Bruno Reichart Neuer Einsatz für Herzschrittmacher

Haben Sie auch eine Frage an Herzchirurg Prof. Dr. Bruno Reichart? Schreiben Sie an medizin@abendzeitung.de Foto: Gregor Feindt

Herzchirurg Bruno Reichart schreibt die wöchentliche Gesundheits-Kolumne in der AZ. Diesmal: Eine neue Methode, mit der ein Herzschrittmacher Leben retten kann.

 

Herzinsuffizienz gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei Menschen im Alter. Die Anzeichen sind Atemnot bei geringen Anstrengungen (mitunter auch in Ruhe), geschwollene Beine, unregelmäßiger Herzschlag, Druck auf der Brust bis hin zu Angina-Pectoris-Schmerzen. Schlafen ist nur noch mit mehreren Kissen und aufrechtem Oberkörper möglich. Als Ursache der Herzinsuffizienz ist die Pumpfunktion der linken Herzhälfte eingeschränkt, auf mindestens 50 Prozent vom Normalwert.

Es gibt eine große Auswahl an Medikamenten für diese Patienten, die damit in der Regel gut zurechtkommen. Ausnahmen sind Kranke mit einem Linksschenkelblock. Zur Erklärung: Im gesunden Zustand schlägt das Herz regelmäßig; über eine Art „elektrischer Leitung“ kommt es zu gleichmäßigen (synchronen) Kontraktionen vom oberen Teil des Muskels bis hin zur Spitze. Wenn das linke Herz jedoch nicht regelrecht funktioniert, weil der Teil der linksseitigen Reizleitung geblockt (verzögert) ist, pendelt das Blut zurück. Was die Auswurfleistung des linken Herzens vermindert, weil es nicht mehr synchron mit dem rechten arbeitet.

Das „New England Journal of Medicine“ hat jetzt eine israelische Studie veröffentlicht, in der über sieben Jahre hinweg Patienten mit Linksschenkelblock beobachtet wurden. Man hatte der Hälfte einen Herzschrittmacher implantiert, der nicht nur – wie normalerweise, bei langsamem Pulsschlag – den rechten Teil des Herzens stimuliert, sondern zeitgleich auch das linke erregt. Mit beeindruckendem Erfolg: Das „Pendelblut“ verschwand. Im Vergleich zum Kontrollkollektiv sank die Letalität in der Behandlungsgruppe mit dieser „Resychronisationstherapie“ um 41Prozent.

Überzeugende Aussagen für eine – allerdings nicht billige – Methode, die meines Erachtens nach genauer Diagnostik viel öfter bei Patienten im Alter angewandt werden sollte.

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