Bürgerinitiative in Krailling "Schabernack" vor dem Aus: Bürger kämpfen für Kult-Kneipe

Musikkneipen wie das "Schabernack" in Krailling sind selten geworden - erst recht im Würmtal. Foto: dpa

Die Kult-Kneipe in einem 234 Jahre alten Haus in Krailling soll abgerissen werden. Eine Bürgerinitiative will das Schabernack erhalten - und hat dafür sogar ein Lied geschrieben.

 

Krailling - „Das Lied!“, fordern die Gäste der Musikkneipe „Schabernack“ seit zwei Wochen allabendlich lautstark. Dann wird gesungen und getanzt. Obwohl der Hintergrund ernst und wenig fröhlich ist.

Das 234 Jahre alte Haus in der Kraillinger Margaretenstraße soll nämlich abgerissen werden. Eigentlich schon Ende des Jahres, das wäre das Aus fürs Kult-Lokal und die Bewohner, die in dem Anwesen leben.

Der Hintergrund: Vor einem knappen Jahr hat Wirt Klaus Paulus seinen Pachtvertrag aus „privaten und gesundheitlichen Gründen“ gekündigt.

Seitdem wurden händeringend Nachfolger für die Gaststätte gesucht, in der unter anderen Christoph Süß mit Band, Nepo Fitz, Stoppok und Abi Wallenstein aufgetreten sind. Die Kneipe hat auch international einen guten Ruf als Musikbühne.

Der Schock vor drei Wochen: Der 77-jährige Eigentümer Gottfried Hansjakob, Landschaftsarchitekt, möchte das alte Gebäude – gleich in der Nachbarschaft des Hauses, in dem 2011 die Kraillinger Mädchen Sharon und Chiara getötet worden sind – abreißen lassen und stattdessen Doppelhaushälften errichten.

Denkmalgeschützt ist es nicht. Der Brandschutz sei nicht gewährleistet, der Dachstuhl marode.

Das trieb Anhänger der Kneipe, aber auch Denkmalpfleger auf die Barrikaden. „Schabernack erhalten = Ortsbild und Kultur erhalten“ – die Initiative zur Rettung des geschichtsträchtigen Ensembles war schnell gegründet, nach nur wenigen Tagen gab es ein Krisengespräch mit der Bürgermeisterin der Gemeinde, Christine Borst.

Über hundert Kraillinger kamen, um teils rührend, teils sentimental, aber auch ganz abgeklärt für den Erhalt des „Schabernack“ und des alten Gemäuers zu kämpfen.

Manche haben angeboten, den Dachstuhl selbst zu erneuern und auch andere Reparaturen zu machen. Die Bürgermeisterin war beeindruckt „von so viel Herzblut“.

Seitdem tragen viele im Ort das Shirt mit dem Logo „Rettet das Schabernack“, schon mehr als 1200 Unterschriften hat die Initiative gesammelt. Hinter der Aktion stehen Menschen zwischen sieben und 87 Jahren, selbst solche, die das Lokal nur von außen kennen. Aber auch sie wollen das markante Gebäude, ein ehemaliges Bauernhaus, behalten und schützen.

Und jetzt zum „Lied“: Am vergangenen Sonntag war Video-Dreh vor und hinter dem Lokal. Mehr als 50 Leute, viele mit ihren Kindern, haben mitgemacht. Auch dabei: Schauspieler Götz Otto. Er wohnt gleich ums Eck.

„Ich habe vier Kinder. Eigentlich möchte ich nicht, dass sie in irgendwelche Clubs nach München fahren. So etwas wie das ,Schabernack', wo sich Jugendliche und Ältere treffen, gibt es im ganzen Würmtal nicht mehr.“

Um das Gebäude samt Lokal zu erhalten, wird es am 26.März einen „Runden Tisch“ im Kraillinger Rathaus geben. Hauseigentümer Gottfried Hansjakob will mit dabei sein, um sich die Lösungsvorschläge für sein Anwesen anzuhören. Und wie man hört, ist er jetzt schon „gerührt“ über die Rettungsaktionen.

Zurück zum „Lied“: Getextet hat es Wirt und Musiker Klaus Paulus zum Song von Bruce Low „Das alte Haus von Rocky Docky“. Seit Mittwochabend ist das Video dazu auf Youtube unter „Schabernack Haushymne“. Im Lokal wird der Song allabendlich gespielt – und bejubelt.

 

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