Bruno Reichart Gezielte Hilfe für die Gebrechlichen

 Foto: Gregor Feindt

Gezielte Hilfe für die Gebrechlichen

 

Es fällt mir positiv auf, dass in den Medizin-Publikationen neuerdings häufiger der Begriff „frail” auftaucht. Das englische Wort wird ins Deutsche mit „gebrechlich” oder „schwach” übersetzt und beschreibt den Zustand von Altersveränderungen – ein bisher kaum erforschter Zustand, über den es nur wenige gute Studien gibt. Fest steht, dass mehr Frauen als Männer darunter leiden und dass bei nahezu der Hälfte jener Patienten, die im hohen Alter zum Beispiel am Herzen operiert werden müssen, Zeichen der Gebrechlichkeit festgestellt werden.

Zu den Symptomen gehören Gewichtsverluste (bis zu fünf Kilogramm pro Jahr) aufgrund von Muskelschwund, damit verbunden sind Kraftverlust, Erschöpfungszustände und Antriebslosigkeit. Auffällig sind kleine Trippelschritte, wegen der zunehmenden Unsicherheit beim Gehen und Balancieren. „Frail patients” sind oft depressiv, haben häufig chronische Leiden wie Herz- und Nierenerkrankungen, Anämien, Osteoporose, immer wieder wird auch eine vermehrte Infekt-Anfälligkeit festgestellt.

Was kann dagegen getan werden? Training, Training, Training! Und ausgewogene, eiweißreiche Ernährung, eventuell mit Vitamin B + D-Substituierung. Unter Umständen werden Anabolika benötigt. Wichtig ist die Behandlung von chronischen Begleiterkrankungen, allen voran der Herzinsuffizienz.

Zu diesem Thema passt ein Artikel im neuen „Lancet”: Es geht um die individualisierte medikamentöse Behandlung von älteren Menschen mit Zuckererkrankung, die oft heftiger als jüngere auf übliche Therapievorschriften reagieren. In dieser Studie wurden höhere Blutzucker-Werte von den Senioren gut toleriert. Man verabreichte ihnen eine neu entwickelte Substanz (ein Gliptin), bei der es kaum zu den gefürchteten Unterzuckerungsattacken kam. Gliptine sind auf dem deutschen Markt leider noch nicht erhältlich.

 

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