Bruno Reichart Nötig sind Kontrolle und ein Bekenntnis

Haben Sie auch eine Frage an Herzchirurg Prof. Dr. Bruno Reichart? Schreiben Sie an medizin@abendzeitung.de Foto: Gregor Feindt

Herzchirurg Bruno Reichart schreibt die Gesundheits-Kolumne in der AZ. Diesmal: Über die Kontrolle der Transplantations-Wartelisten

 

Seit Jahresbeginn gehöre ich der „Prüf- und Überwachungskommission“ der Bundesärztekammer an. Mit einer Gruppe von Kollegen fahre ich zu den Transplantationskliniken in Deutschland und überprüfe vor Ort, ob es mit der Reihenfolge der Patienten auf der Warteliste seine Richtigkeit hat. Unsere Gruppe kontrolliert die Häuser, in den Herz- und Lungen-Verpflanzungen durchgeführt werden. Es geht vor allem um die Patienten, die auf der Dringlichkeitsskala ganz oben auf HU (High Urgency) stehen, weil es ihnen am schlechtesten geht. Ist alles seinen korrekten Weg gegangen, dann werden wir im Fall der Herzkranken diese auf der Intensivstation der Klinik vorfinden – was eine der Voraussetzungen für die vorderen Plätze der Warteliste ist.

Der Einsatz der Kommissionen tut dringend not: Seit Bekanntwerden des sogenannten Transplantationsskandals ist die Bereitschaft der Bevölkerung, ein Organ zu spenden, auf ein Rekordtief gesunken. Auch die Kollegen in den Krankenhäusern haben in den letzten Monaten kaum noch mögliche Organspender gemeldet. Nur noch 12,5 Spender pro einer Million Einwohner wurden gezählt – selbst in „guten“ Zeiten mit 16 Spendern lagen die Deutschen noch weit hinter zum Beispiel den Spaniern oder Amerikanern mit über 30 zurück. Nun also der absolute Tiefstand, den ich als Katastrophe empfinde.

Welch eine furchtbare Situation für die vielen Schwerkranken im Land, deren Leben durch ein gespendetes Organ wie Herz, Lunge oder Leber gerettet oder durch eine Niere entscheidend verbessert werden könnte! Für mich sind dies unschuldige Opfer, die leiden müssen unter den Manipulationen einzelner – zum Teil bereits bestrafter – Ärzte. Darum meine dringende Bitte: Bekennen Sie sich (wieder) zum Gedanken der Organspende! Und an die Kollegen: Nehmen Sie die Kooperation mit den Transplantationskliniken wieder auf!

 

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