Buchhandlung Der Basis bricht die Basis weg

Lenin wacht über die Rabattaktion: Die Buchhandlung Basis in der Maxvorstadt lockt mit Sonderangeboten. Foto: Petra Schramek

Die linke, 1972 gegründete Buchhandlung in der Adalbertstraße kämpft ums Überleben: Der Umsatz ist dramatisch eingebrochen. Jetzt sollen neue Konzepte her – und junge Leute mit Ideen.

 

München - Marx steht neben Scholl-Latour, Nietzsche neben Mao. Bis unter die Decke des kleinen Ladens, selbst auf den Treppenstufen zum Hinterzimmer, stapeln sich Bücher. Manche wurden wohl seit Jahren nicht mehr aus dem Regal geholt. In der Leseecke auf dem Fenstersims liegen Flugblätter gegen Atomkraft und Globalisierung. Beim Stöbern in den endlosen Regalmetern verliert man jegliches Zeitgefühl.

Walter Vöhringer (64), einer der fünf Betreiber der Buchhandlung Basis, sitzt im Tweed-Sakko hinterm Schreibtisch, der zugleich als Kasse dient. Trotz der riesigen Bestände weiß er sofort, ob ein Buch vorrätig ist.

1972 wurde der Laden im Zuge der Studentenbewegung eröffnet. Eine linke Buchhandlung für politisch Interessierte. Eine Institution, ein Stück Zeitgeschichte, das jetzt ums Überleben kämpft.

Seit zehn Jahren ist das Geschäft rückläufig. „Früher hatten wir einen durchschnittlichen Umsatz von 2000 Mark am Tag, heute sind es 150 Euro“, seufzt Vöhringer. Seit einiger Zeit haben sich die Betreiber keine Gehälter mehr ausgezahlt, arbeiten quasi ehrenamtlich. „Das können wir nicht ewig so weitermachen“, sagt Vöhringer. „Im schlimmsten Fall müssen wir zusperren.“

Mit dem Slogan „Kein Geld, keine Basis - Basis-Buchhandlung in Not“, versuchen die Inhaber, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Eine Rabattaktion soll Geld aus den Regalen in die Kassen spülen.

Man will Zeit gewinnen, um sich neue Konzepte zu überlegen. Eine Idee wäre, den Laden erst ab Mittag zu öffnen. „Vielleicht sind wir auch einfach überaltert und es muss ein neues junges Team mit neuen Ideen her“, sinniert Vöhringer. Schon lange versuchen die Betreiber zu sparen, verzichten auf Aushilfskräfte und schmeißen den Laden selbst. Immerhin müssen zwei von ihnen vom Geschäft leben, die anderen sind Rentner oder haben noch andere Jobs.

Vor allem das Internet macht dem Laden zu schaffen. Die Kundschaft holt sich ihre Infos aus dem Netz und kauft die Bücher auch gleich dort. „Wenn ich einem Kunden anbiete, ein Buch zu bestellen, dann höre ich, das könne er auch selbst“, sagt Vöhringer. Manchmal ist er sich nicht mehr sicher, ob Buchhandlungen wie die Basis noch eine Zukunft haben.

 

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