Bundestagswahl 2017 So wählt die Jugend: Stimme für Schönheit

Die FDP spielt im Wahlkampf mit den Reizen ihres Spitzenkandidaten Christian Lindner. Foto: dpa

"Wer ist der oder die Schönste im ganzen Land?" Junge Wähler achten bei ihrer Wahlentscheidung vor allem auf das äußere der Kandidaten, sagt ein Forscher. Die Gründe.

 

Bei vielen Jungwählern ist laut Forschern die körperliche Attraktivität von Politikern ein entscheidendes Kriterium. "Jungwähler bewerten Politik anhand ästhetischer Kategorien. Sie sind sehr stark Augenmenschen und wollen Erkenntnisse durch bildliche Wahrnehmung gewinnen", erklärt der österreichische Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier.

Bei einer repräsentativen Umfrage seines Meinungsforschungsinstituts "tfactory" im Vorfeld der Wahlen in Österreich habe sich die Macht der Optik bestätigt. "Die starke Verkörperlichung des Politischen hat einen neuen Idealtypus hervorgebracht: den Slim-Fit-Warrior."

"Sie beurteilen immer das, was oberflächlich wahrnehmbar ist"

In Österreich verkörperten die sichtbar fitten Spitzenkandidaten Christian Kern (SPÖ) und Sebastian Kurz (ÖVP) diesen Typus. Und in Deutschland derzeit vor allem einer: FDP-Chef Christian Lindner. "Sie symbolisieren den schlanken, neuen, liberalen, beweglichen, hochgradig individualisierten Kapitalismus", meint Heinzlmaier. Bei politischen Inhalten müssten die meisten Befragten passen, aber ob jemand modern und modisch sei, wüssten sie ganz genau, so der Forscher. "Sie beurteilen immer das, was oberflächlich wahrnehmbar ist."

Als "Mutter der Nation" habe Kanzlerin Angela Merkel eine Sonderrolle. "Mütter müssen nicht schön sein", sagt Forscher Bernhard Heinzlmaier.
Als "Mutter der Nation" habe Kanzlerin Angela Merkel eine Sonderrolle. "Mütter müssen nicht schön sein", sagt Forscher Bernhard Heinzlmaier. Foto: dpa

Der 30-jährige Kurz hat laut Umfrage die Nase bei den Jungwählern vorn. Sein Vorsprung vor dem 51-jährigen Kanzler sei in den Kategorien "Jugendlichkeit", "Modernität", "Durchsetzungsfähigkeit" deutlich. Dabei komme dem neuen ÖVP-Chef zugute, dass er alte Strukturen der Partei abgeschafft und sie als von ihm dominierte "Bewegung" neu aufgesetzt habe.

"Man muss in den Konflikt mit den Modernisierungsverhinderern in der eigenen Partei treten", so Heinzlmaier. Genau das verschaffe die Glaubwürdigkeit, verändern zu können. Insofern sei in Deutschland die einmütige Wahl von Martin Schulz zum SPD-Chef im März äußerst kritisch zu sehen. "Wenn man wie Martin Schulz 100 Prozent bekommt, ist das im Prinzip schon der Untergang."

Viele Jungwähler wünschen sich eine Expertenregierung

Kanzlerin Angela Merkel habe eine Sonderrolle. Merkel habe als "Mutter der Nation" nichts zu fürchten, so Heinzlmaier. "Mütter müssen nicht schön sein, damit sie geliebt werden."

Dass Jungwähler gerne bestimmte Typen und nicht Programme und Parteien wählten, zeige sich auch an einer weiteren Einstellung. 50 Prozent der Befragten bevorzugen laut Forscher eine Expertenregierung. Der klassische Politiker strahle nicht die sozial-kulturelle Empathie aus, um von jungen Menschen emotional angenommen zu werden.

 

9 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading