Brutaler Raubüberfall von Meiling "Froschbande" vor Gericht: "Das war eine Dummheit"

Der Prozess um den Raubmord von Meiling hat begonnen. Einem Angeklagten der "Froschbande" genannten Einbrechergruppe werden zu Beginn des Prozesses im Sitzungssaal vom Landgericht München II die Handschellen abgenommen. Foto: dpa

Die Einbrecherbande soll 2015 einen Mann und dessen Frau in ihrem Haus überfallen, schwer verletzt und in eine Besenkammer gesperrt haben. Der Mann starb, die Frau wurde nach Tagen von einem Zeitungsboten gefunden. Am Dienstag ist der Prozess gegen die "Froschbande" gestartet.

 

München - Sever D. (51) kann durchaus emotional werden – wenn es um seine eigenen Leiden geht. In der Haftanstalt Stein in Österreich, wo er wegen anderer Straftaten einsitzt, habe er lange keinen Arzt sehen dürfen, erzählt er am Landgericht mit bebender Stimme.

"Erst, als ich am Boden lag", sagt er, mit Herzinfarkt, habe man sich um ihn gekümmert. Anders, fast lapidar klingt es hingegen, wenn er über die Tat spricht, die man ihm und seinen sieben Mitangeklagten vorwirft. "Gott hat mir elf Kinder geschenkt. Ich konnte ihnen leider nicht das bieten, was ich wollte. Wegen einer Dummheit bin ich jetzt hier."

Raubmord war Teil einer Serie

Eine Dummheit, so nennt Sever D. die Tat vom 4. September 2015. Die Staatsanwaltschaft nennt sie Mord, versuchten Mord und Raub mit Todesfolge. Im September 2015, so die Anklage, sollen Sever D. zusammen mit seinen Komplizen das Ehepaar Markus († 72) und Irmgard K. (damals 68) in ihrem Haus in Meiling (Landkreis Starnberg) überfallen haben.

Der Raub sei Teil einer längeren Serie gewesen. Immer hätten es die Männer, denen Ermittler wegen ihrer gedrungenen Statur den Spitznamen "Froschbande" gegeben hatten, auf abgelegene Grundstücke mit betagten Bewohnern abgesehen. Sie hätten an deren Wertsachen gewollt – und dabei möglichst wenig Gegenwehr in Kauf nehmen wollen.

So auch am 4. September 2015. Schon am frühen Abend, so haben es Ermittler rekonstruiert, soll George I. bei den K.s unter dem Vorwand an der Tür geklingelt haben, eine Autopanne zu haben. Ob er Wasser haben könnte. Markus K. kam dem Wunsch nach, I. verschwand wieder.

Nach Einbruch der Dunkelheit, Irmgard K. war schon Schlafen gegangen, lauerten Mihai C. (55), Gheorghe C. (49), Andrei G. (24), und Alin-Mihai M. (35) dem arglosen Markus K. auf, als er auf seiner Terrasse gerade eine Zigarette rauchte.

Über 4.000 Euro Beute

Mit Holzlatten, einem Schaufelstiel und einer Eisenstange prügelten die vier Männer auf den 72-Jährigen ein. Sever D., der sich gestern vor Gericht so bitterlich darüber beschwert, wie man ihn behandelt hat, soll, so die Ankläger, Markus K. dabei mit Wucht zu Boden geworfen haben.

Während ein Teil der Gruppe Markus K. verprügelte, suchten die anderen nach Irmgard K., weckten sie und zwangen sie, ihnen Wertgegenstände auszuhändigen. Auch sie wurde gegen die Brust, den Bauch und die Oberschenkel getreten. Die "Froschbande" fand Geld, eine Uhr und Schmuck.

Auf 4.535 Euro beziffert die Staatsanwaltschaft die Beute. Markus und Irmgard K. wurden in eine Besenkammer gesperrt, Markus K. erlag dort seinen Verletzungen, Irmgard K. musste fast drei Tage neben ihrem toten Mann ausharren, bis sie ein Paketbote, der ihr Wimmern vernommen hatte, schließlich fand.

Es ist eine Tat, die in Meiling tiefe Spuren hinterlassen hat. Markus K. war Mesner und bekannt im Ort. Irmgard K. ist bei dem Prozess Nebenklägerin, auch sie wird noch aussagen müssen und damit ihren mutmaßlichen Peinigern gegenübertreten. Die sitzen beim Prozessbeginn gestern recht teilnahmslos da. Die Verhandlung beginnt schleppend, die Kammer müht sich an den Biografien der acht Angeklagten ab. Recht rasch ergibt sich ein Bild von zerstückelten Lebensläufen.

"Ich habe in meinem ganzen Leben acht Monate gearbeitet"

Auf der Anklagebank sitzen drei Brüder, alle geboren in Bocsa in Westrumänien, eine Stadt, die der Zusammenbruch des Kommunismus hart getroffen hat. Die fünf anderen Angeklagten stammen aus derselben Region. Manche haben einen Beruf gelernt, Tischler, Schweißer, Alin-Mihai M. beispielsweise sagt auch nur lapidar, er habe keinen Beruf: "Ich habe in meinem ganzen Leben acht Monate gearbeitet."

Gelegenheitsarbeit, Gefängnis in Rumänien, Bewährungsstrafen in Frankreich und Italien, dann dort wieder ein Job, so zieht sich das durch die Biografien. "Wer gerade keine Arbeit hatte, der ging halt zum Stehlen", sagt Alin-Mihai M. Lapidar klingt das. Der Tod von Markus K. war alles andere als das.

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