Bruno Reichart Worktime bis zur totalen Erschöpfung

Haben Sie auch eine Frage an Herzchirurg Prof. Dr. Bruno Reichart? Schreiben Sie an medizin@abendzeitung.de Foto: Gregor Feindt

Herzchirurg Bruno Reichart schreibt die wöchentliche Gesundheits-Kolumne in der AZ. Diesmal: Hinter dem Burnout stecken sehr häufig Grunderkrankungen.

 

Der große Dramatiker Shakespeare, der soeben seinen 450. Geburtstag feierte, umschrieb den Burnout so: „Die Zeit ist aus den Fugen“ (Hamlet). Ende des 19. Jahrhunderts wurden chronische Erschöpfungszustände unter Nervenschwäche eingeordnet, damals gab man dem Tempo die Schuld: zu schnelle Züge, täglich erscheinende Zeitungen. In den 50er Jahren sprach man von der „Managerkrankheit“, heute klagen viele Menschen über „Burnout“, und immer ist die sich zu schnell verändernde Welt Schuld.

Ich finde es merkwürdig, dass es nach über 100 Jahren keine ernsthaft wissenschaftlichen Studien dazu gibt. „Burnout Machine“ heißt die Installation in einer Ausstellung, die im Kunstbau des Lenbachhauses läuft. Es ist ein Bürostuhl, auf dem eine unsichtbare Person sitzt, die vom Besucher mühsam per Handkurbel in die Höhe geschraubt werden kann. Bis plötzlich ganz oben die Kontrolle verloren geht und der Stuhl wieder herabrauscht.

Der Titel der Schau – „Playtime“, nach dem Filmklassiker von Jaques Tati, in dem die ersten Großraum-Büros vorkommen – führt in die Irre. Es geht bei den Exponaten, vor allem den Videos, eher um „Worktime“. Darum, wie der Mensch heute mit den Veränderungen seiner Arbeitswelt fertig wird. Nicht mehr die stumpfsinnige Arbeit an den Maschinen oder die schwere körperliche Belastung sind die Probleme, sondern der immer stärker werdende Druck durch eine Betriebsumgebung, in der einzig die Leistung zählt. Der Gewinnzuwachs, der mit minimalem Einsatz an Kosten erzielt werden muss.

Das Rad dreht sich immer schneller, bis es bricht – bis die totale Erschöpfung eintritt. Was man aber wissen muss: Hinter dem Burnout stecken sehr häufig Grunderkrankungen wie zum Beispiel Depression oder Diabetes. Helfen können nur deren Behandlung in Verbindung mit einer Verhaltenstherapie – und eine Veränderung des Arbeitsumfelds.

Haben auch Sie Fragen an unseren Kolumnisten Prof. Dr. Bruno Reichart? E-Mail genügt an: medizin@abendzeitung.de

 

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