Bundesliga-Zankapfel Videobeweis lässt noch auf sich warten

Schiedsrichter Knut Kircher nach dem falaschen Pfiff im Spiel FC Bayern gegen Augsburg (2:1): "Da lag er [der Schiedsrichterassistenz] falsch, da lag ich falsch, weil ich der Chef auf dem Feld bin. Das bringt dem FC Augsburg leider keine Punkte mehr, sorry, tut uns leid." Foto: GES/Augenklick

Die Rufe nach einem Videobeweis werden immer lauter. Die Einführung der nächsten Neuerung ist aber äußert schwierig. Ein Blick über den Tellerrand hinaus könnte helfen.

 

Frankfurt/Main - Felix Magath will ihn permanent und "sofort", Babak Rafati genügt schon der Test "für ein paar Monate" - die Einführung des Videobeweises bleibt aber weiterhin Zukunftsmusik.

"Die Diskussionen kommen immer wieder auf, wenn es eine klare Fehlentscheidung gibt. Aber man macht es sich zu einfach", sagte Hellmut Krug, Schiedsrichter-Manager der Deutschen Fußball Liga (DFL), am Dienstag.

"Wir befassen uns in dem Moment mit der Thematik, in dem die FIFA grünes Licht gibt." Aber das kann dauern. Zwar hatte in Joseph Blatter der scheidende Boss des Weltverbandes höchstpersönlich nach der Einführung der Torlinientechnologie im vergangenen Sommern noch gefordert, den "nächsten Schritt" zu gehen.

Doch die zuständigen Regelhüter des International Football Association Board (IFAB), die als eher konservativ gelten, hatten erst im Frühjahr Jahres einen Antrag des niederländischen Verbandes KNVB abgelehnt, einen Testlauf zu starten.

Jetzt unternimmt der brasilianische Verband CBF einen neuen Anlauf, um 2016 in der nationalen Liga den Videobeweis einführen zu dürfen. Aber noch ist Überzeugungsarbeit zu leisten. Der Entschluss über diese technische Unterstützung sei nämlich "die größte Entscheidung, seitdem Fußball gespielt wird", hatte FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke gesagt.

UEFA-Präsident Michel Platini meinte zudem: "Bald wird eine Drohne anstelle des Schiedsrichters zum Einsatz kommen. Der Videobeweis wird das Ende des Fußballs sein." Weil es dazu freilich nicht kommen darf, benötige man laut IFAB "noch deutlich mehr Informationen", um ein solches Experiment zu wagen.

Ähnlich sieht es Krug. Der viermalige Schiedsrichter des Jahres ist der Meinung, dass es nicht damit getan ist, "einen Referee vor den Bildschirm zu setzen." Es gäbe "viele offene Fragen", die bis heute "nicht abschließend geklärt" seien.

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Vielleicht sollten die Beteiligten aber auch über den Tellerrand blicken und wahrnehmen, dass bei anderen Sportarten der Videobeweis bereits gängige Praxis ist. Beim Eishockey beispielsweise, auch wenn dort nur über Tor oder kein Tor entschieden wird.

Oder in der Football-Profiliga NFL, in der die Trainer pro Halbzeit zweimal eine Entscheidung des Referees anfechten dürfen. Ähnlich verhält es sich beim Hockey, wo Schiedsrichter Christian Blasch in der FAZ den Videobeweis als "größte Hilfe" bezeichnete: "Es nimmt dir absolut den Druck weg."

Auch deshalb befürwortet genau diese Vorgehensweise der ehemalige FIFA-Referee Markus Merk. "3x2-Regel" könnte seine Idee heißen, denn: "Beide Teams und das Schiedsrichter-Gespann sollen zweimal pro Spiel ihr Veto gegen Entscheidungen einlegen dürfen", sagte Merk bei "Sky".

Aber natürlich nur, "wenn ein Anlass besteht. Der Videoschiedsrichter darf nicht bei allen Eventualitäten eingreifen", forderte Merk. Und: "Ein technisches Hilfsmittel darf nicht zum taktischen Hilfsmittel werden."

Ob technisch oder taktisch genutzt - spätestens nach der krassen Fehlentscheidung von Referee Knut Kircher im Bundesliga-Spiel zwischen Rekordmeister FC Bayern und dem FC Augsburg (2:1) sind die Rufe nach der Einführung des Videobeweises wieder lauter geworden.

"Er kann nicht schaden. Man kann es nach ein paar Monaten wieder einstellen, wenn es nichts bringt", sagte Ex-Schiedsrichter Rafati (45) dem Nachrichtenportal t-online.de. Und da es laut Rafati "mittlerweile um so viele Millionen" geht und die Korrekturen eines "Oberschiedsrichters" die Autorität des Referees "auch nicht untergraben" würden, will der frühere Meistertrainer Felix Magath "einen Fernseh-Schiri - sofort!"

Magath glaubt auch nicht, dass dadurch der Spielfluss gestört werden könnte. In einer Zeitungskolumne schrieb der 62-Jährige: "Es braucht nur zehn Sekunden. Genug, um es richtig einzuordnen und zu entscheiden. Zehn Sekunden, und man hat genug gesehen."

 

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