Bürger löchern CSU-Chef Flüchtlinge, Europa, Trump - Seehofer in Redelaune

Zu welchen Themen Seehofer etwas sagt, hängt komplett von den Fragen der Bürger ab. Foto: Sven Hoppe/dpa

In gemütlicher Runde können rund 200 Bürger Ministerpräsident Seehofer mit Fragen löchern. Der schweift in lange Monologe ab - und stellt ein Thema immer wieder in den Mittelpunkt.

 

München (dpa/lby) - Horst Seehofer steht in der Mitte der Kantine der CSU-Zentrale, um ihn herum mehr als 200 meist ältere Gäste. Eine knackige Stunde voller Bürgerfragen wurde ihnen vor der Ankunft des Ministerpräsidenten versprochen. Mitten unter den Bürgern soll Seehofer beantworten, was seinen Gästen auf dem Herzen liegt. Doch der CSU-Vorsitzende ist redselig gestimmt, der Entertainer des Abends will einiges loswerden. Schon auf die erste Frage folgt ein längerer Monolog - es geht um die Flüchtlingspolitik.

Bayern sei ein weltoffenes Land, aber Integration funktioniere eben nur durch eine Begrenzung der Zuwanderung, sagt er. Seehofer fordert zudem einen stärkeren Schutz der EU-Außengrenzen, um schon dort die Asylverfahren durchzuführen. "Dort müssen die Beamten sitzen, die Richter, die Ärzte, die Dolmetscher. Um an der Grenze zu entscheiden, ob jemand schutzbedürftig ist oder nicht", erklärt der Parteichef. Seehofer hat das alles schon einmal irgendwann irgendwo gesagt - bei seinen Gästen kommt es weiterhin an. Es sind nur wenige gekommen, die ihre Stimme bei der Bundestagswahl nicht der CSU geben wollen. Doch die Flüchtlingspolitik ist nicht das einzige Thema, für das sich die Bürger interessieren. Wie steht Seehofer zu Volksabstimmungen auf Bundesebene? Wird die CSU für ein Digitalisierungsministerium in Berlin sorgen? Und wird der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) neuer Bundesinnenminister?

Die Antworten lassen sich schneller zusammenfassen als Seehofer das an diesem Abend macht: Volksabstimmungen auf Bundesebene sollen nach dessen Ansicht unbedingt eingeführt werden - und zwar zu den großen Europa-Themen. Als Beispiel nennt er die Frage "Braucht es in Europa einen eigenen Finanzminister". Ein Ministerium für Digitalisierung sei bitter nötig: "Wenn wir hier nicht in der Weltspitze dabei sind, dann werden wir den Wohlstand, den wir in Bayern haben, nicht beibehalten." Und ja, "wenn es die Möglichkeiten erlauben", sei Herrmann ein guter Kandidat für das Bundesinnenministerium.

Als sich die Fragerunde dann doch immer wieder um das Allzeit-Thema Flüchtlingspolitik dreht, sorgt Moderator und Bayernkurier-Chefredakteur Marc Sauber dafür, dass auch weitere wichtige CSU-Themen angesprochen werden. "Magst was zu Europa fragen?", bittet er einen Mann, der sich gerade gemeldet hat - bisher wollte zu Europa noch niemand allzu viel wissen. Als sich Seehofer bereits verabschieden will, bringt Sauber noch schnell das Thema Familien ins Gespräch - und Seehofer referiert fleißig aus dem CSU-Programm.

Erst, als der Ministerpräsident noch etwas zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump sagt, werden alle Gäste wieder hellhörig. "Ich habe zu vielem, was Trump da von sich gibt, mindestens eine gleich kritische Meinung wie sie", sagt er. "Aber ich möchte vermeiden, dass wir in einen plumpen Anti-Amerikanismus abdriften." In der CSU-Zentrale erhält er dafür viel Applaus.

 

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