Bundeswehr Noch mehr Kriegsspiele

Bundeswehr unter Druck: Auch in der Kaserne Brannenburg sollen Kinder mit Waffen hantiert haben.

 

München/Brannenburg - Zwei Buben liegen am Boden, unter einem Tarnnetz. Sie zielen, der eine mit einem Sturmgewehr, der andern mit einem Maschinengewehr. Das Foto entstand aber nicht in Bad Reichenhall beim umstrittenen Tag der offenen Tür, sondern in der Karfeit-Kaserne Brannenburg im Jahr 2009.

Fotografiert hat es ein Mitglied des antifaschistischen Bündnisses Rabatz: „Die Fotos sind ein Beleg dafür, dass es keine Ausnahme ist, wenn Kinder bei Tagen der offenen Türen Waffen in die Hände bekommen“, sagt ein Sprecher des Bündnisses. Der Standort Brannenburg ist im Zuge des Bundeswehrreform aufgelöst worden.

In Bad Reichenhall hatten Kinder auf ein nachgebautes Miniaturdorf namens „Klein-Mitrovica“ zielen dürfen – für das kosovarische Mitrovica waren Gebirgsjäger bei einem KFOR-Einsatz zuständig gewesen (AZ berichtete).

Inzwischen kursiert im Internet außerdem ein Video, auf dem Kinder mit Handfeuerwaffen hantieren. Bundeswehr-intern gibt es eine Regelung, wonach bei Öffentlichkeitsveranstaltungen „Jugendlichen und Kindern unter 18 Jahren der Zugang zu Waffen verwehrt werden soll“, wie das Presse- und Informationszentrum des Heeres mitteilte.

Gestern standen die Vorkommnisse in Reichenhall auf der Tagesordnung des Verteidigungsausschusses in Berlin. Grünen-Politiker Omid Nouripour, Mitglied des Verteidigungsausschusses, fordert das „gesamte Register des Disziplinarkatalogs“ zu ziehen, auch Ausschuss-Mitglied Reinhard Brandl (CSU) verlangt, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Auch der Staatsanwalt beschäftigt sich mit der Kaserne Bad Reichenhall – es gibt zurzeit Vorermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und wegen Volksverhetzung. Allerdings will man sich erst nach der Sitzung des Verteidigungsausschusses äußern. Viel Druck für die Bundeswehr. Die versichert weiter, die Vorkommnisse umfassend aufklären zu wollen. ta

 

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