Bundestagswahl 2013 Jubel & Trauer: Die irren Bilder vom Wahlabend

Trauer bei der FDP - Jubel bei der Union: Die Bilder Foto: dpa

Triumph für Kanzlerin Angela Merkel und ihre Union - Schlappe für die FDP: Lesen Sie hier Stimmen und Reaktionen nach den Hochrechnungen.

 

Lesen Sie hier die Reaktionen auf die Prognosen und Hochrechnung nach Schöließung der Wahllokale:

Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hat sich hocherfreut über das Ergebnis der Union bei der Bundestagswahl gezeigt. „Das ist ein Superergebnis“, sagte die strahlende CDU-Chefin unter dem Jubel ihrer Anhänger. „Wir werden damit verantwortungsvoll und sorgsam umgehen.“ Neben den CDU-Mitgliedern bedankte sich Merkel besonders bei der CSU und ihrem Vorsitzenden Horst Seehofer vor die Unterstützung.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat sich enttäuscht gezeigt vom Abschneiden seiner Partei in den ersten Hochrechnungen nach der Bundestagswahl. „Ja, wir haben zugelegt, aber wir haben mehr erwartet, keine Frage“, sagte Gabriel in der ARD. „Die CDU/CSU haben einen großen Erfolg eingefahren. Wir gratulieren dazu.“

SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück will in der SPD weiter eine gewichtige Rolle spielen. „Ich bleibe an Deck der SPD. Ich fühle die Verantwortung nach wie vor.“ Insofern sei am Sonntag seine Rolle in der engeren Parteiführung nicht beendet. Ein Ministeramt in einer großen Koalition schloss Steinbrück erneut aus.

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hat den Ausgang der Bundestagswahl als großen Erfolg und „sensationelles Ergebnis“ für die Union bewertet. „Das ist ein großartiger Vertrauensbeweis der Wählerinnen und Wähler“, sagte Dobrindt im Bayerischen Fernsehen. Klarer Wahlverlierer seien die Grünen. Sie hätten die Hälfte ihrer Wähler verloren. Zum guten Abschneiden der eurokritischen Partei AfD sagte Dobrindt: „Das ist eher ein Problem der anderen Parteien, dass sie sich nicht ernst genug mit der AfD auseinandergesetzt haben.“

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich begeistert vom Wahlerfolg der Union gezeigt. „Das ist fantastisch. So deutlich über 40 Prozent, das haben wir seit über 20 Jahren nicht geschafft“, sagte die stellvertretende CDU-Vorsitzende in der ARD. „Wir hoffen sehr für die FDP, dass die Zahlen im Laufe des Abends noch steigen.“ Zu einer möglichen großen Koalition mit der SPD wollte sich von der Leyen nicht äußern. „Deutschland muss stark bleiben in Europa, das ist das Motto des Abends“, sagte sie.

Der Parteichef der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, hat nach den ersten Hochrechnungen von einem „ganz starken Ergebnis“ gesprochen. „Wir haben die Demokratie in Deutschland reicher gemacht“, sagte er am Sonntagabend vor jubelnden Anhängern in Berlin. Er hoffe auf den Einzug in den Bundestag. „Aber auch 4,9 Prozent wären ein großartiger Erfolg“, sagte er.

CDU-Vize Armin Laschet: „Die Deutschen wollen, dass Merkel vier Jahre weiter regiert“, sagte Laschet, der auch CDU-Chef in Nordrhein-Westfalen ist. Das Ergebnis sei „in erster Linie Anerkennung für die Arbeit von Angela Merkel“. Laschet lobte den zurückhaltenden Kurs der Parteivorsitzenden in den vergangenen Wochen ohne starke Angriffe auf den politischen Gegner: „Der Wahlkampf war richtig, die Themen waren richtig, und die Zukunftsidee war richtig.“

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles wollte nach dem Ausgang der Bundestagswahl am Sonntagabend in einer ersten Reaktion keine Koalitionsaussage treffen. Dies werde zuerst in den Gremien besprochen. Man habe sich sicherlich einen höheren Zuwachs gewünscht, sagte sie im ZDF. Nun sei die Gewinnerin der Wahl gefragt, CDU-Vorsitzende Kanzlerin Angela Merkel.

Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte in der ARD: „Wir haben einen klaren Auftrag der Wähler, die Regierung zu bilden.“ Das Ergebnis zeige, dass die Wähler wollten, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibe. Die Union freue sich riesig. Ein Ergebnis von mehr als 40 Prozent habe man für eine Volkspartei schon gar nicht mehr für erreichbar gehalten.

Der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann zeigte sich in einer ersten Reaktion enttäuscht. „Wir hatten mehr erhofft“, sagte Oppermann in der ARD. „Das ist kein Auftrag der Wähler, um Gespräche über die Regierung zu führen.“ Der Ball liege jetzt bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Sie hat die entsprechenden Gespräche zu führen.“

Von den baden-württembergischen Grünen kam harte Kritik am Kurs der Spitzenkandidaten Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt sowie der Parteispitze. Baden-Württembergs Verbraucherminister Alexander Bonde sagte am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur dpa: „Die Strategie der Bundesgrünen war falsch.“ Sie hätten im Wahlkampf nicht konsequent auf den erfolgreichen grünen Markenkern Energiewende und ökologisches Wirtschaften gesetzt. „Stattdessen hat man versucht, die SPD links zu überholen.“ Das habe Mittelstand und gesellschaftliche Mitte verunsichert und abgeschreckt.

Für den Grünen-Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour ist das Ergebnis für seine Partei „zutiefst enttäuschend“. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur weiter, dass es jetzt nicht um Koalitionsspekulationen wie etwa Schwarz-Grün gehe. Nötig sei zunächst eine Fehleranalyse. „Wir müssen dringend darüber reden, was wir falsch gemacht haben.“

Der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Christian Lindner sprach nach dem Ausgang der Bundestagswahl am Sonntagabend von der „bittersten Stunde für die Liberalen seit vielen Jahrzehnten“. Man habe in der Öffentlichkeit nicht überzeugt. „Da kann es ja überhaupt keinen Zweifel daran geben.“ Die FDP schafft es nach der ersten Hochrechnung nicht mehr in den Bundestag. Auf die Frage, ob die Partei jetzt auseinanderbricht, sagte Lindner, es gebe ausreichend liberales Wählerpotenzial. Das gelte es jetzt abzurufen.

Der eurokritische FDP-Finanzexperte Frank Schäffler forderte personelle Konsequenzen. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Montag) sagte der Bundestagsabgeordnete, die FDP müsse sich jetzt personell und inhaltlich neu ausrichten.

Baden-Württembergs FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke sagte: „Es ist sicherlich die größte Wahlniederlage in der Geschichte der FDP.“

Das CDU-Vorstandsmitglied Annegret Kramp-Karrenbauer schloss Verhandlungen mit den Grünen über eine mögliche Koalition nicht aus. „Es gilt der alte Grundsatz, dass alle demokratischen Parteien untereinander auch gesprächsbereit sein sollten“, sagte die saarländische Ministerpräsidentin. Es sei aber klar, dass sich die politischen Positionen von Union und Grünen im Wahlkampf „sehr weit auseinanderbewegt haben“. Die CDU werde in ihrer Vorstandssitzung am Montag intensiv darüber beraten, in welcher Konstellation das Ziel einer stabilen Regierung erreicht werden könne. „Die Menschen erwarten, dass Deutschland stark und stabil weiterregiert wird.“

Der FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke zeigte sich tief enttäuscht. „Es ist eine herbe Niederlage, da muss man gar nicht drumherumreden“, sagte Fricke der ARD. Jetzt schon nach einem Schuldigen zu suchen, sei aber falsch.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gratulierte im ZDF Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Wahlerfolg. Sie habe jetzt den Auftrag zur Regierungsbildung. Weil räumte ein, dass die SPD ein besseres Ergebnis nach dem engagierten Wahlkampf ihres Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück erwartet habe. Die Partei werde das Wahlergebnis in Ruhe analysieren.

Der Vorsitzende der Piratenpartei hat enttäuscht auf das schlechte Abschneiden der Piraten bei der Bundestagswahl reagiert. „Ich hatte mir ein besseres Ergebnis gewünscht“, sagte Parteichef Bernd Schlömer am Sonntag. Die Piratenpartei erhielt ersten Hochrechnungen zufolge lediglich 2,5 Prozent der Wählerstimmen. Es habe keine Wechselstimmung im Land gegeben, sagte Schlömer. Selbstkritisch merkte er an: „Wir müssen überlegen, wie wir unsere Positionen einfacher, verständlicher und klarer an die Bürger bringen.“ Seine Partei rief er auf, nach vorne zu blicken: „Die Piratenpartei wird weiter Politik machen und sie wird außerparlamentarisch für so viel Unruhe sorgen, dass wir in vier Jahren dabei sind.“ Andere Piraten verwiesen auf die Europawahlen im kommenden Frühjahr, bei denen die Partei punkten wolle.

Linke-Chef Bernd Riexinger hat SPD und Grünen im Wahlkampf taktische Fehler vorgeworfen. Beide Parteien hätten eine rot-rot-grüne Koalition ausgeschlossen und sich dadurch „freiwillig ins Gefängnis“ begeben, sagte Riexinger am Sonntagabend in der Runde der Spitzenkandidaten von ARD und ZDF. SPD und Grüne hätten dadurch einen Politikwechsel unmöglich gemacht.

 

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