Bruno Reichart Die Transplantation von Darmbakterien

Haben Sie auch eine Frage an Herzchirurg Prof. Dr. Bruno Reichart? Schreiben Sie an medizin@abendzeitung.de Foto: Gregor Feindt

Herzchirurg Bruno Reichart schreibt die wöchentliche Gesundheits-Kolumne in der AZ. Diesmal geht es um die Transplantation von Darmbakterien

 

Die meisten Menschen wissen nicht genau, was ein Endokrinologe eigentlich macht. Das war eine der Erkenntnisse, die ich mitbrachte von der 57. Jahrestagung der Endokrinologie in Dresden: Geduldig wurde Journalisten und nicht-medizinischen Kongress-Besuchern erklärt, dass die Endokrinologie die Lehre von jenen Drüsen im Körper ist, die Hormone produzieren und damit den Stoffwechsel beeinflussen – zum Beispiel Schild- und Bauchspeicheldrüse.

Das größte endokrine Organ ist jedoch das Fettgewebe unter der Haut, das viele Hormone produziert mit Auswirkungen unter anderem auf Hunger oder das Sättigungsgefühl. Es verwundert daher nicht, dass es bei Übergewichtigen zu Hormonstörungen, zum so genannten „metabolischen Syndrom“ kommt, mit erhöhtem Bluthochdruck oder Diabetes. Mit einem neuen Verfahren will man nun Übergewichtigen und Fettleibigen, die sich resistent gegen alle Diäten gezeigt haben, helfen – und zwar mit der Hilfe der „Transplantation“ von Darmbakterien. Die Bakterien werden schlanken Spendern entnommen und den Übergewichtigen in den Dünndarm infundiert.

Auch um mein Gebiet, die Xeno-Transplantation, ging es auf der Tagung. Die Dresdner Endokrinologen, die unserem DFG-Konsortium angehören, berichteten von Fortschritten bei der Behandlung von Patienten mit Insulinmangel (Diabetes Typ 1). Eine Art Eishockey-Puck aus kleinporigem Polymer wird wie ein Schrittmacher unter die Haut im Bauch eingepflanzt; er beinhaltet insulinproduzierende Schweinezellen der Bauchspeicheldrüse. Der Trick: Große Antikörper oder Zellen, die eine Abstoßungsreaktion hervorrufen, können nicht durch die Polymer-Schutzschicht eindringen, Insulin und Glucose aufgrund ihrer Molekül-Kleinheit jedoch schon. Der Patient braucht keine Immunsuppression. Dies wird der erste Erfolg unseres Konsortiums sein, der in die Praxis umgesetzt werden kann. Die Verhandlungen mit dem Paul-Ehrlich-Institut hinsichtlich der ersten Anwendungen laufen.

 

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