Bundesweite Serie Bankräuber wollen Geldautomaten in die Luft jagen

Danach ist sogar der Gehweg vor der Volksbank in Pörnbach ein Trümmerfeld: Polizisten sichern inmitten der Glasscherben Spuren. Foto: dpa

Ganz schön dreist: Mitten in Neuhausen leiten zwei Männer Gas in den EC-Automat, um ihn zu sprengen – bundesweite Serie!

 

München -  Sie bedrohen keine Bankangestellten mehr und schieben auch keine Zettel mit „Geld her!“ über den Tresen. Eine neue Generation Bankräuber macht kurzen Prozess – indem sie mit brachialer Gewalt Geldautomaten einfach in die Luft sprengt.

Bereits seit einigen Jahren suchen Räuberbanden mit dieser Methode Bankfilialen in ganz Deutschland heim. 2015 wurden allein in NRW mehr als 60 Automaten zerstört. Ein Großteil dieser Täter reist nach Erkenntnissen der Polizei aus den Niederlanden an. 2014 zählte das Bundeskriminalamt bundesweit 116 Fälle. Die Täter erbeuteten Geldkasseten mit insgesamt mehreren Millionen Euro. Der angerichtete Schaden ist mindestens so hoch.

Bayern blieb von der Serie weitgehend verschont – bislang. Denn in der Nacht zum Donnerstag versuchten zwei Männer, einen Automaten in der Commerzbank am Rotkreuzplatz in die Luft zu jagen.

Im Schutz der Dunkelheit, gegen 3.40 Uhr, tauchten zwei Männer an der Filiale in Neuhausen auf. Während der eine draußen Schmiere stand, ging der zweite mit einer Gasflasche in den Vorraum. Dort bog er die Geldausgabeklappe eines Automaten nach oben und schob einen Schlauch hinein, um das Gas einzuleiten. Polizeisprecher Werner Kraus: „Ziel war, den Geldautomaten danach aufzusprengen.“

Doch die Polizei war schneller. Durch einen stillen Alarm am Automaten wurde sie verständigt. Noch bevor der Räuber das Gasgemisch zünden konnte, raste bereits die erste Streife heran. Den Räubern gelang es zwar zu flüchten, aber ohne Beute und ohne Explosion.

In München ist die dreiste Vorgehensweise bislang einzigartig. In Bayern gab es seit 2010 vier Sprengungen und sechs Versuche. Doch trotz der im Vergleich geringen Zahl ist der Schaden auch hier groß: Die Täter erbeuteten etwa 250 000 Euro. Der Sachschaden beträgt 300 000 Euro. 12 Verdächtige wurden seit 2010 in Bayern festgenommen.

Besonders spektakulär war ein Fall am 29. März 2011 im oberbayerischen Pörnbach (Kreis Pfaffenhofen/Ilm): Drei Männer verursachten mit militärischem Sprengstoff eine solch gewaltige Explosion, dass die Automaten und das gesamte Interieur der Bank zerstört worden. Der Schaden betrug fast 200 000 Euro. Die Täter flüchteten ohne Beute.

 

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