BVB-Boss im Interview Watzke über das Missverständnis Götze, Hoeneß und Lahm

Watzke über Hoeneß: "Es war klar, dass er ohne diesen Verein nicht leben kann." Foto: dpa

Neben dem Duell auf dem Platz gab es zwischen Bayern und Dortmund auch immer das Duell der Bosse: Hoeneß gegen Watzke. Jetzt hat sich der BVB-Geschäftsführer über die bevorstehende Rückkehr des ehemaligen Bayern-Präsidenten geäußert und schlägt dabei überraschend milde Töne an. Auch beim Thema Götze gibt er sich kameradschaftlich.

 

Dortmund – Wenn Watzke redet, dann in der Regel Klartext. Auch im aktuellen Interview mit Sport1 nimmt der BVB-Geschäftsführer mal wieder kein Blatt vor den Mund. So sagt er beispielsweise über den ehemaligen Münchner Bastian Schweinsteiger, der gerade erst bei Manchester United von Coach José Mourinho aussortiert wurde: " Er sollte versuchen, sich etwas Neues zu suchen. Den Vertrag auszusitzen, wäre für so eine große Karriere katastrophal. [...] Er muss sich jetzt den nächsten Schritt sehr genau überlegen."

Weniger Zukunftssorgen macht sich Watzke über Bayern-Kapitän Philipp Lahm, dem nach seinem geplanten Karriereende 2018 Ambitionen auf einen Führungsposten beim FC Bayern nachgesagt werden: "Fakt ist, dass ich Philipp Lahm für einen sehr ausgeschlafenen Burschen halte. Er ist ein hervorragender Botschafter, der das viel beschworene Bayern-Gen in sich trägt. Bayern hat damit gute Erfahrungen gemacht. Ich sehe nichts, was dem im Wege stehen würde."

Watzke: Guardiola wollte Neymar, nicht Götze

Überhaupt fällt während des Interviews immer wieder auf, dass Watzke zwar nirgendwo um den heißen Brei herumredet, aber auch keine seiner berüchtigten Attacken gegen den FC Bayern fährt. Die Erklärung dafür liefert er gleich mit: "Das Verhältnis zu Bayern ist so gut wie schon ewig nicht mehr", sagt Hans-Joachim Watzke und bestätigt damit eine Einschätzung, die zuvor schon Karl-Heinz Rummenigge so geäußert hat.

Sogar in der Causa Götze nimmt Watzke den Ligakonkurrenten in Schutz und attestiert: "Den Bayern ist da überhaupt kein Vorwurf zu machen." Vielmehr habe es sich bei dem Transfer, der nun quasi Rückabgewickelt wurde, um ein gigantisches Missverständnis gehandelt: "Ich glaube, das eigentliche Problem ist, dass er mehr zum Trainer Guardiola wollte als zum Klub selbst." Als Götze dann gemerkt habe, dass Guardiola aber eigentlich Neymar wollte, sei es schon zu spät gewesen.

"Sie haben sich auf einem Niveau wie Real Madrid etabliert"

Dass Watzke demnächst bei den Bayern nicht mehr nur mit Rummenigge sprechen wird ("Wie er Bayern München geführt hat in der Phase, wo Uli Hoeneß weg war, war top"), sondern auch wieder mit Uli Hoeneß, ist für den BVB-Boss keineswegs überraschend. Eigentlich sei dies bereits unmittelbar vor Hoeneß' Haftantritt absehbar gewesen: "Er macht zwar viel spontan, aber dieser Satz 'Das war es noch nicht' war wohl überlegt."

Er selbst könne durchaus nachvollziehen, dass sich Hoeneß nach dem Gefängnisaufenthalt noch nicht zur Ruhe setzen will: "Am Ende war jedoch klar, dass er ohne diesen Verein nicht leben kann. Das ist bei mir nicht viel anders. Ich freue mich für ihn, weil das sein Lebensinhalt ist." Wie sehr sich die beiden Manager in diesem Punkt ähneln beschreibt Watzke dann noch sehr bildlich: "Ich werde mein ganzes Leben Borusse sein: Solange ich gehen kann oder transportfähig bin, werde ich mir jedes Spiel anschauen."

Lesen Sie auch: Kurioses Missgeschick - Uli Hoeneß verletzt sich beim Golfen

Dementsprechend hat Watzke auch viel Verständnis für den vor wenigen Tagen von Uli Hoeneß geäußerten Satz "Ich werde dem FC Bayern dienen, solange ich atmen kann". Allerdings würde er seinem Münchner Kollegen einen kleinen Zusatz empfehlen: "Er hätte eigentlich einen zweiten Satz hinzufügen sollen: 'Und solange die Leute wollen.'"

Und nachdem es nun schon auf oberster Vereinsebene zwischen den Bayern und Dortmund ungewöhnlich harmonisch verläuft, erwartet Watzke auch in der Liga keine echte Rivalität. Er sagt über die Bayern: "Sie haben sich auf einem Niveau wie Real Madrid etabliert. Demzufolge wäre es blödsinnig, zu sagen, dass wir Bayern München angreifen." Aber er warnt auch, dass der BVB bei der erstbesten Gelegenheit wieder attackieren wird: "Du solltest dann angreifen, wenn der Gegner eine Schwächeperiode hat."

Lesen Sie auch: FC Bayern als Meisterschaftsfavorit - und wer wird Zweiter?

 

16 Kommentare