Bruno Reichart Der rasante Wandel in der Krebs-Medizin

Haben Sie auch eine Frage an Herzchirurg Prof. Dr. Bruno Reichart? Schreiben Sie an medizin@abendzeitung.de Foto: Gregor Feindt

Herzchirurg Bruno Reichart schreibt die Gesundheits-Kolumne in der AZ. Diesmal: Der Wandel in der Krebsmedizin.

 

Drei Chirurgen aus drei Ärzte-Generationen wurden jetzt in Großhadern geehrt. Prof. Friedrich Wilhelm Schildberg (Klinikdirektor 1986 -2002) feierte 80. Geburtstag, sein Schüler Prof. Karl-Walter Jauch ist soeben in das Amt des Ärztlichen Direktors gewechselt, dessen Nachfolger Prof. Jens Werner ist aus Heidelberg an die LMU gekommen. „Chirurgische Onkologie im Wandel der Zeit“ hieß das Symposium, das den rasanten Wandel der gesamten Krebs-Medizin herauskristallisierte.

Nuklearmedizinische Techniken zum Beispiel spielen neben der konventionellen Bildgebung (Kernspin, CT) eine immer größere Rolle. Neu: Protonen-abgebende Glukose wird in den Körper gespritzt und dort von den sich rasch teilenden Tumorzellen/Metastasen aufgenommen. Auf dem Bildschirm kann der Arzt die „strahlenden“ Zellen sehr genau erkennen – das hilft bei der Diagnostik (Wie weit fortgeschritten ist der Tumor?) oder der Prognose (Spricht der Tumor auf die Chemotherapie an? Wie sind die Chancen nach einer Operation?).

Neu auch die Bestrahlung „von innen her“, zum Beispiel bei Leber- und Prostata-Karzinomen: Der Nuklearmediziner verabreicht Tabletten mit Radiopharmaka, die im Körper von den passenden Tumor-Markern aufgenommen werden und dort mit der Attacke gegen die bösartigen Zellen beginnen.

Positive Erkenntnisse auch aus der Forschung am Krebs-Genom: Man hat erkannt, dass verschiedene Tumor-Gene im Körper gemeinsame krankheitserregende Signalwege entstehen lassen. Es ist also nicht mehr so wichtig, wo sich welcher Tumor befindet – die von unterschiedlichen Karzinomen abgesonderten bösartigen Botenstoffe werden durch eine gezielte („personalisierte“) medikamentöse Therapie unschädlich gemacht.

Die Entscheidung, welche Therapiekombinationen den größten Erfolg versprechen, trifft inzwischen nicht mehr nur ein Arzt allein: In vielen großen Zentren gibt es die Tumor-Boards, mit allen betroffenen Fachärzten besetzt. 

 

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