saß: Jupp Heynckes.

 

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